The Color Of Rain - Oceans Above

Review

Das niederländische Underground-Kollektiv Zwotte Kring beheimatet eine ganze Reihe von Bands aus dem Bereich Black Metal und Umgebung. Dazu gehören auch THE COLOR OF RAIN, die mit vielen Bands dieses Kollektivs gemein haben, dass sie sich Schlagzeuger Floris Velthuis teilen. Das Trio begibt sich mit dem Debüt „Oceans Above“ auf eine eher entspannte Reise – so entspannt wie Black Metal eben nun mal sein kann. Der Kosmos steht im Zentrum des musikalischen Wirkens der Niederländer und entgegen aller Klischees scheint es hier ausnahmsweise mal nicht um Lovecraft’sche Schrecken zu gehen, so verführerisch dies vermutlich auch bei der Albumkonzeption gewesen sein muss. Es geht weit weniger extrem zu wie bei Landesgenossen der Marke KÆCK oder BEZWERING.

„Oceans Above“ beheimatet einen stimmungsvollen, gar nicht mal so straffen Black Metal

THE COLOR OF RAIN beschwören einen vorzugsweise im Midtempo agierenden Mix aus Progressive und Post-Black Metal mit einigen Death-Metal-Tupfern hier und da und hinreichend Abwechslung in Intensität, so im Spektrum zwischen HARAKIRI FOR THE SKY und BARISHI. Der Mix ist tatsächlich sehr stimmungsvoll geraten und die Gitarrenarbeit, die von Gerhans Meulenbeld offenbar im Alleingang gestemmt wird und angenehm technisch ausgefallen ist, ohne das Geschehen zu sehr zu überlagern. Einen guten Eindruck dessen kann man sich im Titeltrack verschaffen. Die Gewichtung der einzelnen Elemente wird oftmals variiert, was gut ist, was sich aber auch als zweischneidiges Schwert erweist – mehr dazu gleich. Ebenfalls gelungen ist die Schlagzeugarbeit von Velthuis, der das Ganze nicht zu straff einfasst, sondern den zahlreichen, farbenfrohen Melodien genug Raum zum Atmen lässt.

Der Gesang von Devi Hisgen besticht durch ein breites Spektrum, von klassischem Gefauche über durchaus biestige Growls hin zu Clean Vocals und Spoken Word. Die beiden letztgenannten sind im Vergleich eher schwach ausgeprägt, wodurch die entsprechenden Passagen manchmal ein bisschen im Sande verlaufen. Und wo wir gerade bei Schwächen sind: Die Beschaffenheit des Stils der Niederländer, so stimmungsvoll sie auch durchweg sein mag, wirkt manchmal etwas zu heterogen für das eigene Wohl. Will sagen: „Oceans Above“ fühlt sich weniger wie ein „Großes Ganze“ und mehr wie eine Ansammlung von acht Ideen an, die sich die Band zusammengejamt hat. Der Sound springt zwischen moderat aggressiver Black-Metal-Kälte („Cult Of Cosmic Flood“), ominöser, okkulter Stimmungsmache („Corrosion Of The Flesh“) und Post-Black-Tagträumerei („The Guiding Lights To Eden“) hin und her und es wirkt, als befände sich die Band noch ein wenig in der Findungsphase.

Ein paar Kinderkrankheiten müssen THE COLOR OF RAIN aber noch behandeln

Aber zumindest bestehen THE COLOR OF RAIN ihren Jungfernflug in voller Länger auf „Oceans Above“, ohne sich irgendwelche peinlichen Schlappen zu leisten. Der Sound ist angemessen klar und nicht zu klinisch, es klingt bei aller Transparenz doch wie Black Metal. Dass das Album in Ermangelung eines stilistischen roten Fadens ein bisschen heterogen am Hörer vorbeirauscht, ist schade, zumal aufgrund der noch ausbaufähigen Vocals der Hook- bzw. Ehrfurcht-Faktor noch nicht ganz ausgeprägt ist. Was die Band richtig macht, gefällt aber durchweg und macht Lust auf mehr. Wer es natürlich ranzig, dreckig und wüst mag, schaut hier in die Röhre. Wer sich dagegen mit einem in Sachen Härte zurückhaltenderem Album anfreunden kann, der sollte hier mal reinhören und sich einen Eindruck verschaffen.

27.11.2023

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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