The Crystal Teardrop - Love You More

Review

THE CRYSTAL TEARDROP, ihr provoziert mit eurer zweiten Platte „Love You More“ den Blick auf die Digitaluhr: 2026! Menschen, die heute in ihren Sechzigern sind, sind mitunter in den Sechzigern geboren – und ihr steigt in den Magic Bus und ab geht die Fahrt? Mit Paisley-Weste, Vintage-Boots, Orgel und Sitar in die Psych-Pop-Manege der Midlands? Durch Raum und Zeit und mit der Liebe im Herzen?

Früher war es besser

Andererseits, CRYSTAL TEARDROP, solltet ihr damit bei uns ankommen. Nicht mit dem Liebes-Ding natürlich. Aber mit dem Blick nach hinten und eurer Konsequenz. Denn auch wir wissen, dass früher alles besser war. Ungefähr zwei Jahrzehnte weniger früher, aber das ist ein Detail. Wertkonservativ ist unsere Metal-Gemeinde aus Prinzip. Und wie oft ist der Metal nicht schon verraten worden? Erst vom Death Metal, dann vom Grunge, vom Nu Metal, dem Metalcore, von Djent – der unechten Verwässerungs-Angriffe gab und gibt es viele.

THE CRYSTAL TEARDROP musizieren in den Sechzigern

Klanglich stellt eure stylisch verstrahlte und opulent mit mehrstimmigen Harmonien garnierte Reanimation des Vorgestern für uns trotzdem eine Herausforderung dar. Denn das Rock-Element spielt bei euch abseits der Kleidung tatsächlich kaum eine Rolle. Ähnlich wie das weniger freundliche BRIAN JONESTOWN MASSACRE ist die verzerrte Gitarre meist nur verdichtende Grundierung, bleiben eure Songs bei den melodischen BEATLES kurz vor dem Ashram-Tempel und entspannten BYRDS beim Tee. Dass ihr mal vorsichtig Verwegenheit wagt wie „It’s Too Late“ oder „The Eleventh Hour“, ist die Ausnahme.
Das, Alexandra Rose, Leon Jones, Stuart Grey, Ed Quigley und Huw Woodward, ist einerseits beeindruckend (siehe oben) und beschert uns auch diverse Melodien für den rektalen Sonnenaufgang. Denn Songs schreiben und arrangieren könnt ihr. Jedes Stück auf „Love You More“ ist in sich schlüssig und betritt geschmeidig das Ohr.

„Love You More“ ist geschmeidig

Andererseits eben, Stichwort erneut Liebe: Reicht uns das? Auch inhaltlich sind wir unterschiedlich. Wir haben das Comeback der Lavalampe in den Neunzigern abgelehnt, wir ankern uns tendenziell in Anger and Hatred. Nackenbrecher und Schädelspalter sind für uns ehrbare Songs, hier im Metal. Hier in dieser Realität. Der dunklen Realität.
Erleichternd ist es daher, dass ihr über Rise Above veröffentlicht. Denn so seid ihr ja irgendwie Teil der Familie. So könntet ihr vielleicht wirklich unser heimlicher Pfad zur Blumenwiese sein. WUCAN sind schließlich auch Hippies und dürfen mitmachen.
Peace.

25.09.2026

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