
THE OTHER öffnen ihr Archiv der Monster
Special
Für „Metal Minds: The Pit Unplugged“ spricht Rod Usher über die neue Platte „Other Dimension“ von THE OTHER, die am 30. Oktober erscheint. Die Zusammenstellung aus neuen Songs, älterem Material und lange schwer erhältlichen Stücken wirft dabei eine größere Frage auf: Was passiert mit Musik, wenn immer mehr davon verfügbar ist, einzelne Songs aber immer weniger Zeit bekommen?
THE OTHER haben für „Other Dimension“ tief in ihr eigenes Archiv gegriffen. Bonustracks, Coversongs und Material aus vergriffenen Veröffentlichungen stehen neben drei neuen Stücken, die bereits während der Arbeit an „Alienated“ entstanden, damals jedoch bewusst zurückgehalten wurden. Rod Usher bezeichnet das Ergebnis als eine „Fahrt durch die THE-OTHER-Geisterbahn von 2008 bis jetzt“.
Dass Songs verschwinden können, obwohl sie veröffentlicht wurden, gehört inzwischen zur Realität vieler Alben. Singles landen in Playlists, sammeln Streams und bleiben im Liveset. Andere Stücke rutschen nach hinten. Rod kennt das auch als Hörer: „Früher hat man eine Platte bis zum Erbrechen gehört.“ Heute hört er selbst ein neues Album einer Lieblingsband einige Male, bevor Alltag, Podcasts, Bücher und die nächste Veröffentlichung dazwischenkommen.
Other Dimension: Wenn Songs im Album verschwinden
„Other Dimension“ gibt ausgewählten Songs deshalb noch einmal Raum. Das gilt auch für die neuen Stücke. „My Silent Bride“ hätte auf „Alienated“ zwischen den übrigen Tracks leicht untergehen können. Nun eröffnet der Song die Platte und zeigt zugleich, wie THE OTHER ihr eigenes Horrorvokabular bearbeiten. Rod sammelt Wörter, Bilder und Themen aus Büchern und sucht nach Möglichkeiten, bekannte Motive neu zu erzählen. „Wir können eine Horrorgeschichte erzählen und dabei trotzdem aktuelle Kommentare verfassen.“
Auch „Aufgewacht“ verschiebt die vertrauten Koordinaten. Der deutsche Text verändert Artikulation und Rhythmus, der Song rückt näher an Deutsch- und Düsterpunk heran. Wörter sperren sich anders gegen die Melodie, Konsonanten schlagen härter durch, und der Gesang bekommt mehr Biss.
THE OTHER und die Wurzel des Punkrocks
Der Blick zurück reicht bis ins Songwriting. Beim Proben alter Misfits-Stücke fällt auf, wie wenig sich diese Songs um heute übliche Strukturen kümmern: unterschiedlich lange Strophen, abrupte Wechsel, kein schneller Einstieg nach Streaming-Lehrbuch. „Damals hat man einfach gemacht.“
Ähnlich konkret wird der Rückblick auf der Bühne. Für Halloween kehren THE OTHER in Köln in den kleineren Club VOLTA zurück: weniger Abstand zwischen Band und Publikum, wieder Crowdsurfing, Circle Pit und alte Misfits-Songs. Rod erinnert sich an frühe Shows, bei denen Menschen das Mikro mitergriffen und von der Bühne direkt ins Publikum sprangen.
Vielleicht liegt darin die stärkste Verbindung zwischen alten Songs, kleinen Clubs und neu geöffneten Archiven: Musik bleibt nicht allein deshalb lebendig, weil sie verfügbar ist. Sie braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Orte, an denen Menschen tatsächlich etwas mit ihr machen.
Galerie mit 19 Bildern: The Other – Heavy Hamburg Halloween III 2022

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Diana Heinbucher
































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