
Kein Metal, aber...
...für Metalheads vielleicht trotzdem interessant. - Teil 2
Special
WEEN
Nicht viele Rockbands wirbeln derart viele verschiedene Einflüsse mühelos herum, ohne prätentiös oder auf Biegen und Brechen eklektisch zu klingen. Noch weniger Bands schaffen es dabei gleichzeitig auf der einen Seite professionell und wohl produziert zu klingen, dann aber wiederum auch den Charme einer Indie-Formation der Marke Eigenbau zu versprühen. Aber WEEN waren (oder sind) eine dieser Formationen, die diesen Widerspruch verkörpern und sich damit einen Kultstatus erspielen konnten, sicher ein Stück weit auch dank ihres Humors, der mal subtil untergehoben wird, mal ins komplett Alberne abdriftet und gelegentlich einfach nur darin besteht, über die eigenen Penisse zu singen. Im Kern besteht die Band aus den nicht miteinander verwandten High School-Freunden Dean Ween (Mickey Melchiondo) und Gene Ween (Aaron Freeman), die aufgrund ihres geteilten Interesses für Musik zueinander gefunden und in den Achtzigern erste Demo-Aufnahmen und Live-Auftritte im Vorprogramm von Formationen wie SKUNK oder ROLLINS BAND vollzogen haben, bevor sie ihr Full-Length-Debüt „God Ween Satan: The Oneness“ 1990 veröffentlichen sollten.
Eine Band, viele Gesichter
Der Appeal der Band liegt vor allem in dem mühelosen Abwechslungsreichtum und der Experimentierfreude, im Rahmen derer lärmende Rock-Eruptionen, launische Grunge-Cuts, komplett verspleente Indie-Kabinettstückchen und geradezu BEATLES-artige Pop-Sahnetörtchen nicht nur in der gleichen Trackliste Platz finden, sondern auch nebeneinander Sinn ergeben können. Wer hier aufgrund des BEATLES-Namedrops an deren „White Album“ denkt, denkt im Grunde grob in die richtige Richtung, wobei WEEN gemäß der Neunziger natürlich mit mehr Augenzwinkern und einer größeren Bereitwilligkeit, unterhalb der Gürtellinie und/oder ohne Filter zu texten, unterwegs sind. Und nicht jeder Song ist wie geleckt produziert, hört man schließlich auch in ihrer Major Label-Phase, die mit dem Drittwerk „Pure Guava“ eingeleitet worden ist, deutliche Underground-Vibes und reichlich sequenzierte Instrumente neben dem oftmals sehr expressiven Gitarrenspiel der beiden Weener.
Die Diskografie von WEEN zu entdecken ist ein wildes Abenteuer, da selbst das stilistisch konsistenteste Album „12 Golden Country Greats“ nichts mit dem üblichen, mehr in Richtung Alternative mit Beat-, Indie- und Art Rock-Versatzstücken tendierenden Wirkungsradius der Band zu tun hat, sondern ein waschechtes Country-Album darstellt. Zwar schon variantenreicher, aber doch relativ kommerziell und bekömmlich ist da „White Pepper“, das sich aufgrund seiner gediegeneren Natur und (im Vergleich) recht im Zaum gehaltener Experimentierfreude vermutlich als ein wunderbarer Einstieg für Neulinge eignet. Faszinierend ist auch, mitzuerleben, wie WEEN als Independent-Act auf ihren ersten Platten „God Ween Satan: The Oneness“ und „The Pod“ klangen, wie sie auf ihrem Major Label-Debüt „Pure Guava“ immer noch diese Fahne empor hielten, dann langsam den Weg aller Major-Bands gingen, ehe sie mit dem Fan-Favoriten „Quebec“ wieder zu einer echten Indie-Band werden sollten.
Von Punk-Rotz über Indie-Gerumpel bis Pop-Sahnestückchen ist bei WEEN alles dabei
WEEN zu entdecken ist, als würde man einem wilden, perfekt aufeinander eingespielten Ensemble lauschen, das in immer neu zusammengewürfelten Lineups Häppchenweise ins Studio gebeten wird zur Aufnahme eines Songs, ehe die Besetzung für den Folgetrack neu ausgelost wird. Nur so lässt sich erklären, wie auf „The Mollusk“ beispielsweise ein bizarrer Surf-Rocker namens „Waving My Dick In The Wind“ vor einem verdächtig nach Peter Gabriel auf Grunge klingenden, dramatischen Rocker stehen kann, der dann wiederum vom objektiv vielleicht besten Song aller Zeiten, „Ocean Man“, abgelöst wird – bekannt übrigens unter anderem durch den Abspann des Spongebob Films von 2004. Ganz großes Rock-Kino, das alles ereignet sich innerhalb von weniger als zehn Minuten und ist damit um einiges fett- und kalorienärmer als so manche Rockoper.
Und wer sich einen richtig lustigen Nachmittag machen möchte, sollte sich, am besten in lustiger Gesellschaft, die Musikvideos von WEEN anschauen. Da darf in „I Can’t Put My Finger On It“ u. a. der Döner-Mann von gegenüber [OK, es ist ein Shawarma-Mann, sorry] mit lipsynchen. Unterdessen gibt man sich im Video zu „Push Th‘ Little Daisies“ so richtig schön albern – obgleich WEEN zu dem Zeitpunkt technisch gesehen bereits einen Major-Vertrag bei Elektra hatten, sieht das Teil von vorn bis hinten nach Shoestring-Budget aus. Mit all dem ist das Œuvre dieser Band natürlich nur sehr oberflächlich angerissen, aber vielleicht motiviert es den ein oder anderen, die Platten der Herren mal wieder auszukramen bzw. deren Wirken zu entdecken. Seit dem zum Zeitpunkt des Verfassens letzten Album „La Cucaracha“ von 2007 war die Band zwar live aktiv, fand jedoch nicht wieder ins Studio, pausierte mehrfach, teilweise erzwungenermaßen, und verwalten derzeit mehr das eigene Erbe. Aber WEEN sind offiziell immer noch aktiv. Wer weiß also …
(Michael Klaas)
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Die Spitz ist eine meiner persönlichen Entdeckungen des Jahres und Emma Ruth Rundle holt mich sowieso mit jedem Album aufs Neue ab.