President - Blood Of Your Empire

Review

„Theatralik und Täuschung sind machtvolle Instrumente. Du musst mehr als nur ein Mensch im Kopf Deines Gegners sein“, sprach Ra’s al Ghul im Film „Batman Begins“ zu Bruce Wayne. Diese Art, sich – als Künstler in dem Falle – selbst zum Mysterium zu machen, hat in gewisser Weise jüngst eine Renaissance in der Metal-Szene gefeiert. Allem voran stehen GHOST und SLEEP TOKEN, wobei letztere für die Besprechung des vorliegenden PRESIDENT-Debüts „Blood Of Your Empire“ von spezifischem Interesse sind (auch wenn das Ansprechen des Publikums mit „Bürger [Citizens]“ natürlich schon einen GHOST-Beigeschmack trägt). SLEEP TOKEN haben nämlich mit ihrer Mischung aus Modern Metal, zeitgemäßem Pop-Appeal inklusive enormem Trap-Einschlag und tiefer gelegten Djent-Gitarren einen Nerv getroffen und sich eine geradezu kultische Gemeinde erspielen können. Sie polarisieren aber auch, was dazu führt, das zwischen zelotischer Hingabe und entschiedener Abneigung kaum ein Mittelfeld besteht.

Die Parallelen von „Blood Of Your Empire“ zum SLEEP TOKEN-Corpus sind nicht von der Hand zu weisen

Was das alles mit PRESIDENT zu tun hat? Die britische Band erfuhr kurz nach deren Gründung vor nicht ganz zwei Jahren [zum Verfassungszeitpunkt, Anm. d. Red.] einen kometenhaften Aufstieg, spielt zufällig einen ganz ähnlichen Genremix, steht ebenso zufällig unter den Fittichen eines Major Labels und präsentiert sich ebenfalls mit mysteriöser Maskerade und seltsam religiösen Untertönen. Das Quartett hat zwar bereits die mehrfach gemachten SLEEP TOKEN-Vergleiche u. a. als rein oberflächlich abgewiesen, aber das scheint mehr situations-/verlegenheitsbedingter Promosprech zu sein angesichts der Tatsache, dass beide Bands wirklich WIRKLICH sehr ähnlich klingen. Der deutlichste Unterschied besteht vermutlich darin, dass die hier gegenständliche Formation den Pop-Appeal des Sounds noch intensiver untermalt hat. Was SLEEP TOKEN vor allem hinsichtlich ihrer Klanglandschaften an Komplexität zu bieten haben, ist bei PRESIDENT praktisch vollständig gestreamlined worden.

Das sind sicher nur einige Faktoren, die der Band im Netz das Prädikat „Industrieprodukt“ eingebrockt haben. Und mit ihrem gesamten Auftreten und generell eher weniger beherzten Versuchen, diese Vorwürfe zu entkräften, haben sich die Briten (bislang) auch nicht wirklich einen Gefallen getan. Die Frage ist nun, ob das ein Problem hinsichtlich des Albums ist, oder ob man den Stolz der Authentizität schlucken und durchaus das ein oder andere Ohr beim Full-Length-Debüt „Blood Of Your Empire“ riskieren kann. Die Beantwortung ist hinsichtlich des auf Hochglanz polierten Exponates etwas knifflig. Denn es gibt Alben, die das präsentierte Genre-Konglomerat kunstvoll in Szene setzen. Ein Beispiel jenseits der bereits benannten, offensichtlichen Parallele sind u. a. die neueren LEPROUS, die ihren Weg ebenfalls zum Pop-Appeal gefunden haben, nicht jedoch ohne ihre eigene Vergangenheit als eine der großen Prog-Hoffnungen gänzlich aufzugeben.

Sind PRESIDENT damit ein klassisches Industrieprodukt?

Auf der anderen Seite muss man PRESIDENT zugestehen, dass sie ihre Sache extrem kompetent durchziehen und sich dabei eine raumgreifende, hochmoderne und ansprechende Produktion auf ihre Leiber haben schneidern lassen – um nicht zu sagen: Das Album klingt teuer. Der eponymische Sänger (lt. Netz höchstwahrscheinlich Charlie Simpson von u. a. BUSTED) hat ein paar nette, angeraute Gesangsmomente wie beispielsweise in „Mercy“, packt teilweise sogar ein paar beherzte Schreie aus, singt die meiste Zeit jedoch einen recht zeitgemäßen, blitzblank polierten Tenor, der sich recht geschmeidig im Klangbild einfügt und damit einen Industriestandard beschreibt. Die Gitarren sind auf Djent-Tiefe gestimmt, umspielen das Geschehen aber nicht wirklich sonderlich pfiffig, sondern untermalen eher treibend, während die Synths respektive Samples den eigentlichen Hauptteil der Stimmungsarbeit leisten und den Metal-Anteil für konventionelle Non-Metal-Ohren hinreichend entschärfen.

Das alles hilft ihnen allerdings nicht dabei, sich des Eindruckes zu erwehren, dass das Album ein bisschen zu gleichförmig und gewollt auf maximale Trendiness und große Hooks zugeschnitten klingt. Die in subtilen aber wahrnehmbaren Autotune getunkten Vocals können bedauerlicherweise nicht die Seele einer echten, viszeralen Darbietung replizieren, weil sie auch wieder zu gleichförmig und perfekt klingen. Praktisch jede Gesangsmelodie und jeder Refrain wirkt dadurch austauschbar und abgesehen von einigen wenigen Alleinstellungsmerkmalen wie den angesprochenen Screams oder netten Elektro-Beats wie in „Doom Loop“, bietet „Blood Of Your Empire“ trotz seines oberflächlichen Appeals erschreckend wenige Widerhaken, zu denen man auf Empfängerseite bereitwillig zurückkehren möchte. Die Platte wirkt im Grunde so, als wurde versucht, aus jedem Track einen zeitgenössischen Radio-Hit zu formen, was den Briten wirklich nicht hilft, aus ihrem meterweiten SLEEP TOKEN-Schatten zu springen, geschweige denn den Industry Plant-Vorwürfen Einhalt zu gebieten …

17.09.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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