Kein Metal, aber...
...für Metalheads vielleicht trotzdem interessant. - Teil 2

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DIE SPITZ

Die Spitz – Credit: Pooneh Ghana

„Die Bart, die!“ Wer sich noch an die Simpsons-Folge erinnert, in der Barts Nemesis Sideshow Bob versucht, eine mehr als bezeichnende Tätowierung mit fehlerhaftem Deutsch zu erklären, könnte vermuten, dass der Bandname DIE SPITZ auf ein ähnliches Missverständnis zurückzuführen ist. Ob es sich hier tatsächlich um eine humoristisch eingedeutschte Version von „The Spits“ handelt oder ob es „Die Spitze“ heißen sollte, bleibt unklar.

Vier Texanerinnen mit einem Hang zum Chaos

Denn die vier Anfang 20jährigen Texanerinnen aus Austin, die hinter dem etwas sonderbaren Bandnamen stecken, haben durchaus einen gewissen Hang zum Chaos und nehmen sich selbst nicht immer ganz ernst. DIE SPITZ, das sind Eleanor Livingston (Gesang, Gitarre), Ava Schrobilgen (Gesang, Gitarre, Schlagzeug), Kate Halter (Bass) und Chloe de St. Aubin (Schlagzeug, Gesang, Gitarre). Livingston und Schrobilgen kennen sich seit der Vorschule, mit Kate Halter freundeten sie sich in der Mittelschule an und Chloe de St. Aubin stieß später als ursprüngliche Social-Media-Bekanntschaft dazu. 2022 entschloss sich das Quartett nach einer abendlichen Sichtung des MÖTLEY CRÜE-Films The Dirt schließlich dazu, eine Rock-Band zu gründen und DIE SPITZ waren geboren.

Mit gleich drei Sängerinnen, die sich in Stil und Timbre übrigens deutlich voneinander unterscheiden, sind DIE SPITZ an dieser Front schon recht breit aufgestellt. Und auch die Musik gestaltet sich mindestens so abwechslungsreich, um nicht zu sagen sprunghaft, wie die Aufstellung der Band selbst. Dass DIE SPITZ „kein Metal“ sein sollen, ist dabei etwas geflunkert. Metal ist allerdings nur eine Zutat im kunterbunten Soundbild der Texanerinnen, welches seine Wurzeln im Punk und Hardcore hat, wobei sich DIE SPITZ aber ausdrücklich nicht als reine Punk-Band verstehen.

DIE SPITZ legen den Rock’n’Roll-Begriff weit aus

Das wäre auch zu kurz gegriffen, denn daneben wird sich bei Grunge, Pop Punk, Doom, Sludge, Hard Rock und etlichen weiteren Subgenres zeitgenössischer Gitarrenmusik bedient, ohne dass sich das Quartett dabei sonderlich um Genre-Grenzen schert. Die Band selbst zitiert so unterschiedliche Einflüsse wie TITLE FIGHT, DEFTONES, PJ HARVEY, MUDHONEY und NIRVANA, aber auch OZZY OSBOURNE, BLACK SABBATH und IRON MAIDEN.

Das von Ava Schrobilgen unglaublich räudig gebellte „Hair Of Dog“ lässt aber zumindest vermuten, dass auch Lemmy kein Unbekannter ist und das von Eleanor Livingston kämpferisch intonierte „Throw Yourself To The Sword“ glänzt mit einem der fettesten Sludge-Riffs seit DOWNs „Bury Me In Smoke“. Chloe de St. Aubin wiederum frontet häufig (aber nicht nur) grungiges Material wie das melancholische „Punishers“.

Jetzt mag man sich fragen, ob eine solche Stilvielfalt nicht zu einem ziemlich zerfahrenen Hörerlebnis führt. Auf zwei starken EPs und dem 2025er Debütalbum „Something To Consume“ zeigen DIE SPITZ leichtfüßig, dass dies mitnichten der Fall ist. Denn obwohl die Truppe fröhlich durch die Subgenres wechselt und dabei über weite Strecken auf Ohrenschmeichelei und klassisches Chart-Material pfeift, entwickelt sich ein unwiderstehlicher Flow und DIE SPITZ haben zu jeder Zeit einen Wiedererkennungswert, der sich eigentlich nur mit gutem Songwriting und einem blinden Verständnis untereinander erklären lässt.

Dabei stimmt zudem der künstlerische Anspruch, der sich neben der Musik auch auf die visuelle Präsentation erstreckt. Statt lahmen Visualizern haben DIE SPITZ in ihrer noch jungen Karriere schon eine Vielzahl unterhaltsamer und teils hochgradig skurriler Musikvideos veröffentlicht, die nicht nur sehenswert sind, sondern denen man den Spaß der Musikerinnen beim Dreh auch förmlich ansieht.

Haltung, Humor und künstlerischer Anspruch

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Inhalte. Female Empowerment und weibliche Selbstbestimmung gehören zum zentralen Selbstverständnis von DIE SPITZ. Das kann mit positiven Vibes wie bei „Riding With My Girls“ einhergehen, oder auch maximal konfrontativ wie bei „Groping Dogs Gushing Blood“. Der Umgang mit Frauen in der Unterhaltungsindustrie wird basierend auf persönlichen Erfahrungen in „American Porn“ beleuchtet. Doch nicht nur dem Patriarchat sagen DIE SPITZ den Kampf an; sie sprechen sich grundsätzlich gegen Unterdrückung und für die Unterstützung marginalisierter Gruppen aus. Trotz der inhaltlichen Nähe zu Riot-Grrrl-Bewegung und Auftritten im Vorprogramm von L7 verstehen sie sich aber nicht als Riot-Grrrl-Band. Andere Texte wiederum beschäftigen sich mit Themen wie Sucht, Konsumverhalten und toxischen Beziehungsdynamiken („Punishers“), während es etwa bei „A Strange Moon/Selenophilia“ auch einfach mal um reine Weltflucht gehen darf.

Fassen wir also zusammen: DIE SPITZ sind eine hungrige junge Band, die den Rock’n’Roll-Begriff weit auslegt und dabei Haltung mit Humor und künstlerischem Anspruch verbindet. Davon, dass die vier Frauen zudem jede Menge Spaß in den Backen haben, kann man sich am besten bei einer ihrer hochenergetischen Live-Shows überzeugen. Denn DIE SPITZ sind seit ihrer Gründung ständig irgendwo auf Tour und haben es auch schon auf europäische Bühnen geschafft. DIE SPITZ are going places!

(Hans Völkel)

Galerie mit 15 Bildern: Koenix – Hörnerfest 2023Galerie mit 5 Bildern: Emma Ruth Rundle in der Kulturfabrik Luxemburg 10.7.18

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28.10.2026

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1 Kommentar zu Kein Metal, aber... - ...für Metalheads vielleicht trotzdem interessant. - Teil 2

  1. Speedkartoffel sagt:

    Die Spitz ist eine meiner persönlichen Entdeckungen des Jahres und Emma Ruth Rundle holt mich sowieso mit jedem Album aufs Neue ab.