
GODSLAVE: zurück im eigenen Namen, aus Lust und Liebe zum Metal
Special
Fünf Jahre nach „Positive Aggressive“ veröffentlichen GODSLAVE ein Album, das nur noch den eigenen Namen braucht. „Godslave“ ist das Ergebnis einer Band, die beinahe an sich selbst gescheitert wäre, ihre Arbeitsweise neu ordnete und ihren eigenen Rhythmus wiederfand. Im metal.de-Podcast „Metal Minds – The Pit Unplugged“ spricht Gitarrist Bernie über kreative Blockaden, gemeinsames Songwriting und eine Thrash-Platte, die ihren Radius erweitert, ohne ihre Herkunft zu verleugnen.
Die Geschichte von „Godslave“ beginnt lange vor dem ersten Studiotag. Während der Pandemie erfuhren Gitarrist Bernie und Bassist Mika voneinander, dass sie unabhängig voneinander über einen Ausstieg aus der Band nachgedacht hatten. Ausgerechnet zwei enge Freunde hatten darüber nicht gesprochen. Die Band reagiert darauf nicht mit Durchhalteparolen, sondern stellt ihre Zusammenarbeit auf den Prüfstand. Auch die Dokumentation „Hinter der Kulisse – ein Blick in die Seele einer Metalband“ erhält dadurch eine neue Richtung.
Danach wird neu sortiert: Aufgaben werden klarer verteilt, Verantwortung und Entscheidungsspielraum werden gekoppelt. Vor allem aber soll die Arbeit rund um GODSLAVE nicht länger die Musik auffressen.
Ein wichtiger Zwischenschritt ist 2025 „Champions“. Auf dem Coveralbum beschäftigen sich GODSLAVE mit Musik, die sie selbst geprägt hat. Für Bernie war genau diese Rückkehr zum Fan-Sein entscheidend, um kreativ wieder in Bewegung zu kommen.
GODSALVE: Thrash als Fundament, nicht als Käfig
Das hört man „Godslave“ an. Die Platte bleibt fest im Thrash verwurzelt, erlaubt sich aber mehr Ausschläge als zuvor. Harte Riffs treffen auf große melodische Refrains, gegen Ende dringen Death und Power Metal deutlich ins Klangbild.
Der beste Beleg dafür steht gleich am Anfang. „Reset, Rebuild, Reclaim“ entstand bereits während der Sessions zu „Positive Aggressive“, passte damals jedoch nicht. Bernie steckte zu dieser Zeit in einer kreativen Blockade und versuchte, anders zu schreiben, als es seiner eigenen Stärke entsprach. Jahre später holte er den Song wieder hervor und plötzlich funktionierte er. Rückblickend nennt er ihn einen „Befreiungsschlag“, der fünf Jahre gebraucht habe, um zu wirken.
Der Opener setzt damit nicht nur musikalisch den Ton an. Sein Titel beschreibt auch den Weg der Band: erkennen, was nicht funktioniert, neu aufbauen und sich zurückholen, was verloren ging. Zwischenzeitlich sollte sogar das gesamte Album so heißen.
Gemeinsam statt nebeneinander
Entscheidend hat sich auch das Songwriting verändert. Statt fertige Stücke einzeln einzureichen, arbeiteten Bernie, Manni und Mika diesmal stärker mit Fragmenten: Riffs, Melodien, Ideen. Und daraus entwickelten sie die Songs gemeinsam weiter.
Das Ergebnis wirkt vielseitig, aber nicht beliebig. Besonders das Schlussdoppel zeigt, wie weit GODSLAVE ihren Rahmen öffnen. „Let The Fire Come“ zieht mit Blastbeats in Richtung Death Metal, während „The Fire That Calls Me“ auf mehr als sieben Minuten wächst, deutlich Power-Metal-Luft atmet und Laura Guldemond von BURNING WITCHES als zusätzliche Stimme einbindet.
Gerade diese Kontraste tun der Platte gut. „Godslave“ beweist, dass Thrash Identität geben kann, ohne zur stilistischen Zwangsjacke zu werden.
GODSLAVE: „German Thrash Metal with a positive attitude“
Auch textlich bleibt es schwer: Mobbing, Depression, Selbsthass, Zugehörigkeit und Vergebung ziehen sich durch die Platte. Der bekannte GODSLAVE-Claim „German Thrash Metal with a positive attitude“ meint dabei ausdrücklich keinen Zweckoptimismus. Bernie beschreibt die Haltung sinngemäß so: Thrash darf Dinge kaputt schlagen. Danach muss man aber bereit sein, etwas Neues aufzubauen.
„Repaid In Kind“ setzt das exemplarisch um. Der Song verarbeitet Mobbing, verweigert sich aber der simplen Logik der Vergeltung. Vergebung wird zur Möglichkeit, anderen die Macht über das eigene Leben zu entziehen.
Damit sagt diese positive Attitude bei GODSLAVE nicht: „Alles wird gut.“ Sondern: Bleib nicht im Schutt stehen.
Warum „Godslave“?
Fast hätte die Platte „Reset, Rebuild, Reclaim“ geheißen. Doch schließlich wurde klar: Dieses Album braucht den Bandnamen. Für Bernie darf ein selbstbetiteltes Album nur dann so heißen, wenn es etwas Wesentliches über eine Band aussagt. Und genau das tut „Godslave“.
Die Platte erfindet GODSLAVE nicht neu. Sie bündelt, was die Band heute ausmacht: Thrash als Fundament, mehr musikalische Freiheit, gemeinschaftlicheres Songwriting und die wiedergewonnene Lust gemeinsam zu musizieren.
Galerie mit 15 Bildern: Godslave - Wolfweez Open Air Festival 2026

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Diana Heinbucher
































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