
JACK FROST, zu Grabe getragen, mit tiefem Leid und bös geschunden,
unter der Asche darbend, der Kraft beraubt, voll tiefer Wunden,
doch in der Seele, da glüht ein Funke, tief und rein,
das Feuer ist nicht erloschen, und etwas Neues, GRAVE DANCE COMPANY, wird sein.
Aus der Asche von JACK FROST
Im Oktober 2023 verabschiedeten sich JACK FROST endgültig nach 30 Jahren und spielten in Linz ihr Abschiedskonzert. Durch die Krebserkrankung wurde die Stimme von Frontman Phred Phinster 2021 geraubt, ein prägendes Element der Endzeithymnen. Michelle Darkness von END OF GREEN, langjähriger Weggefährte der österreichischen Gloom-Rocker, übernahm an diesem Abend den Gesang. Als letzter Song erklang passenderweise „From Here I Walk Alone“. Doch in diesem Abschied lag ein Neubeginn.
GRAVE DANCE COMPANY – ein Neubeginn
Aus diesem Ausnahmezustand, die leere Position an einem letzten Konzertabend zu füllen, entwickelten sich GRAVE DANCE COMPANY. Infolge jahrzehntelanger Verbindung, einer gemeinsamen Vergangenheit und gemeinsamer Wahrnehmung von Musik, entstand in diesem Moment eine neue Band, die ihre Wurzeln nicht leugnet. Neben Michellle Darkness bestehen GRAVE DANCE COMPANY aus Bassist Kirk Kerker (END OF GREEN), sowie den ehemaligen JACK FROST Mitgliedern Mournful Morales, Gary Gloom und Hell Baker (alle Gitarre) sowie Schlagzeuger Collossos Rossos. Diese Konstellation weckt natürlich hohe Erwartungen.
Die erste gemeinsame EP „Lon Chaney“ veröffentlichte das deutsch-österreichische Sextett 2025. Drei Songs davon, „Wild Ones“, der Titelsong und „Give Myself Away“, sind nun auch auf dem Debütalbum „Ruins“ enthalten.
Zwischen END OF GREEN und JACK FROST
Musikalisch bewegen sich GRAVE DANCE COMPANY in der Schnittmenge Dark und Gothic Metal/Rock, hier und da auch ein wenig Doom. Einfach gesagt – zwischen END OF GREEN und JACK FROST, dazu etwas TYPE O NEGATIVE, PARADISE LOST, LAKE OF TEARS (insbesondere die ersten Alben) und LACRIMAS PROFUNDERE. Die klar strukturierten Songs sind kompakt und sehr direkt, reduziert gehalten, ohne große Schnörkel oder stilistische Ausbrüche. Einprägsame Hooks, getragene Melodien, straighte, schwere Gitarren, die dunkle, charismatische Stimme von Michelle, düster-melancholische Stimmung. Einfache Zutaten, die ihre Wirkung entfalten. Ebenfalls erfreulich – die Grenze zum Kitsch, in diesem Genre besonders heikel, wird nie überschritten.
„Wild Ones“ eröffnet den Reigen. Eingängige Melodien, prägnante Riffs, dunkle, dominante Stimme, melancholische Stimmung, doomiger Dark-/Gothic-Rock, irgendwo zwischen THE CULT und, klar, JACK FROST. „Die In My Sleep“ ist treibender aber mit den melodischen Gitarren und Hooks genauso catchy, GRAVE DANCE COMPANY gefallen sich in der geradlinigen Ohrwurm-Nische. Im folgenden „Lon Chaney“ fällt zum ersten Mal das dreifache Gitarrengespann auf; die Riffs sind etwas härter, der spannungsgeladene Gothic intensiver, drückender. In „The Devil’s Hour“ kommt der Doom stärker zum Tragen. Drückende Riffs, schwere Rhythmen, ein wenig Sludge, da hat jemand davor ordentlich DOWN gehört.
Im düster-melancholischen „Give Myself Away“ ist Darkness wie so oft nah an Pete Steele. An dessen vorherige Band TYPE O NEGATIVE als auch die Urväter BLACK SABBATH, insbesondere die Riffs, erinnert „New Dawn Fades“. Das balladeske, tieftraurig dahinwalzende wie eindringliche „Where Are You Now“ setzt mit dem inbrünstigen Gesang den emotionalen Endpunkt.
GRAVE DANCE COMPANY meistern auf „Ruins“ meist gekonnt den Spagat zwischen melancholischer Schwere und packender Eingängigkeit. Zwischendurch hätte es aber durchaus auch mal etwas härter sein dürfen.
Was bleibt?
Die Zielgruppe ist klar definiert. „Ruins“ ist ein wirklich anständiges Album, das für Fans von JACK FROST als auch END OF GREEN interessant ist. Natürlich vermisst man das besondere Timbre von Phred Phinster, aber daran lässt sich nun einmal nichts ändern. Nun stehen eben GRAVE DANCE COMPANY für geradlinigen, direkt ins Gefühlzentrum zielenden Goth Rock, der auf Eingängigkeit getrimmt wurde.

Markus Endres






























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