Gåte - Sigil

Review

Soundcheck September 2026# 6 Galerie mit 30 Bildern: Gåte - European Tour 2025 in Berlin

Nanu, eine Band vom Eurovision Song Contest bei Season Of Mist? Ja ok, genug Clickbaiting. Tatsächlich vertraten GÅTE Norwegen beim ESC 2024, auch wenn sie dort leider äußerst unverdient den letzten Platz einheimsten. Die bereits 1999 gegründete Band um Sängerin Gunnhild Sundli machte sich in Sachen Album eher rar in den letzten Jahren, folgten doch auf den 2021er Longplayer „Nord“ erst einmal drei EPs. Jetzt sind GÅTE aber mit „Sigil“ zurück, das im Übrigen ausschließlich neues Material bietet und keine aufbereiteten Songs der EPs. Wir sind also gespannt.

GÅTE – Folk oder Folk Rock?

Wer vom Album ausschließlich metallisch angehauchte Folk-Rock-Songs erwartet, wie den ESC-Titel „Ulveham“ wird vermutlich ein wenig die Stirn runzeln, alle Kenner der Band dürfen sich zumindest freuen, dass GÅTE nach wie vor auch ihrem ursprünglichen Stil weiter fröhnen und nicht wieder zur reinen Nordic-Folk-Phase zurückkehren, die mit dem Vorgänger-Album beendet wurde. Sind wir ehrlich: Aktuell braucht wohl kaum jemand noch eine weitere WARDRUNA-Variante.

Auf „Sigil“ wechseln sich allerdings folkig angehauchte Nummern, eher rockige Songs und Kombinationen daraus ab, wobei die ruhigen Töne die Oberhand behalten. Warum nur „folkig angehaucht“? Nunja, die Norweger schrecken nicht davor zurück, auch moderne elektronische Elemente in ihre Songs einzuflechten, wie beispielsweise zu Beginn von „Strandvaskar“, was dem Material eine erfreuliche Eigenständigkeit verleiht. Auch die gitarrenlastigen Nummern beschränken sich hier nicht auf einen bestimmten Stil, „Oskorsreia“ kombiniert beispielsweise Alternative-Metal-Riffs mit melodischem Black-Metal-Tremolo-Picking. Klingt wie ein krudes Durcheinander? Keineswegs, GÅTE klöppeln daraus atmosphärisch durchaus dichte, in sich geschlossene Songs.

A propos Atmosphäre, auch wenn es folkig wird, reißt die nordische Stimmung natürlich keinesfalls ab. Wie gut, dass es langsam herbstlich draußen wird, denn Songs wie „Sannsiger“ entfalten ihre volle Wirkung bei kühlem Wind einfach besser als in drückender Hitze. In letzterem steuert übrigens Maria Franz (HEILUNG) passenderweise Gast-Vocals bei. Fehlt „Sigil“ denn dann überhaupt etwas? Nunja, zumindest ein, zwei weitere Banger wären sicherlich schön gewesen, außerdem fehlt es vielleicht, bei aller Eingängigkeit, noch an der einen richtig zwingenden Nummer.

Wieder im eigenen Stil angekommen – „Sigil“

GÅTE sind nach einigen Experimenten wieder in ihrem eigenen Stil angekommen. Irgendwie modern, trotzdem traditionell folkig und teilweise sogar im Black Metal verwurzelt („Oskorsreia“) entfaltet „Sigil“ seine Wirkung erst nach einigen Durchläufen, kann sich danach aber durchaus im Gehörgang festsetzen. Insbesondere Sängerin Gunnhild Sundli liefert außerdem eine extrem starke Performance ab („Mi Jord“).

Erfreulicherweise klingen die Norweger dabei ziemlich eigenständig und eben nicht nach einer der drölfzig anderen „Nordic-Folk-Bands“ die gerade den Markt gefühlt überfluten. Nein, GÅTE besetzen ihre ureigene Nische routiniert, lassen trotz aller Erfahrung wenig Langeweile aufkommen. Ein paar mehr Hits hätten der Platte vielleicht noch gut getan, wenn man schon verstärkt auf Eingängigkeit setzt, dennoch ist das Meckern auf hohem Niveau. Wer gerade nach einem passenden Herbst-Soundtrack sucht, sollte auf jeden Fall mal in „Sigil“ rein hören.

17.09.2026

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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