SCHANDMAUL und Freunde liefern folkige Sternstunden in Amphitheater
Konzertbericht
Folk, Metal, Mittelalter-Flair und eine ordentliche Portion Ruhrpott-Romantik: So könnte man den Samstag des Folkfield Festivals im Gelsenkirchener Amphitheater wohl im Schnelldurchlauf beschreiben. Aber erst einmal ganz von vorne!
Nachdem der Freitag bereits mit Acts wie SUBWAY TO SALLY und SCHANDMAUL vorgelegt hat, gehört der Samstag sechs Bands, die ein musikalisches Spektrum von Irish Folk bis hin zu Power Metal abdecken.
Schon vor der Location wartet ein kleiner und definitiv noch ausbaufähiger Mittelaltermarkt auf die Besucherinnen und Besucher des Festivals. Met, das passende Trinkhorn und szenetypische Gewandungen können zwar erstanden werden – das gewohnt gemütliche Marktflair, das zum Verweilen und Flanieren einlädt, kommt jedoch nicht auf. Tatsächlich soll dies aber der einzige nennenswerte Kritikpunkt des ansonsten sehr liebevoll gestalteten Festivals bleiben.
Ein spontaner Start in den Tag mit LESTRANGE
Musikalisch hätte der Samstag ursprünglich mit THE RUMPLED beginnen sollen. Krankheit macht den Italienern allerdings kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen springen LESTRANGE ein und eröffnen den Festivaltag.
Die Band selbst beschreibt ihren musikalischen Stil als „Hörerlebnis, das in den Bann einer Dazwischenwelt zieht“ und dem kann man nur beipflichten. Die Musiker aus Bonn lassen sich nur schwer einem einzigen Genre zuordnen.
Zwischen langsamen Gitarrenmelodien, symphonisch anmutenden Parts und einer gehörigen Portion lyrischer Melancholie finden sich Riffs, die man sonst eher im klassischen Metalcore verorten würde. Abgerundet wird die Darbietung von einer sanften wie kraftvollen Stimme. Der perfekte Wake-up-Call für den zweiten Festivaltag.
MANNTRA bringen das Feuer
MANNTRA halten das Energielevel von vornherein hoch. Die Kroaten sind für die Verbindung von Metal, Industrial-Elementen und traditionellen Folk-Instrumenten bekannt. Dudelsäcke treffen auf Mandolinen, eingängige Gitarrenriffs und den markanten Gesang von Sänger Marko Matijević Sekul.
Obwohl MANNTRA bereits am frühen Nachmittag auftreten, schafft die Band es während ihrer 50-minütigen Show, das Publikum für sich zu gewinnen und die Reihen im Amphitheater immer weiter zu befüllen. Mit Feuershow, Kostümierungen und sichtlicher Freude an ihrem Schaffen bereiten sie auf die weiteren Künstlerinnen und Künstler des Tages vor.

RAUHBEIN und das Bier
Dass man einer trinkfesten Kombo wie RAUHBEIN in Sachen Bier mal eine Lektion erteilen müsste, stößt beim Publikum des Folkfield Festivals erst einmal auf Ungläubigkeit. Der Moderator der Veranstaltung – der „Meister der Äxte“ – belehrt das Amphitheater und Sänger Henry Rauhbein an diesem Nachmittag jedoch eines Besseren. Der Stein des Anstoßes: zwei grüne Bierflaschen.
Und so folgt eine wichtige Lektion über die richtige Farbe der Flasche. In Bayern und NRW scheint man sich entgegen des Frevels auf der Bühne einig zu sein: Bier gehört in braune Flaschen. Der kulturelle Austausch wäre damit auch gesichert!
Auf der Bühne lassen RAUHBEIN wenig anbrennen. Der Mix aus Rock und Folk funktioniert beim Gelsenkirchener Publikum bestens und fügt sich nahtlos in das musikalische Potpourri des Festivaltages ein. Textlich lädt die Band zum Mitgröhlen ein und erhöht zu Songs wie „Auf Die Freundschaft“ und „Am Arsch Vorbei“ die Lust auf mehr!
Geht ein Geiger in den Moshpit
Mit FIDDLER’S GREEN folgt anschließend eine Band, bei der selbst der Tanz-Muffel in der letzten Reihe in Bewegung gerät. Geschwindigkeit und jede Menge Irish-Folk-Vibes sorgen dafür, dass das Amphitheater endgültig zu einer riesigen Tanzfläche wird.
Die Mischung aus treibenden Rhythmen und eingängigen Melodien schlägt ordentlich ein. Die Zuschauerinnen und Zuschauer feiern gemeinsam, und die Grenzen zwischen Bühne und Publikum verschwimmen zusehends – nicht zuletzt, weil Geiger Tobias „Tobi“ Heindl sein Spiel inmitten des Publikums zum Besten gibt. Schnell bildet sich ein riesiger aber gemächlicher Circle Pit um ihn, in dem alle Beteiligten den strahlenden Gesichtern zufolge sichtlich Freude haben.
Eines ist nach diesem Auftritt klar: Gelsenkirchen ist Irish-Folk-tauglich und besteht den eigens von FIDDLER’S GREEN ins Leben gerufenen „Folk-Test“ mit Bravur!

Mit SCHANDMAUL auf dem Weg zu den Sternen
Einer der emotionalen Höhepunkte des Tages folgt mit SCHANDMAUL. Die Gastgeberinnen und Gastgeber des Abends verstehen es, die verschiedenen Facetten ihres musikalischen Repertoires abzubilden.
Die Band schafft zwischen all der folkigen Feierei auch Raum für die leiseren und emotionalen Momente. Bei „Euch Zum Geleit“ rücken die Menschen zusammen, umarmen sich und trocknen gegenseitig die Tränen, die über die ein oder andere Wange kullern.
Um Schmerz und Kummer wieder in den Hintergrund rücken zu lassen, werden der wilde Reigen der „Walpurgisnacht“ getanzt und die heldenhaften Geschichten der „Königsgarde“ erzählt. On Top gibt’s neue Musik des frisch veröffentlichten Albums „Sternensegler“ (VÖ 11.09.2026) auf die Ohren. Eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle!
Der Chor zum Ausklang der Power-Ballade „Dein Anblick“, den Sänger Till immer wieder anstimmt, wird von der untergehenden Abendsonne und einer riesigen Seifenblasen-Wolke aus dem Publikum begleitet, was die Atmosphäre des Konzerts nicht besser abrunden könnte. Ruhrpott-Romantik mit Folk-Untermalung at its best!

WIND ROSE und die Zwergen-Armee auf Kohle und Stahl
Den Abschluss des Samstags übernehmen WIND ROSE. Die Band liefert auf sympathische Art und Weise genau das, was es zur Abrundung eines ohnehin gelungenen Folk-Festivals noch braucht: wuchtigen Power Metal mit Zwergen-Ästhetik, große Melodien und jede Menge gute Laune.
Mit aufblasbaren Spitzhacken machen WIND ROSE aus ihren Zuschauerinnen und Zuschauern kurzerhand eine zwergische Armee, die, der Stimmung nach zu urteilen, Bereitschaft zeigt, zum „Trollslayer“ des Jahres zu werden.
Die Italiener schaffen ein Festival-Finale, das energiegeladener kaum sein könnte. Bei den eingängigen Hits wie „Diggy, Diggy Hole“ und „Rock And Stone“ ist das wenig verwunderlich. Mit guter Laune und epischen Erlebnissen geht das diesjährige Folkfield Festival somit in die letzten Geschichten ein, die der Festival-Sommer 2026 geschrieben hat.
Wer sich selbst vom einzigartigen Flair des Amphitheaters überzeugen möchte und Lust auf eine Reise in die Welt von Metal, Folk und allem dazwischen hat, bekommt am 04.09.2027 erneut die Gelegenheit dazu. Dann öffnet das Folkfield Festival mit Acts wie VERSENGOLD und SAGENBRINGER zum fünften Mal seine Tore.
Text & Impressionen: Alana Leidig
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Alana Leidig
































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