Anvil und Killer
Keeping the oldschool alive

Konzertbericht

Billing: Anvil und Killer
Konzert vom 02.10.2026 | Logo, Hamburg

Manche Konzerte brauchen keine große Produktion, keine Pyrotechnik und erst recht keine perfekt durchchoreografierte Show. Manchmal reichen ein kleiner Club, ein paar Verstärker und Bands, die auch nach Jahrzehnten noch offensichtlich Spaß daran haben, Heavy Metal zu spielen. Genau so ein Abend steht am 1. Oktober im Hamburger LOGO an. KILLER und ANVIL haben zusammen schließlich genug Metal-Geschichte auf dem Buckel, um sich längst auf ihren Lorbeeren ausruhen zu können. Tun sie aber nicht.

Stattdessen lautet das inoffizielle Motto des Abends ziemlich eindeutig: Keeping the oldschool alive.

Die Fotos stammen vom Redakteurin Alana Vandekerkhof.

THE SKYS – Auftakt aus der Reihe

Den Auftakt des Abends übernehmen THE SKYS aus Litauen, die mit ihrem progressiv ausgerichteten Rock einen deutlichen stilistischen Kontrast zum klassischen Heavy Metal von KILLER und ANVIL setzen. Ihr Auftritt entgeht uns allerdings, sodass an dieser Stelle nur festgehalten sei: Auf dem Billing sorgen sie für die etwas ungewöhnlichere Note des Abends.

KILLER – war es das jetzt oder doch noch nicht?

Bei KILLER schwingt an diesem Abend zwangsläufig die Frage mit, wie endgültig das alles eigentlich ist. Schließlich haben die Belgier ihr aktuelles Album nicht gerade subtil „The Grand Finale“ genannt und es als letztes Studioalbum angekündigt. Aber wer weiß schon, ob bei einer Band wie KILLER ein Finale tatsächlich ein Finale bleiben muss?

So richtig nach Abschiedsstimmung sieht der Auftritt jedenfalls nicht aus. KILLER haben sichtlich Lust darauf, den klassischen Heavy Metal noch einmal ordentlich durch das LOGO zu jagen. Große Experimente braucht es dafür nicht. Hier geht es um Riffs, Leder, Lautstärke und genau die Art von schnörkellosem Metal, bei der man sofort versteht, warum Begriffe wie „oldschool“ manchmal weniger nach Alterserscheinung als nach Qualitätsmerkmal klingen.

Killer im Logo in Hamburg am 02.10.26

Killer im Logo in Hamburg am 02.10.26

Besonders viel Distanz zwischen Band und Publikum gibt es dabei ohnehin nicht. Zeitweise findet sich sogar der Bassist mitten unter den Leuten wieder. Im LOGO funktioniert so etwas natürlich besonders gut: Bühne und Publikum liegen ohnehin nur gefühlt einen Schritt auseinander und KILLER nutzen genau diese Nähe.

Das angebliche „Grand Finale“ fühlt sich deshalb weniger wie ein kontrollierter Abschied an, sondern eher wie ein weiteres Kapitel einer Band, die selbst offenbar noch nicht hundertprozentig weiß, ob sie wirklich schon fertig ist. Sollte es tatsächlich langsam Richtung Zielgerade gehen, dann zumindest nicht auf leisen Sohlen.

ANVIL starten mitten im Publikum

Auch ANVIL haben wenig Interesse an künstlicher Distanz. Steve „Lips“ Kudlow wartet gar nicht erst darauf, dass das Publikum zu ihm kommt. Stattdessen startet er den Auftritt mit „March Of The Crabs“ direkt mitten unter den Leuten.

Damit ist der Ton für die kommenden Minuten gesetzt. Lips wirkt, als hätte ihm niemand erzählt, dass man nach so vielen Jahrzehnten im Geschäft vielleicht ein bisschen abgeklärter auftreten sollte. Zum Glück. Er grinst, grimassiert und liefert eine derart ausgeprägte Gesichtskirmes, dass man zwischenzeitlich fast vergessen könnte, auf die Gitarre zu achten.

Dabei ist genau die natürlich weiterhin das Zentrum der Show. ANVIL stehen für eine Form von Heavy Metal, die sich nie dafür entschuldigt hat, altmodisch zu sein. Im Gegenteil: Während andere Bands ihren Sound ständig aktualisieren, scheint das Trio eher stolz darauf zu sein, dass sich manche Dinge eben nicht ändern müssen.

Spätestens bei „School Love“ zeigt sich dann, wie sehr das Publikum genau darauf gewartet hat. Der Klassiker sorgt im LOGO für ordentlich Bewegung und gehört zu den Momenten, in denen die ohnehin kaum vorhandene Distanz zwischen Band und Fans endgültig verschwindet.

Zwischen den Songs wird aus dem Konzert immer wieder eine kleine Geschichtsstunde. Lips erzählt von früher, von den Achtzigern und von Partys mit Lemmy. Es sind diese Anekdoten, die bei einer anderen Band schnell nach „Früher war alles besser“ klingen könnten. Bei ANVIL wirken sie eher wie Geschichten eines Typen, der selbst immer noch ein bisschen überrascht davon ist, dass er all das tatsächlich erlebt hat.

Ein Vibrator darf natürlich nicht fehlen

Und dann wäre da noch „Mothra“.

Anvil im Logo in Hamburg am 02.10.26

Anvil im Logo in Hamburg am 02.10.26

Wer ANVIL kennt, weiß ungefähr, was jetzt kommt. Lips greift für sein Gitarrensolo zum Vibrator und bearbeitet damit die Saiten. Was bei anderen Bands wie eine mühsam konstruierte Provokation wirken würde, ist bei ANVIL längst Teil des Inventars. Natürlich ist es albern. Natürlich ist es drüber. Und natürlich funktioniert es im kleinen, verschwitzten LOGO hervorragend.

Überhaupt liegt eine große Stärke des Abends darin, dass ANVIL keinerlei Angst davor haben, auch mal albern zu sein. Heavy Metal muss hier nicht permanent gefährlich schauen. Lips kann in einem Moment den breitbeinigen Metal-Veteranen geben und im nächsten mit komplett entgleisten Gesichtszügen über die Bühne ziehen.

Genau deshalb ist die Show so sympathisch. Hinter all den jahrzehntealten Geschichten, Ritualen und Songs steckt keine abgeklärte Routine, sondern immer noch ziemlich viel Begeisterung.

„Metal On Metal“ zum Schluss

Wie groß diese Begeisterung auf beiden Seiten ist, zeigt sich spätestens beim Finale. Mit „Metal On Metal“ haben sich ANVIL ihren wohl größten Klassiker für den Schluss aufgehoben – und das LOGO dreht noch einmal komplett auf. Der Refrain wird lautstark mitgebrüllt, die letzten Reserven werden mobilisiert und spätestens hier ist klar, dass dieser Abend genau von solchen Momenten lebt.

Lips selbst bringt das Gefühl zuvor ziemlich gut auf den Punkt. Er habe gerade „the time of my life“, erklärt er dem Publikum.

Man glaubt es ihm sofort.

Und vielleicht ist genau das der gemeinsame Nenner dieses Abends. Sowohl KILLER als auch ANVIL könnten ihre Karrieren längst gemütlicher angehen lassen. Die einen haben sogar schon das „Grand Finale“ ausgerufen, die anderen sind seit einer gefühlten Ewigkeit unterwegs. Trotzdem stehen beide Bands in einem kleinen Hamburger Club, gehen ins Publikum, erzählen Geschichten und spielen Heavy Metal mit einer Begeisterung, die sich schwer vortäuschen lässt.

„Keeping the oldschool alive“ klingt schnell nach einer abgedroschenen Phrase. An diesem Abend im LOGO trifft sie aber ziemlich genau ins Schwarze. KILLER und ANVIL halten den alten Heavy Metal nicht am Leben, indem sie ihn konservieren. Sie halten ihn am Leben, indem sie ihn immer noch mit verdammt viel Spaß spielen.

Anvil im Logo in Hamburg am 02.10.26

Anvil im Logo in Hamburg am 02.10.26

04.10.2026

Heavy Metal Maniac! :)

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