Twin Temple - Doomed Lovers

Review

Galerie mit 20 Bildern: Twin Temple - Imperatour 2022 in Köln

Nicht wenigen dürfte die 2022er Tour von GHOST noch gut in Erinnerung sein. Allerdings nicht nur, weil im Frühjahr 2022 endlich wieder so etwas wie Tour-Normalität nach der Pandemie einkehrte, oder weil die riesige Produktion mit all ihrem Bombast einfach beeindruckend war. Nein, da war auch diese überraschende Vorband: Das Duo TWIN TEMPLE mit ihrem Satanic Doo-Wop, deren Album-Debüt 2019 auch bereits den Kollegen Sven einigermaßen begeistern konnte. Nach dem zweiten Album „Stripped From The Crypt“ wurde es leider etwas ruhiger um die Formation, obwohl 2023 mit „God Is Dead“ noch ein weiterer Longplayer folgte. Können TWIN TEMPLE auf der neuen Scheibe „Doomed Lovers“ ihre alte Frische bewahren?

TWIN TEMPLE – Musik zum Schwofen

Der eröffnende Titeltrack zeigt direkt, dass der Name auch musikalisch Programm ist: „Doomed Lovers“ bewegt sich im langsamen bis mittleren Tempo. Wer allerdings an Doom Metal denkt, liegt vollkommen verkehrt, es ist vielmehr Musik zum Schwofen angesagt, bzw. Engtanz, wie der Hamburger sagen würde. Dabei orientieren sich TWIN TEMPLE weiterhin vor allem am Sound der 1960er Jahre, allerdings werden nicht unbedingt die schwarzen Petticoats geschwungen, vielmehr erinnert „Doomed Lovers“ an Popmusik von Künstlern wie ROY ORBISON, wobei auch immer eine Prise Blues und Soul mitschwingt. Eines bleibt aber beim Alten: Die Grundstimmung und die einschmeichelnde Stimme von Alexandra James wissen nach wie vor zu fesseln.

Nehmen wir es aber direkt vorweg: An diesem Konzept ändert sich bis zum Ende der Platte leider wenig. „Doomed Lovers“ ist quasi eine Ansammlung von Sixties-(Halb-)Balladen, die zwar durch die Bank weg vor Authentizität strotzen, über den ein oder anderen Ohrwurm-Chorus verfügen und hervorragend klingen. Songs wie „Possessed“ kommen auch zumindest etwas schwungvoller daher als der Opener, aber Tanzbeinschwinger wie beispielsweise „Let’s Have A Satanic Orgy“ mit dem bereits auf dem Debüt ebenfalls präsenten Mariachi-Flair, fehlen dieses Mal gänzlich.

Das führt dazu, dass „Doomed Lovers“ über die nicht gerade üppige Spielzeit ordentlich dahinplätschert, sogar immer wieder Mal ein wenig Langeweile aufkommen lässt, während man als Hörer darauf wartet, dass endlich der erste große Hit der Scheibe einsetzt. Das Warten ist aber vergebens und am Ende haben wir es eben nur mit einer Ansammlung ziemlich netter Sechziger-Huldigungen zu tun, die außerdem die morbide, okkulte Stimmung nicht mehr ganz so gut transportieren, wie in der Vergangenheit.

Ein kleiner Rückschritt – „Doomed Lovers“

Haben TWIN TEMPLE also ihr Pulver mittlerweile verschossen, ist die Halbwertszeit des Gimmicks des satananischen Doo-Wop-Ehepaares abgelaufen? Dieses Urteil käme wohl deutlich verfrüht, dennoch ist „Doomed Lovers“ ein kleiner Rückschritt in der Diskographie der Kalifornier. Es fehlen die großen Hits, die Uptempo-Spaß-Nummer und auch in Sachen Quantität ist bei gerade einmal acht Songs mit 25 Minuten Gesamtspielzeit deutlich Luft nach oben.

Mit Songs wie „Possessed“ oder „Love You To Death“ sind natürlich trotzdem gute Songs dabei und „Doomed Lovers“ ist insgesamt nicht wirklich schlecht, bleibt aber deutlich unter den eigenen Möglichkeiten, auch weil die Messlatte in der Vergangenheit selbst bereits relativ hoch gesetzt wurde.

07.11.2026

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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