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Interview mit Sam Carter zu "Lost Forever // Lost Together"

Interview

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Mit welchen Themen beschäftigst du dich textlich auf dem Album? Und was bedeutet der Titel in diesem Zusammenhang?

Es gibt eine Menge verschiedener lyrischer Themen. In „Gravedigger“ und einigen anderen Songs geht es um Menschen wie Bradley Manning und Edward Snowden, die als Whistleblower für die Wahrheit eingestanden haben und dafür an den Pranger gestellt wurden. Das ist ein wichtiges Thema für mich. Weiterhin beschäftigen wir uns mit der Atomkatastrophe von Fukushima. Dort gelangt nach wie vor atomarer Dreck ins Meer. Und wir finden, dass man darüber in den Medien mittlerweile nicht mehr so viel spricht, wie man es sollte. Außerdem geht es um Sea Sheperd und die fantastische Arbeit, die diese Menschen tun. Generell geht es einfach um die Welt. Allerdings ist es deswegen nicht unbedingt ein negatives Album, es hat durchaus hoffnungsvolle Tendenzen. Die Idee zum Titel kam uns, weil wir eine ähnliche Textzeile im Song „Youth Is Wasted On The Young“ haben. „Lost Forever // Lost Together“ bedeutet in diesem Kontext, dass wir alle im selben Boot sitzen und diese verschreckenden Dinge, die in unserer Welt geschehen, alle etwas angehen. Es geht dabei nicht um dich oder mich, sondern um uns alle. Weil wir alle letztendlich betroffen sind.

Ihr habt dieses mal mit Henrik Udd und Fredrik Nordström im Studio Fredman in Schweden aufgenommen. Wie kam es dazu?

Wir wussten, dass wir ein hartes Albums schreiben würden und wollten daher auch einen sehr massiv klingenden Sound. Und die beiden haben einfach ein Händchen für harte Bands. Außerdem waren wir schon immer Fans ihrer Produktionen. Insofern waren Fredrik und Henrik unsere erste Wahl. Wie sich herausstellte, ist Henrik auch schon lange ein Fan unserer Musik. Er hatte sozusagen besonderes Interesse an diesem Projekt. Und Henrik ist während der Aufnahmen fast zu einem fünften Bandmitglied geworden. Er hat so unglaublich hart für dieses Album gearbeitet. Und es hat sich definitiv gelohnt – die Songs und die Produktion ergänzen sich wunderbar.

Wie liefen die Aufnahmen im Detail ab?

Wir konnten jeden Tag so lange aufnehmen, wie wir wollten. Wir sind nach Schweden geflogen und haben die komplette Zeit im Studio verbracht. Wir haben den ganzen Tag aufgenommen, teils bis in die frühen Morgenstunden. Dann sind wir ins Bett gegangen und haben am nächsten Tag gleich weitergemacht. Das war eine sehr entspannte Arbeitsatmosphäre. Wir lieben Schweden. Und es war cool, in ein anderes Land zu fahren, alles hinter sich zu lassen – und sich nur auf das Album zu konzentrieren.

Jedes Album verkörpert einen bestimmten Abschnitt in der Geschichte einer Band. Was also erzählt uns „Lost Forever // Lost Together“ über euch?

Das Album zeigt, wo wir im Moment stehen. Wir spielen gemeinsam in dieser Band seit fast zehn Jahren – und derzeit scheint alles für uns zu laufen. Wir genießen deswegen jeden Moment. Viele Leute interessieren sich für unsere Musik, die Konzerte sind gut besucht, die Presse will mit uns reden. Und ich bin verdammt dankbar, dass das alles auch solch einer langen Zeit so ist. Dass wir nicht nur als irgendeine Band angesehen werden, die ein weiteres Album veröffentlicht hat. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Leute, die uns unterstützen, auch verstehen, was uns das alles bedeutet. Deswegen ist dieses Album auch so wichtig für uns. Es die harte Arbeit, die wir in den vergangene Jahren investiert haben.

Ihr habt den Ruf einer sehr guten Live-Band. Wie intensiv arbeitet ihr an euren spielerischen Qualitäten?

Nun, dass wir diesen Ruf haben, liegt sicher daran, dass wir schon so lange zusammenspielen. Wir sind so aneinander gewöhnt, dass wir wissen, was der andere denkt. Aber vor allem in letzter Zeit haben wir auch verstärkt in den Proben daran gearbeitet. Wir wollen auch weiterhin als gute Live-Band bekannt sein und immer alles geben. Viele Bands gehen auf Tour und können ihre Platten nicht glaubwürdig performen. Wir haben immer die Auffassung gehabt, dass ein Song, der live nicht realisierbar ist, auch nicht auf einem Album stehen sollte. Und das haben wir bislang immer ganz gut hinbekommen. Aber ich habe natürlich auch fantastische Musiker hinter mir.

Auf dem Cover prangt erneut das „A“. Mittlerweile ist der Buchstabe ja fast schon zu eurem Markenzeichen geworden.

Haha, ja. Das „A“ stammt aus der Zeit von „Hollow Crown“. Die Designer präsentierten uns damals den Cover-Vorschlag und wir fanden ihn cool. Und dann kam es einfach dazu, dass der Buchstabe immer wieder auf unseren Alben in Erscheinung trat. Für die neue Platte hatten wir das eigentlich nicht geplant. Aber als wir dann einen Entwurf für ein T-Shirt erhielten, wussten wir sofort, dass wir das genau so als Cover haben wollten. Und du hast recht, der Buchstabe ist wirklich zu einer Art Markenzeichen geworden. Die Leute assoziieren es mittlerweile mit uns. Das ist natürlich cool. Verdammt, ich bin echt glücklich, dass wir so ein cooles Logo haben. Du merkst, wir haben sehr hart dafür gearbeitet, haha!

Wie hast du eigentlich deine Gesangstechnik entwickelt? In manchen Passagen klingt dein Gesang verdammt aggressiv – und ehrlich gesagt ganz und gar nicht gesund.

Ich mache das eigentlich schon immer auf die gleiche Art. Du musst nur über etwas singen, was dir etwas bedeutet. Es gibt viele Sänger, die beeindruckend gut schreien können, bei denen ich mich aber Frage, ob es echte Wut ist, die dahinter steckt. Was meine Technik angeht – ich versuche einfach so laut zu brüllen, wie ich kann, haha. Aber es scheint zu funktionieren. Meine Familie und meine Freunde sind jedenfalls des Öfteren schockiert, was für Geräusche aus mir herauskommen, haha.

In den vergangenen Jahren haben bei euch die Musiker an der zweiten Gitarre immer wieder gewechselt. Wird es in Zukunft wieder ein stabiles Lineup geben?

Als Tim (Hillier-Brook) die Band verließ, haben wir versucht, den richtigen Nachfolger für ihn zu finden. Aber es ist einfach verdammt hart, weil wir vier schon so lange zusammen musizieren. Da ist es schwierig, jemanden in diesen Zirkel reinzulassen. Auf den anstehenden Konzerten wird uns unser Freund Adam (Christianson ), der auch auf der „100 Days“-Tour dabei war, wieder unterstützen. Und wir alle sehen ihn auch in Zukunft in der Band. Er ist ein sehr guter Gitarrist, ein sehr guter Freund und er liebt das Leben auf Tour. Er wird sicher lange bei uns bleiben und noch viele Shows mit uns spielen. Aber an sich sind wir zu viert. Die Situation, so wie sie gerade ist, ist gut.

Ihr habt euch kürzlich von eurem langjährigen Label Century Media getrennt. Warum?

Nun, wir hatten einen Vertrag für eine bestimmte Anzahl von Alben unterschrieben. Und wir haben diese Alben veröffentlicht. Dann lief der Vertrag aus. Um das ganz klar zu sagen: Century Media war immer gut zu uns. Vielleicht gab es ein paar Missverständnisse, aber das passiert. Wir wollten einfach etwas Neues, etwas Frisches ausprobieren. Und als wir „Lost Forever // Lost Together“ fertig hatten, waren Epitaph interessiert. Das war verdammt cool, weil auch viele Freunde von uns auf dem Label sind. Ich liebe Epitaph seit meiner Kindheit. Sie haben und hatten großartige Bands unter Vertrag. Mit Century Media gab es aber kein böses Blut, das kann ich sagen. No Drama, leider, haha.

Habt ihr eigentlich jenseits von ARCHITECTS noch reguläre Jobs?

Nein, wir sind wirklich Vollzeit-Musiker, haha. Aber das bedeutet nicht, dass wir einen Haufen Knete verdienen. Wir leben noch zu Hause und sind heilfroh, dass unsere Familien uns unterstützen. Und dass sie uns mietfrei bei sich wohnen lassen, haha. Wir sind sehr glücklich. Also, nur um das klarzustellen: Wir sind weißgott nicht reich, in keinster Art und Weise.

Zurück zur Platte: Welche Songs von „Lost Forever // Lost Together“ werden wir live erleben?

Mit Sicherheit „Gravedigger“. Dann natürlich „Broken Cross“ und „Naysayer“. Aber im Moment proben wir alle Songs des Albums. Damit wir von Show zu Show auch ein wenig variieren können. Es ist wirklich eine schwierige Frage, alle Song äußerst livetauglich sind. Deswegen werden wir einiges auch spontan entscheiden, je nachdem, wie wir uns fühlen. Wahrscheinlich werden wir auch „Colony Collapse“ spielen. Und wer weiß, vielleicht spielen wir zum 10-jährigen Jubiläum auch mal das komplette Album.


Euer Gitarrist Tom hat kürzlich ein Statement auf eurer Website veröffentlicht, in dem er den Hintergrund des Songs „Broken Cross“ erklärt hat. Und auch um „These Colours Don’t Run“ gab es seinerzeit Diskussionen. Was fühlst du, wenn du merkst, dass Menschen sich mit deinen Texten auseinandersetzen?

Es ist wunderbar. Das Schöne an der Musik ist, dass man heutzutage damit eine Diskussion starten kann. Zumindest dann, wenn man nicht nur von Liebe, Frauen und Trennungen singt. Wir behandeln Themen, welche die Leute bewegen. Und ich finde es absolut in Ordnung, wenn Leute sich dazu positionieren. Interessant ist, wenn Leute dann richtig beleidigt sind. „Broken cross“ beispielsweise ist in keinster Weise gegen Christen oder das Christentum gerichtet. Ich habe selbst viele christliche Freunde. In dem Song geht es um religiöse Extremisten und Fundamentalisten sowie alle negativen Dinge, die mit Religion zusammenhängen. Wenn du ein Christ bist und du hasst schwule Menschen, wenn du ein Christ bist und andere Hautfarben verabscheust oder wenn du andere Religionen verurteilst, dann kannst du dir sicher sein: dieser Song ist für dich. Ich verstehe natürlich auch, dass manche Leute von unseren Texten angepisst sind. Aber ich denke, wenn sie merken, worum es wirklich geht, dann sehen sie es anders. Aber es ist wichtig, dass darüber diskutiert wird. Wir mögen es auch, darin involviert zu werden.

Was wird als Nächstes passieren?

Wir sind natürlich gespannt auf die Tour und darauf, die neuen Songs endlich live zu spielen. Die letzte Headliner-Tour in Eurpoa war einen Riesenspaß. Vor allem die Shows in Deutschland waren verdammt cool. Aber auch generell ist man überall in Europa sehr nett zu uns. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, man hat das Gefühl, dass man überall mit offenen Armen empfangen wird. Wir können es nicht erwarten, das kannst du mir glauben!

Galerie mit 29 Bildern: Architects - Live in Zürich 2018
16.03.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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