Architects - Lost Forever // Lost Together

Review

Galerie mit 10 Bildern: Architects live - Schlachthof Wiesbaden 2017

Die Briten haben sich in den vergangenen Jahren klammheimlich, dabei aber keineswegs still – und schon gar nicht leise – zu einem anerkannten Act in Europas Metal-Landschaft gemausert. Für diese Erfolgsgeschichte gibt es – neben der Tatsache, dass die Truppe in der Vergangenheit natürlich diverse starke Alben veröffentlichte und auch inhaltlich immer etwas zu bieten hatte – zwei wesentliche Gründe: Erstens hat sich der Vierer aus Brighton trotz einer stilistisch recht divergenten Diskografie einen eigenen, unverkennbaren Sound geschaffen. Zweitens haben ARCHITECTS in den letzten Jahren auf zahlreichen Touren ihre besondere Klasse als Liveband unter Beweis gestellt und so sicherlich den ein oder anderen Fan hinzugewonnen.

Damit einhergehend war innerhalb der Szene natürlich auch eine gewisse Erwartungshaltung zu verspüren, als Sam Carter und Kollegen vor einigen Monaten ihr neues Studiowerk „Lost Forever // Lost Together“ ankündigten. Und im Vorfeld der Arbeiten am mittlerweile sechsten Album der Bandhistorie dürfte die Engländer insbesondere eine wesentliche Frage bewegt haben: Sollte man die Refrain-lastige Ausrichtung von von Platten wie „Daybreaker“ und „The Here And Now“ weiterverfolgen? Oder sich lieber auf die aggressiven Wurzeln im Stile von „Hollow Crown“ besinnen?

Für „Lost Forever // Lost Together“ haben sich ARCHITECTS am Ende für den Mittelweg entschieden: Der Anteil der Clean-Vocals und eingängigen Refrains wurde im Vergleich zu den letzten Outputs hörbar reduziert, insgesamt kommen die Songs des neuen Werks wieder merklich ruppiger daher. Insbesondere die Gitarrenarbeit stell sich rhythmischer und wuchtiger dar – dass man sich dabei aber nicht in monotonem Djent-Gehaue verliert (für den Großteil der Songs kommen auf G heruntergestimmte Gitarren zum Einsatz) liegt letztlich an der songschreiberischen Klasse von Bandkopf Tom Searle. Allerdings – und das ist letztlich auch das Bemerkenswerte – besitzt die Platte eben auch eine ausgeprägte Atmosphäre, die sich am greifbarsten in den raren, zurückhaltenden Momenten wie beispielsweise den Strophen-Parts von „The Distant Blue“, „Colony Collapse“ und „Broken Cross“ manifestiert, unterschwellig aber auch die härteren Songs durchzieht.

Eine weitere große Stärke der Scheibe ist die – für ARCHITECTS allerdings mittlerweile typisch gewordene – beeindruckende Präzision des Dargebotenen sowie der unglaubliche Groove, mit dem die elf Kompositionen aufs Band gebracht wurden. Andererseits – wenn man einen derart tighten und kreativen Drummer wie Dan Searle in der Band hat, ist das auch keine wirkliche Herausforderung. Der Mann gehört für mich sowieso schon längst zu den herausragenden Schlagzeugern im Bereich des modernen Metal – nur wenige seiner Kollegen bewerkstelligen es, sich bei solch einer technischen Versiertheit diese Organik zu bewahren. Und dann ist da noch Frontmann Sam Carter, der auf „Lost Forever // Lost Together“ mit einer derartigen Energie und Hingabe agiert, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als dem Mann jedes einzelne Wort aus der Hand zu fressen.

Needless to say: Auch soundtechnisch lässt die Platte keine Wünsche offen – mit Fredrik Nordström und Henrik Udd vom Studio Fredman (u.a. AT THE GATES, BRING ME THE HORIZON, THE HAUNTED) konnte man zwei arrivierte Toningenieure für die Produktion gewinnen, die letztlich ausgesprochen kolossal und transparent, aber nicht übertrieben steril klingt.

„Lost Forever // Lost Together“ ist aber auch ein Album, dass etwas mehr Zuwendung braucht, als man es von einer ARCHITECTS-Scheibe vielleicht erwartet hätte. So beispielsweise entpuppt sich der zunächst eher unspektakulär erscheinende Refrain von „Broken Cross“ erst nach und nach als großartiger Anker des Songs, das auf den ersten Blick recht stupide anmutende Riffing in „Castles In The Air“ wiederum entwickelt sich nur langsam zum energischen Farbtupfer der Platte.

Zu jenen Tracks hingegen, die bereits beim ersten Durchlauf mitreißen, gehören das treibende und mit forschen Gangshouts aufgaloppierende „The Devil Is Near“, das krachende, von prägnantem Riffing geprägte „Dead Man Talking“ und das Groove-Monster „Youth Is Wasted On The Young“, das zudem mit seinem atmosphärischem Schlusspart und dem Auftritt von Gastsänger Murray MacLeod (THE XCERTS) überrascht. Und natürlich hat man mit dem brachialen „Gravedigger“ einen Opener im Gepäck, der den Reigen würdevoll und imposant eröffnet.

Am Ende – und das ist der wohl entscheidendste Faktor für die hier erteilte Wertung – ist „Lost Forever // Lost Together“ aber vor allem ein Album, dass in seiner Gänze einfach durch und durch ARCHITECTS ist – kein gekünstelter Scheiß, keine belanglosen Lückenfüller, keine Kompromisse. Mag sein, dass der ein oder andere mit der Scheibe weniger anzufangen weiß. Ich persönlich jedoch sehe mich bei jedem Durchlauf mit den Jungs im Proberaum stehen und die Songs mitgröhlen. Mag schwülstig klingen, ist aber so. Ich halte es da ganz wie Mr. Carter, der in „Naysayer“ so schön sagt: „Fuck it, I’m a dreamer and I’m dreaming on.

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07.03.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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6 Kommentare zu Architects - Lost Forever // Lost Together

  1. Thanus sagt:

    Ich empfehle dem Rezensenten dringend, die Bedeutung des Wortes „Machwerk“ nachzuschlagen.

  2. Anton Kostudis sagt:

    Oha! Danke für den Hinweis! Solche Tippfehler sind natürlich verdammt ärgerlich.

    Mach*t*werk sollte das natürlich heißen. 😉

  3. Lukas sagt:

    du nennst nur positive aspekte des albums

    warum ziehst du dann einen punkt bei der bewertung ab? was hat dir nicht so gefallen?

  4. Der Architekt sagt:

    Weil 10/10 die absoulte Perfektion, zeitloser Klassiker, Referenzwert schlechthin ist, und das ist dieses Album hier eher nich.

  5. Anton Kostudis sagt:

    Zunächst einmal ist es so: Man vergibt Punkte. Folglich frage ich mich persönlich immer: „Wie stark ist eine Scheibe?“ und nicht „Wie viele Punkte ziehe ich für was ab?“

    Tatsächlich ist es aber manchmal so, dass dich ein Alben völlig flasht, man aber dennoch Skrupel hat, die Höchstnote zu ziehen. Diese Scheibe hier ist so ein Fall. Ich hätte als – da oute ich mich mal – ausgewiesener Fan der Truppe natürlich auch einfach die 10 ziehen können. Das hat sich aber irgendwie nicht richtig angefühlt. Insofern habe ich’s gelassen. Natürlich hätte ich konkrete Kritikpunkte ansprechen können – allein: Ich habe keine. Es ist ein Aus-dem-Bauch-heraus-Ding.

    Hilft das irgendwie weiter?

  6. Lutz Ziffer sagt:

    Also die 9 Punkte sind dann doch etwas viel. Höre oft Architects, weil ich die Band einfach geil finde. Allerdings können sie viel mehr, als man in diesem Album hört. Ich finde allein „Hollow Crown“ und „Ruin“ stärker, aufgrund der Abwechslung, technischen Finesse und kreativer Momente, die mich überraschen. All dies finde ich auf diesem Album eher selten bis gar nicht. Solider Metalcore, der ohne Frage knallt, aber mehr als über dem Durchschnitt ist es nicht. Würde ihnen hierfür 7 von 10 Punkten geben.
    Hier mal meine Bewertung der Architects-Alben seit Ruin:
    Ruin: 10/10
    Hollow Crown: 9/10
    The Here and now: 5/10
    Daybreaker: 7/10
    Lost forever/lost together: 7/10