Bloodbath
Bloodbath

Interview

Knapp 3 Jahre hat es gedauert, ehe mit "The Wacken Carnage" des Live-Dokument des ersten und bis heute einzigen Auftritts der Schweden BLOODBATH auf dem Wacken Open Air 2005 in Form eines CD/DVD-Packages veröffentlicht wurde. Wir nahmen die Gelegenheit am Schopfe und fragten bei Gitarrist Anders Nyström, hauptberuflich bei KATATONIA, nach.

BloodbathWorin lagen die Gründe, dass es vom Zeitpunkt eures ersten Auftritts auf dem Wacken Open Air im August 2005 bis zur Veröffentlichung dieses Live-Dokuments in Form von „The Wacken Carnage“ im Juni diesen Jahres so lange dauerte?

Ein Wort: Bürokratie!

Was kommt dir in den Kopf, wenn du zurückblickst auf dieses Festival und euren Auftritt? Wie war dieser Auftritt für dich und wie hattet ihr euch darauf vorbereitet?

Es war eine sehr aufregende und spannende Angelegenheit! Dort war die größte Publikumsmenge versammelt, vor welcher ich jemals gespielt habe und ich denke dies war das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf die Bühne wollte und nichts anderes als Death Metal von der ersten bis zur letzten Sekunde zum Ausbruch bringen wollte. Die Show war so gut wie es ging unter den Umständen, dass wir zuvor nur kurz geprobt hatten und noch nie zusammen auf der Bühne standen. Es wird eine Herausforderung sein, diesen Auftritt zu toppen.

Was waren deine Erwartungen und/oder Ängste bezüglich dieser Show?

Ich denke, wir erwarteten einfach eine glückselige Stunde voller Brutalität in Front von mehreren tausend Leuten, was letztendlich dann auch so eintrat. Gefürchtet hatten wir uns davor, dass wir einen derartigen Scheiß zusammenspielen, dass die CD/DVD nutzlos würde.

Ich war damals auch auf dem Wacken Open Air und habe mir selbstverständlich euren Gig angeschaut. Zu dieser Zeit herrschte heiter Sonnenschein, abgesehen von euren Leibern von Blutbad bzw. Blutregen keine Spur, während ansonsten das ganze Wochenende eigentlich total verregnet war. Nun ist das Bild der DVD ziemlich fahl, die Farben kommen überhaupt nicht wirklich raus. Warum?

Diese Wahl traf der Regisseur des Filmteams vor Ort. Das helle Tageslicht machte es schwierig für die Kameras und die Einstellungen, welche für das regnerische Wetter vorgesehen waren, daher entschieden sie sich dazu, diese Farbkorrektur vorzunehmen. Das Resultat, was sie erreichen wollten, sollte so aussehen, als ob man einen sehr körnigen, fahlen 70er Jahre Zombie Kinofilm anschaut. The Wacken Carnage 1975!

In „Furnace Funeral“ habt ihr die ursprüngliche Keyboardmelodie mit der Melodie von ENTOMBEDs „Left Hand Path“ ersetzt, was etwas überraschend und natürlich sehr cool war!

Yeah wir waren daran einfach gebunden, dass dies passieren würde! Alles andere wäre eine Schande gewesen!

Und warum gab es eigentlich nach dem Wacken Gig nicht noch mehr Auftritte, wenn dieser schon so gut verlief?

Wir gaben früh bekannt, dass der Wacken Auftritt weltexklusiv für das Jahr 2005 wäre und hielten an dieser Idee fest.

Ok, dann wechseln wir nun mal das Thema und kommen zum Line-Up. Wie kam es dazu, dass Mikael Åkerfeldt (OPETH) wieder zurück bei BLOODBATH ist? Und was kannst du uns von eurem neuen Gitarristen Per „Sodomizer“ Eriksson erzählen?

Nun, letztendlich landeten wir im Studio mit einem Kerl, der die Sache nicht richtig hinbekam und sogar seine Stimme verlor. Wir hatten also gar keine andere Wahl, als ihn wieder nach Hause zu schicken. Die Studiozeit rannte uns davon, ebenso wie unser Geld, mit welchem wir unseren Studioaufenthalt selbst finanzierten, unser letzter Ausweg bestand darin, dass Jonas (Renkse, Bassist bei BLOODBATH, Sänger bei KATATONIA, Anmerk. d. Verf.) Mikael anrief. Er verstand, dass wir in einer ernsthaften Situation waren und entschied sich dazu, uns auszuhelfen. Danach meinte er, dass die neuen Songs der beste Death Metal seien, den er in den letzten 10 Jahren gehört hatte, das muss es für ihn aufregend gemacht haben, wieder die Fronterposition einzunehmen.

Sodomizer ist bereits seit vielen Jahren unser Gitarrentechniker für KATATONIA und BLOODBATH, auch spielte er selbst schon in einigen verschiedenen Death-Metal-Bands. Wir wussten, dass er das vermisst, dass er immer noch hungrig und seine Kompetenz sehr hoch ist, die Entscheidung, ihn in die Band zu integrieren war also logisch. Wir gaben ihm die Chance, auf der Bühne zu stehen und nicht dahinter.

Was waren die Gründe, dass Dan Swanö die Band verließ?

Die Situation mit Dan war, dass er jegliches Touring kategorisch ausschloss, außerdem ergaben sich einige mehr oder weniger radikale musikalische Differenzen. Dan ist sehr streng und genau mit dem, was er am Death Metal mag, und seiner sowie unser zukünftiger Stil gingen dabei nicht mehr Hand in Hand. Unsere Vision war, was unsere EP „Unblessing The Purity“ zeigte.

Als euch damals Peter Tägtgren verließ, habt ihr nicht jemals darüber nachgedacht, dass Dan den Gesang übernehmen könnte? Schließlich verfügt der Mann meiner Meinung nach über eine sehr starke Stimme!

Eigentlich war Peter niemals wirklich richtig in der Band. Er war eher wie eine angeheuerte Waffe als wie ein wirklich mitwirkendes, permanentes Mitglied. Die einzige Zeit, welche er wirklich mit BLOODBATH verbrachte, waren einige Tage im Studio. Wir haben niemals mit Peter gebrobt oder Live gespielt. Wir wollten zusammen mit ihm Live spielen, aber es wäre zu hart für ihn.

Swanö growlt wirklich ausgezeichnet und wir dachten ernsthaft darüber nach, aber er war nicht besonders interessiert daran. An einem Punkt sagte er sogar, dass er nie wieder growlen wollte. Auch wollten wir jemanden, welcher die Band als Frontmann anführt, inklusive Live-Auftritte. Ich bin mir nicht sicher, ob Swanö darüber glücklich gewesen wäre, Live Gitarre zu spielen und zu singen.

Gibt es irgendwelche neuen Bands, welche ihr für BLOODBATH zur Inspiration anhört, oder verschanzt ihr euch komplett hinter dem späten Achtziger, frühen Neunziger Sound der Stockholmer Death-Metal-Szene? Åkerfeldt hat einmal gesagt „BLOODBATH sind eine ziemliche Kopie der schwedischen/Stockholmer Szene der späten Achtziger!“ Teilst du diese Sichtweise?

Wir sind nun etwas ernsthafter, aber wir haben immer noch genauso viel Spaß, als das alles damals während betrunkener Zeiten in den Neunzigern begann. Wir versuchen uns mehr zu fordern, aber gleichzeitig den Spaßaspekt beizubehalten bei allem, was wir machen. Und sicher ist auf jeden Fall auch, dass wir niemals die traditionellen Oldschool Werte aufgeben werden. Wir wollen es einfach alles mit den Zeichen der Zeit vermischen. Vielfalt innerhalb von strengen Grenzen könnte man sagen.

Und was hälst du von der derzeitigen schwedischen Death-Metal-Szene?

Mir scheint, als ob heutzutage hauptsächlich Metalcore und ähnliches rauskommen.

Ich habe gelesen, dass ihr bereits mit den Arbeiten zu eurem neuen Album im Park Studio in Stockholm begonnen habt. Was können wir von eurem dritten Album erwarten und wann soll dieses veröffentlicht werden?

Yeah, wir sind gerade dabei, das Master einzupacken und an das Label zu senden. Das Album wird „The Fathomless Mastery“ heißen und im Oktober über Peaceville Records veröffentlicht werden. Es werden sich darauf 9 Songs und einige echte Highlights befinden, und hoffentlich zumindest eine hauptsächliche Überraschung, welche ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht preisgeben kann.

Anders, besteht die Chance für ein weiteres DIABOLICAL MASQUERADE Album?

Im Moment nicht, aber ich schließe nicht alle Türen für die Zukunft zu. Wenn das Verlangen zurückkommt und ich die Zeit dafür finde, ist es nicht unmöglich, dass ich die Maske wieder aufsetze. Halten wir es so erstmal fest.

Und natürlich: Werden BLOODBATH jemals nach Deutschland auf Tour kommen oder zumindest mal mehr Auftritte spielen?

Das Party.San Festival steht demnächst an, also seid da!!! Eine Tour könnte im nächsten Jahr starten, aber es ist derzeit noch zu früh, etwas darüber zu sagen. Was ich aber versprechen kann ist, dass wir zumindest mehr Festival im nächsten Sommer spielen werden!

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Gespräch mit mir genommen hast! Cheers an alle Die Hard Fans in Deutschland!

Galerie mit 6 Bildern: Bloodbath - European Apocalypse Tour 2018 in Ludwigsburg
04.07.2008

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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