Guillotine
Guillotine

Interview

Und manchmal kommen sie doch wieder! GUILLOTINE waren vor ca. 10 Jahren eine der Bands, welche ich immer und immer wieder Kumpels und Bekannten wärmstens empfahl, sofern diese eine Affinität für old school Thrash Metal und/oder KREATOR hatten. So avancierte das Album "Under The Guillotine" nicht nur in der heimischen Anlage, sondern auch auf zig Partys zum Dauerbrenner. Doch danach wurde es still um die schwedische Truppe, und jahrelang war nichts zu vernehmen. Nun sind GUILLOTINE mit neuem Album wieder am Start, und natürlich lies ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, Bassist Nils Eriksson mit meinen Fragen zu löchern.

GuillotineIm Jahre 1997 erschien euer wirklich exzellentes Debütalbum „Under The Guillotine“, welches bis heute eines meiner absoluten Lieblingswerke im Thrash Metal darstellt. Es ist eines DER Retro-Thrash-Metal-Alben mit dem richtigen Sound, gespielt mit der richtigen Attitüde, Passion, Leidenschaft und Gefühl. Bitte erzähle uns, wie es damals war, dieses fantastische Album aufzunehmen und zu veröffentlichen! Wie war das Feedback, und welche Pläne hattet ihr damals?

Ich habe leider nicht mehr viele allzu lebendigen Erinnerungen an die Aufnahmen zu diesem Album. Es verlief soweit ziemlich schnell und problemlos. Die ganze Session fand im Studio eines Freundes statt. Ich glaube, wir verbrachten nicht mehr als zwei Wochen im Studio bevor alles im Kasten war. Das war auch ganz gut so, da wir mit Absicht versuchten, dieses oldschool, raue Feeling in die Produktion mit einzubringen. Wir wollten, dass die Platte wirklich voll und ganz die Achtziger atmet. Die Reaktionen waren unglaublich, sogar weit besser, als wir sie uns auch nur erträumen konnten. Die Magazine liebten „Under The Guillotine“ und wir gaben Tonnen von Interviews.

Damals hatten wir aber noch keinen Plan, nicht einmal eine Vorstellung davon. Wir dachten einfach, dass wir dieses Album veröffentlichen und schauen, wohin es uns führt. Unglücklicherweise verlief dann alles im Sand.

Einige Bands hatten ja ziemliche Probleme mit eurem alten Label Necropolis Records. Hattet ihr auch Probleme mit ihnen?

Nun, sie verschwanden einfach, aber zu dem Zeitpunkt waren wir mit GUILLOTINE nicht wirklich aktiv. Um ehrlich zu sein bereitete uns das keine wirklichen Sorgen.

Ich erinnere mich daran, dass „Under The Guillotine“ zu einer Zeit erschien, als ziemlich viele andere Retro-Bands aktiv waren und die Metalszene den alten Tagen des Metals mehr Respekt entgegenbrachte. Ich dachte immer daran, hättet ihr mit einer Tour dieses Album promotet und ein weiteres gleich hinterher geschoben, wären GUILLOTINE aktiv geblieben, hättet ihr es noch ziemlich weit bringen können. Wie denkst du darüber?

Ja, natürlich! Aber damals betrachteten wir es als ein Sideproject, und obwohl wir die Intention hatten, auch einige Konzerte zu geben, haben wir niemals wirklich zu hart daran gearbeitet. Das ist heutzutage ganz anders, wir kennen das Business, wir kennen Leute und wir haben nun vor, mehr Alben zu veröffentlichen, auf Tour zu gehen und Konzerte spielen. Wir werden nicht zulassen, dass ein Album wie „Blood Money“ untergeht. Ich denke, es ist eine Schande, dass wir auf unserem Debütalbum nicht mehr aufgebaut haben, wir müssen es also jetzt umsetzen.

Der Startschuss für GUILLOTINE bzw. HOLOCAUST, der ursprüngliche Name, fiel 1995, einer Zeit, als die ganze Retro-Geschichte noch kaum bis überhaupt nicht präsent war und Black Metal das große Ding schien. Wie kamt ihr damals darauf, eine oldschool Thrash-Metal-Band zu starten? Und wie habt ihr darüber gedacht, als zwei Jahre später bereits sehr viele andere Bands die Fahne des alten Thrash Metals hochhielten?

Fredrik (Mannberg, Sänger und Gitarrist, Anmerk. d. Verf.) und Ich wuchsen mit Bands wie KREATOR, DESTRUCTION, SLAYER und METALLICA auf. Wir wollten einfach etwas tun, was an diese ganzen alten Bands erinnert. Wir dachten nicht zuviel an all die anderen Bands, welche dann auch auf der Bildfläche erschienen. Wir waren immer mit dem, was wir musikalisch tun, unserer Zeit ein Stück weit voraus. Ich weiß nicht warum, aber es scheint immer so aus irgendwelchen verrückten Gründen gewesen zu sein.

Ihr habt euch dann wieder voll auf eure andere Band NOCTURNAL RITES konzentriert. Aber weshalb war so lange Funkstille, weshalb solch ein lange Pause? Ich meine, 10 Jahre, heilige Scheiße, das ist doch wirklich verdammt lange!

Haha, ja das ist es wirklich! Aber wir gaben niemals die Idee auf, ein weiteres Album aufzunehmen, und die Band wurde niemals offiziell aufgelöst. Unsere Intention war es immer, irgendwann mal wieder weiterzumachen, und Fakt ist, dass wir einige Stücke 2000/2001 geschrieben haben. Unglücklicherweise gingen diese Songs verloren, als unsere Studiocomputer kaputt ging und wir verloren den Faden wieder. Oder zumindest dachten wir so. Bis ich eine alte Plastiktüte mit Kassetten darin befand, auf welchen diese Ideen aufgenommen waren. Dies war einer der auslösenden Gründe für uns, mit GUILLOTINE weiterzumachen und die Arbeiten am Album aufzunehmen.

Hehe, und da sag noch mal einer was gegen Kassetten! Warum ist eigentlich der ursprüngliche Schlagzeuger Cobra nicht mehr mit an Bord?

Er war niemals ein wirkliches Mitglied der Band, auch stand er niemals für Touren zur Verfügung. Als wir uns dazu entschieden, ein neues Album aufzunehmen, wollten wir ein stabiles Line-Up, das zusammenhält und gemeinsam an einem Strang zieht. Die beiden neuen Jungs (Daniel Sundbom, Gitarre, und Efraim Juntunen, Schlagzeug, beide ebenfalls bei PERSUADER, Anmerk. d. Verf.) passen optimal zu uns, sind mit vollem Enthusiasmus bei der Sache und lieben die Musik von GUILLOTINE. Wir haben eine tolle Zeit zusammen.

„Blood Money“ – welch großartiger Albumtitel gerade in diesen Tagen, da die gesamte Welt von der weltweiten Finanzkrise, ausgehend von den USA, geschockt ist. Ist das nun Zufall, oder hattet ihr die damals zugegebenermaßen noch nicht so groß und wichtig erscheinende Krise vor Augen? Was ist das Blutgeld?

Nun, wir dachten niemals darüber auf diese Weise nach, aber du triffst schon den Punkt, die durchschnittlichen Bürger leiden nun aufgrund der maßlosen Gier an der Wall Street. Wie auch immer, der Titel bezieht sich eher auf viele verschiedene Dinge, unser ganzes ökonomisches System, wie die Reichen immer reicher und gieriger werden, wie wir unter falschen Vorwänden in den Krieg ziehen, wie korrupt das System selbst und die Politiker generell sind, wie der Westen unterentwickelte Länder ausbeutet, und so viele andere Aspekte.

Und wo können wir die „Skeleton City“ finden?

Ich schätze in jedem Teil der Welt. Dieser Song dreht sich um den „normalen“ Menschen, welcher sich in seinem Schweiß abmüht, um etwas zu erfüllen, etwas zu tun, was keinen Sinn macht bzw. keine Relevanz hat für jemand anderen außer den wenigen, welchen den Profit einfahren. Ich schätze mal, dass ziemlich viele darin wieder finden werden. Dieser Song unterscheidet sich textlich etwas von den anderen.

Wie verliefen die Aufnahmen im Studio?

Es war großartig, wirklich sehr relaxt und mühelos. Wir nutzten die Zeit und mussten nicht 18 Stunden täglich aufnehmen wie manchmal in der Vergangenheit, wenn wir an einem Album saßen. Die Schlagzeugaufnahmen und den Mix machten wir in einem anderen Studio, während die Gitarren, Bass und der Gesang in unserem eigenen Studio eingefangen wurden.

Nicht nur die Musik, auch das kultige Cover ist mal absolut Killer! Erschaffen wurde es vom bekannten Thrash-Metal-Künstler Ed Repka, dessen hervorragende Arbeiten auch schon Alben von MEGADETH, ATHEIST, DEATH und VENOM, um nur einige zu nennen, veredelte. Wie kam der Kontakt zu ihm zustande?

Das war die Idee von Frederik. Wir sprachen über verschiedene Künstler und wer der Ideale für das Cover wäre. Ed’s Name war die Nummer eins auf unserer Liste. Wir hinterließen ihm einfach ein paar Zeilen auf seiner Myspace-Seite, er trat dann in Kontakt mit unserem Label, um die Details zu klären.

In welcher Zeit entstanden die neuen Stücke? Habt ihr auch alte Songs oder Ideen hierzu verwendet? Waren alle Stücke fertig, bevor es an die Aufnahmen ging?

Der Großteil des Materials wurde zwischen September 2007 und April 2008 geschrieben. Es befinden sich auch einige alte Ideen darin. Teile von „Dying World“ stammen von den Kassetten, welche wir in meiner Wohnung fanden. Damals, so ca. 2001/2002, als dieser Song zum ersten Mal entstand, war eigentlich geplant, dass das neue Album „Dying World“ heißen sollte.

Ihr habt auch einen Videoclip für „Rebellion“ abgedreht. Was kannst du uns über dieses Video berichten?

Es ist ein einfaches, hoch intensives, straightes, direkt auf den Punkt gebrachtes Performance Video, gefilmt an einem Ort, welcher ziemlich zerstört wurde.

Stell dir vor, all deine Wünsche, all deine Träume könnten Realität werden, wie würde die perfekte GUILLOTINE Show aussehen?

Ein volles Stadium, METALLICA, SLAYER, MEGADETH und KREATOR eröffnen für uns. Sie werden mit Eier beschmissen und ausgebuht, und die Menge ruft „GUILLOTINE, GUILLOTINE“ die ganze Zeit während ihres Sets. Hahaha, nein, ich scherze nur…

Bitte nenne die deiner Meinung nach wichtigsten 10 Speed/Thrash-Metal-Alben aller Zeit!

In keiner speziellen Reihenfolge:

METALLICA „Master Of Puppets“
METALLICA „Kill ‚Em All“
SLAYER „Reign In Blood“
SEPULTURA „Beneath The Remains“
KREATOR „Extreme Aggression“
TESTAMENT „Practise What You Preach“
TESTAMENT „The Legacy“
ANTHRAX „Among The Living“
NUCLEAR ASSAULT „Handle With Care“
KREATOR „Coma Of Souls“
Diese Liste würde sich wahrscheinlich etwas ändern, wenn du mich mal wieder frägst, aber was zum Teufel?

Wie empfindest du die heutige Metalszene?

Es scheint, dass der Thrash Metal wieder zurückkommt, was großartig ist. Ich mag es, wenn sich Dinge verschieben und die Jugendlichen Sachen über Genres erfahren, welche einige Zeit „geschlafen“ haben. Aber um vollauf ehrlich zu sein, muss ich gestehen, dass ich die Szene nicht allzu sehr verfolge. Ich höre mir einige neue Bands an, über welche ich stolpere, aber ich suche nicht aktiv nach neuer Musik. Ich höre selten Musik, wenn ich zu Hause bin. Ich arbeite mit Musik und Lärm manchmal 12 Stunden am Tag, da sind dann meine Ohren ziemlich müde.

Besteht die Chance für einige Konzerte in Deutschland?

Ja, natürlich! Wir arbeiten an einigen Touren und hoffen, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft etwas präsentieren können. Es wird Konzerte und Touren geben, soviel ist sicher. Deshalb sind wir zurück, um es dieses Mal richtig zu machen.

Es gibt ja verteilt über den Globus noch einige andere Bands mit dem Namen GUILLOTINE. Wie wollt ihr sie „Under The Guillotine“ bringen?

Haha, nein, soweit es mich betrifft, haben sie alles Recht, sich so zu nennen, wie sie wollen. Die Welt ist zu groß, um nur eine Guillotine zu haben.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Danke für das Lesen. Testet unser Album, und ich hoffe, euch alle irgendwo bald zu treffen. Thrash ‚till death.

24.10.2008

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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