
Soundcheck Juni 2026# 16
Ehemalige GRAVE-DIGGER-Saitenarbeiter scheinen gerade auf dem Selbstverwirklichungstrip zu sein. Vor wenigen Wochen veröffentlichte Axel Ritt mit JÄST sein Debüt und fischt dabei im modernen, melodischen Rock. Nun folgt Uwe Lulis als UWE LULIS PROJECT und nennt sein Debüt „Analog“. Laut eigenen Aussagen entstand das Projekt während der Pandemie, das nach dem Ausstieg von Lulis bei ACCEPT wieder zu Leben erweckt wurde.
UWE LULIS PROJECT und der Hang zur analogen Technik
In Zeiten von überproduzierten KI-Veröffentlichungen will Lulis bewusst einen anderen Weg einschlagen. Anspruchsvoller Rock, der analog produziert wird mit echten Drums und echter Performance. „Analog“ steht für die Rückbesinnung auf handgemachte Musik. Der Sound lässt bewusst Ecken und Kanten zu. Lulis selbst agiert als Produzent und liefert laut eigenen Aussagen ein Album vom kontrollierten Unperfektionismus. Mit ASP gibt es einen besonderen Gastsänger für den Part des Mephistopheles beim Titel „Faust“. Dazu passt das Cover Artwork. Einfach auf jeden Fall, aber ein einfaches Artwork ist nicht automatisch ein gutes Artwork.
Entsprechend der Ankündigung kommt „You Don’t Know My Name“ aus den Boxen. Hier werden die Geschmäcker auseinandergehen. Ist der Sound geerdet oder einfach billig? Auf die Ohren gibt es eine Mischung aus Rock und Gothic, wo Synthesizer und Saiten gleichauf agieren und der gesamte Mix nicht für den Classic-Rock-Fan geeignet ist. Der Name SISTERS OF MERCY kommt gelegentlich in den Sinn, aber als abgespeckte Version.
Das bereits angesprochene „Faust (To Hell and Back)” streckt sich über mehr als sieben Minuten und knüpft von der Ausrichtung an seinen Vorgänger an. ASP als Gastsänger tritt kaum in Erscheinung und geht in dem düsteren, geerdeten Sound unter. Auch „Midnight In The Night Of Ghosts” ändert wenig an der grundsätzlichen Soundbild. Vor allem das nach C-64 klingende Keyboard ist ein Downer und wirkt im Mix deplatziert. Hier stellt sich die Frage, wie die Nummer ohne das Geklimper rüberkommen würde.
„Lady Nosferatu“ liefert vom Songwriting durchaus interessante Aspekte und könnte bei einem anderen Sound Rockfans mitreißen. In der vorliegenden Version dürfte der Anfang viele Fans bereits zur Skip-Taste greifen lassen. Spätestens beim zweiten Keyboard-Intermezzo ist das Ding endgültig verhunzt. Dass die Truppe ordentliche Rocker liefern kann, zeigt das UWE LULIS PROJECT in Richtung Scheibenende mit „Deceiver” oder „The Emerald“ und hinterlässt die Frage, warum nicht primär auf diese gradlinige Ader der Rockmusik gesetzt wurde.
„Analog“ bedeutet nicht automatisch gut
Das Debüt „Analog“ von Uwe Lulis als UWE LULIS PROJECT hinterlässt mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen. Grundsätzlich ist der Ansatz einer erdigen Produktion löblich. Seine ehemalige Band GRAVE DIGGER gingen mit „Bone Collector“ einen ähnlichen Weg. Von derartigen Ansätzen ist „Analog“ weit entfernt. Der Verzicht auf Synthesizer und Keyboard hätte den Unterschied ausmachen können. Lulis hat sich dagegen entschieden. Für einen derart erfahrenen Produzenten ist die Art und Weise der Einbindung von Keyboard und Synthesizer im Soundbild eine glatte Enttäuschung.
Uwe Lulis und seine Mitstreiter haben eine Ader für guten und gradlinigen Hard Rock, was Stücke wie „Deceiver” oder „The Emerald“ unter Beweis stellen. Insgesamt bleibt ein mehr als zwiespältiger Eindruck. „Analog“ kommt am Ende über einige gute Ansätze nicht hinaus. Eine analoge Produktion bedeutet nicht grundsätzlich eine gute Platte.

Jürgen Fenske































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