Bobbie Dazzle
Ich möchte als BOBBIE DAZZLE nicht nur Musik reproduzieren, wie sie vor fünfzig Jahren gemacht wurde

Interview

Mit ihrem ersten Album “Fandabidozi“ hat Siân Greenaway alias BOBBIE DAZZLE im Jahr 2024 bereits die Herzen aller Glam Rock-Fans höher schlagen lassen. Jetzt sorgt sie mit “Star Power“ für einen ebenso herausragenden Nachfolger. Wir haben mit ihr über ihre Endometrioseerkrankung, das Mischen unterschiedlicher Stilrichtungen und die Relevanz von Gastbeiträgen gesprochen.

Hallo Siân, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst,  uns ein paar Fragen zu “Star Power“ zu beantworten! Wie würdest du die Entstehung von “Star Power” beschreiben, und was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zum Vorgänger “Fandabidozi”?

Ich glaube, “Star Power” dokumentiert, wie ich herausfinde, wer oder was BOBBIE DAZZLE tatsächlich ist. Bei “Fandabidozi” ist alles so unglaublich schnell passiert. Ich bin im Prinzip vom Schreiben des ersten Songs zu Plattendeal und Albumaufnahme gesprungen, also gab es viel Herumexperimentieren, und ich habe den Charakter und Sound sozusagen im laufenden Prozess entdeckt.

Bei “Star Power” hatte ich eine viel klarere Vorstellung davon, was ich machen wollte. Ich hatte vorher Zeit damit verbracht, live zu spielen, zu touren und herauszufinden, welche Teile des ersten Albums wirklich bei den Leuten ankamen, aber auch, welche Teile sich wirklich nach mir anfühlten. “Star Power” ist immernoch tief im Siebziger Glam verwurzelt, aber ich denke es ist größer, heavier und selbstbewusster. Ich hatte keine Angst davor, Dinge weiter nach vorne zu pushen, egal ob das bedeutete, unterschiedliche Einflüsse dazuzuholen, die Gitarren heavier zu machen oder die Flöte in Parts zu spielen, in denen sie niemand erwarten würde.

Du wurdest während der Tour für dein erstes Album “Fandabidozi” von Endometriose ausgebremst und musstest einige Tourtermine deswegen absagen. Wie haben deine Erfahrungen mit der Erkrankung deine Arbeit an “Star Power” und deine Texte beeinflusst?

Es hatte definitive einen Einfluss auf die Arbeit am Album, aber vielleicht nicht unbedingt auf die Texte. Endometriose hat einen riesen Einfluss auf mein Leben, vor allem in den letzten paar Jahren, und ich hatte tatsächlich dieses Jahr wieder eine große Operation deswegen. Es gab Zeiten in denen ich versuchte, Musik zu machen, zu proben oder aufzutreten, während ich mit einem Level an Schmerzen und Erschöpfung kämpfte, das die Leute um mich herum nicht notwendigerweise sehen können.

Ich denke, diese Erfahrung hat nur meine Entschlossenheit verstärkt, BOBBIE DAZZLE und ihre Musik zu dieser bunten, überlebensgroßen Zuflucht zu machen, die sie geworden ist. Ich möchte natürlich nicht jeden Song den ich schreibe zu einem machen, in dem es ums krank sein geht, denn ich verbringe schon im echten Leben genug Zeit damit! In der Musik kann ich etwas sein, das größer ist als all das. Aber natürlich beeinflussen mich solche Erfahrungen als Songschreiberin unvermeidlich, und es gibt Momente der Verletzlichkeit und Widerstandskraft auf “Star Power” die es vermutlich so nicht geben würde, hätte ich nicht durchgemacht was ich durchgemacht habe.

Welcher Song auf “Star Power” auf Star Power hat dir am meisten Spaß gemacht aufzunehmen, und was ist deiner Meinung nach der Song, der die Fans am meisten überraschen wird, wenn sie ihn zum ersten Mal hören?

“Dirty Martini” hat mir glaube ich mit am meisten Spaß gemacht, weil er diese verspielte, schmierige Glam Rock-Energie hat. Es ist die Art Song bei dem du dir sofort vorstellen kannst wie es sich anfühlen wird live, wenn das Publikum den Text zu dir zurückgrölt.
Für die größte Überraschung wird denke ich “Snakes & Ladders” sorgen. In dem Song gibt es Elemente, die die Leute nicht sofort auf einer BOBBIE DAZZLE Platte erwarten würden, vor allem weil Gareth McGrillen von PENDULUM und KNIFE PARTY am Schreiben beteiligt war und darin Bass spielt. Ich liebe es, die Grundbausteine von Siebziger Glam zu nehmen und dann irgendwas total unerwartetes damit zu mischen statt ein Museumsstück der Ära daraus zu machen.

Wie du gerade schon erwähnt hast, spielt Gareth McGrillen von PENDULUM in “Snakes & Ladders” Bass und war auch am Schreiben des Songs beteiligt. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

Gareth und ich kannten uns vorher schon, er hat sich tatsächlich online bei mir gemeldet nachdem Spotify ihm “Back To The City” vorgeschlagen hatte, eine der Singles meines ersten Albums. Wir haben ein bisschen geplaudert und uns so angefreundet. Ich denke, auf dem Papier sehen BOBBIE DAZZLE und PENDULUM aus wie zwei komplett unterschiedliche musikalische Welten, weshalb ich diese Idee so spannend fand. Er ist ein unglaublicher Musiker und Songschreiber und hat viele wahnsinnig tolle Stücke für unterschiedliche Künstler von RIHANNA bis BULLET FOR MY VALENTINE geschrieben, und so sind wir am Ende bei “Snakes & Ladders” gelandet, wo er auch Bass spielt.

Ich arbeite total gerne mit Leuten zusammen, die nicht unbedingt die offensichtlichste Wahl für eine Glam Rock-Scheibe sind. Ich möchte als BOBBIE DAZZLE nicht nur Musik reproduzieren, wie sie vor fünfzig Jahren gemacht wurde. Ich liebe diese Ära ganz offensichtlich, aber ich möchte diese DNA nehmen und sehen was passiert, wenn du sie mit Musikern und Ideen von ganz unterschiedlichen Orten zusammenbringst.

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Quelle: Interview mit Bobbie Dazzle
30.09.2026

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