While She Sleeps
Loz und Aaran im Interview: "Manchmal wünsche ich mir echt die alte Zeit zurück."

Interview

Ihr habt vor einigen Monaten euer neues Album „You Are We“ veröffentlicht. Es scheint, als ob ihr diesmal genau darauf gehört habt, was die Fans wollen. Die haben immer vom Zusammenhalt in den Texten und den mitsingbaren Melodien geschwärmt. Offensichtlich habt ihr beides jetzt auf die Spitze getrieben. 

Aaran: Ja, wobei wir nicht eigentlich nicht auf die Fans gehört haben. Wir hören nie darauf, was die Fans sagen (grinst und zwinkert, Loz lacht). Das hat sich einfach so ergeben, je weiter wir im Studio gekommen sind. Wir machen uns keine Gedanken darüber, in welche Richtung das Album jetzt gehen soll, alles soll ganz natürlich passieren, auch wenn sich nach einigen Wochen schon ein gewisser Stil herauskristallisiert. Aber so richtig vorgeben wollen wir uns nichts, es passiert einfach. Auch wenn das jetzt echt wie Klischee klingt und viele Bands sowas sagen, aber es war einfach so.

Und wo genau seht ihr jetzt die Unterschiede im Vergleich zum Vorgänger „Brainwashed“?

Loz: Definitiv so wie du gesagt hast, es klingt hymnischer. Das Schönste, wenn du live spielst, ist immer noch, wenn du genau diese Balance halten kannst und es ein Miteinander zwischen Band und Fans gibt, wenn die Fans laut mitsingen können. Noch wichtiger ist aber für uns, dass wir keine Band sein wollen, die sich selbst limitiert und auf einen speziellen Stil festlegt. Die Grenzen müssen immer in alle Richtungen offen bleiben. Ich finde das schön, wenn die Fans sich noch freuen können und fragen, was denn wohl auf dem nächsten Album passieren wird.

Es scheint so, als ob ihr den Gesang etwas verändert habt?

Loz: Ja, Sean hat die meistens Gesangs- und Gitarrenmelodien geschrieben. Er wollte etwas mehr singen und wir hatten ja schon immer drei Leute in der Band, die immer mal wieder einen Teil übernommen haben. Im Studio hat sich das dann so entwickelt, dass Seans Ideen immer wieder aufgegriffen wurden. Man darf solchen Dinge aber auch nicht immer so viel Gewicht geben, es hat sich so ergeben und ist deshalb jetzt so auf dem Album.

Es hat also nichts mit deiner Stimmband-OP oder deinen Stimmbändern zu tun?

Loz: Nein, nicht wirklich. Es wird auch so bleiben, dass ich die harten, schreienden Parts weiterhin singe. Wobei ich jetzt auch viele der melodischen Teile übernommen habe und man nie so genau weiß, wer da jetzt singt. Es kann Matt sein, oder ich oder Sean. Ich mag es auch, dass ich jetzt mehr singen kann. Versteh‘ mich nicht falsch, schreien ist toll. Ich mag Metal und krasse Dinge mit meiner Stimme zu machen. Es ist aber auch toll, eine Note richtig zu treffen und halten zu können. Letztendlich ist es auch ein Spielen mit dem Sound, mit der Band. Mal austesten, wie weit wir die Grenzen überschreiten können, wie weit wir kommen und was es noch zu erreichen gibt. Wer weiß, das nächste Album ist vielleicht schon wieder ganz anders (grinst).

Warst du früher gut darin, in der Schule auswendig zu lernen? Du hast diesmal so verdammt viel Text …

Loz (lacht): Na klar, war ich immer!

Aaran: Das ist ja auch immer ein sehr langer Prozess, von der Erschaffung der Texte und vom letztendlichen Einsingen. Mit den Gitarrenparts ist das genauso. Wenn man das dann immer und immer wieder macht, das geht es in Fleisch und Blut über und du kannst es einfach.

Loz: Es ist wie der Muscle Memory Effekt! (lacht)

Aaran: Genau, nur mit dem Hirn (lacht).

Abgesehen von der Menge, hattet ihr offensichtlich inhaltlich auch sehr viel zu sagen diesmal. Was hat euch dazu inspiriert, der Brexit oder was in Amerika abgeht?

Aaran: Ja, die genannten Themen haben das schon irgendwie beeinflusst. Der Brexit war, als wir so in der Mitte der Aufnahmen waren und hat definitiv Themen geliefert. Deshalb ja auch der Titel „You Are We“, der sich ja an den Zusammenhalt von Menschen generell richtet. Diese Botschaft nach außen zu tragen, in einer Zeit, in der unsere Führer eher für Segregation und Teilung der Kulturen und Länder sorgen und eine positive statt einer negativen zu senden, das war schon wichtig.

So wie beispielsweise mit dem Song „Civil Isolation“?

Aaran: Das kam von Loz.

Loz: (lacht) Ja, ich mag es auf diese Art mit Wörtern zu spielen. Das ist ein Wortspiel zwischen Civilisation und Civil Isolation.

Aaran: Es scheint ja so, als ob man immer besser vernetzt ist. Du kannst mit jemandem am anderen Ende der Welt über ein Gerät in deiner Hand in Kontakt stehen. Und im gleichen Moment ignorierst du Leute, die direkt um dich herum sind.

Loz: Erstmal hört es sich an, als ob man es falsch ausspricht. Aber wenn du verstehst, woher es kommt, dann ist es natürlich kein Quatsch mehr. Diese kleine Veränderung betont genau den Gegensatz.

Aaran: Ja, weil Civilisation den Zusammenhalt der Community meint …. oh, das ist auch ein gutes Wortspiel: Community und come unity. (Hält stolz inne, Loz und ich tauschen anerkennende Blicke aus und nicken ihm zu.) Das schreib ich mir gleich auf! Auf jeden Fall ist es so, dass wir statt weiter zusammenzurücken, häufig weiter voneinander entfernen.

Manchmal liest man aber auch im Internet zu viel dummes Zeug und kriegt dann einen falschen Eindruck davon, was wirklich abgeht. Die Fans, die da draußen auf euch warten, gehen alle sehr freundlich miteinander um. Unter ihnen sind auch einige Obdachlose, die mit Einkaufswagen durch die Mengen fahren. Die Fans geben brav und ganz selbstverständlich ihr Pfand bei ihnen ab, kommen mit ihnen ins Gespräch und fragen sie, warum sie in dieser Situation sind.

Loz: Toll! Das ist wirklich toll.

Aaran: Ja, auf jeden Fall!

(Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sessel und hört zu.)

Adam, da du gerade hier bist. Du hast das Artwork für „You Are We“ gemacht? Hast du auch das komplette Merchandise gemacht und alle Artworks davor?

Adam: Ja, ich und Matt haben das gemacht. Und wir haben alle bis jetzt gemacht.

Was genau habt ihr euch diesmal dabei gedacht?

Adam: Wir haben versucht, die Texte durch die Bilder zu reflektieren. Es war gar nicht so einfach, beispielsweise das Frontcover mit dem Logo zu machen. Wir wollten möglich viel Interpretationsspielraum lassen und trotzdem unsere Vorstellungen von Zusammenhalt in das Bild packen. Das Gleiche haben wir für jeden einzelnen Song gemacht. Im Booklet gibt es zu jedem Song ein spezielles Bild, das auf einen Blick den Kern des Songs treffen soll.

Aaran: Und jedes Bild beinhaltet die Kernbotschaft von „You Are We“.

Die Texte sind also immer die Vorlage für das Artwork?

Adam: Ja, ich würde jetzt nicht sagen immer, aber meistens. In der Regel ist das Artwork immer der letzte Schritt. Wenn die Musik größtenteils fertig ist, dann macht man sich Gedanken darüber, wie man das fertige Ergebnis am besten präsentieren könnte und welche Bilder dazu passen.

Loz: Wir sprechen immer sehr lange über diesen Schritt. Wir haben immer eine bestimmte Farbe pro Sound und überlegen uns, nach welcher Farbe könnte das jetzt klingen? Das ist dann noch nicht das fertige Design, sondern einfach die Überlegung, welche Farbe zu diesem Gefühl passt.

Adam: Bei den Symbolen für die einzelnen Songs haben wir am längsten gebracht. Es war nicht einfach etwas zu finden, dass auf einen Blick passt und offensichtlich klar ist.

Und ihr habt „You Are We“ diesmal mit einer Pledge-Kampagne finanziert. Soweit ich das verfolgen konnte, habt ihr das Ziel sehr schnell erreicht. Wie viel Angst hattet ihr denn davor, dass es nicht klappt?

Loz (lacht): Ja, da war schon immer eine kleine Unsicherheit, was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn nicht genug Leute hinter uns stehen. Aber die Resonanzen waren von Anfang an echt gut.

Aaran: Das war das erste Mal in unserer Karriere, dass wir keine Label im Rücken hatten. Und wir wussten natürlich nicht, was passieren soll, wenn es schief läuft. Also ja, wir haben schon gezittert. Allerdings haben wir ja dann ganz schnell gemerkt, dass unsere Fans ganz offensichtlich die besten in der Welt sind und zu 100 % hinter uns stehen. Joa, da kann man sich echt nicht beschweren.

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12.08.2017

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