While She Sleeps
Loz und Aaran im Interview: "Manchmal wünsche ich mir echt die alte Zeit zurück."

Interview

War das jetzt ein Versuch, macht ihr das jetzt immer so? Oder mal anders formuliert: Es wird ja irgendeinen Grund geben, warum die meisten Bands ein Label haben, oder?

Aaran: Das ist überhaupt noch nicht raus, ob wir das jetzt immer so machen. Für dieses Album war es richtig. Davor war das mit dem Label etwas undurchsichtig für uns, es war für uns nicht das Richtige. Die Leute, die mit uns gearbeitet haben, hatten nicht die gleiche Leidenschaft dafür, wie wir sie haben. Wir denken, dass wir selbst die besten Verantwortlichen sind, wenn es um unsere Musik geht.

Loz: Wir sind eine Band, die ja schon aus dem Punk Rock und dem D.I.Y. kommt. Wenn dann ein Label kommt und mitreden will, dann reglementiert uns das an Punkten, an denen wir es nicht wollen. Das hat sich echt nicht so gut angefühlt.

Was genau ist denn bei den Alben davor passiert?

Loz: Ja, es war irgendwie undurchsichtig und kam zu kleinen Unstimmigkeiten. Dass beispielsweise Songs schon raus gehauen wurden, bevor wir selbst darauf aufmerksam machen konnten. Sachen in die Richtung. Wenn man so hart an etwas gearbeitet hat und so stolz darauf ist, dann will man jeden Teil des Prozesses begleiten und mitgestalten können. Irgendwann kamen wir einfach an den Punkt, an dem wir gemerkt haben: Das können wir eigentlich auch alles selbst machen. Bei folgenden Alben können wir es vielleicht auch gar nicht mehr machen, weil wir es dann gar nicht mehr schaffen. Denn es ist auch sehr anstrengend und zeitintensiv. Für das nächste Album müssen wir uns ganz genau überlegen, wie wir vorgehen. Eventuell nicht genauso wie bei „You Are We“, aber ganz sicher ähnlich.

Und gibt es etwas, dass man nur über ein Label erreichen kann?

Loz: Ein Label hat in erster Linie viel Geld und kann dafür sorgen, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort die wichtigen Leute trifft. Bis zu einem gewissen Punkt braucht man das auch, wenn man startet und bekannt werden muss, um herauszukommen und die Fans zu finden. Grundsätzlich ist an einem Label nichts Schlimmes, für uns hat es eben nur bei diesem Album nicht gepasst. Als wir zum ersten Mal einen Labelvertrag bekommen haben, waren wir, wie wohl jede andere Band, auch total geflashed. Mittlerweile sind wir auch etwas älter und wissen eher, was genau abgeht und was für uns passt.

Aus diesem Grund habt ihr wohl auch gleich fünf Videos im Vorfeld veröffentlicht, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten? Das ist ja eine sehr unübliche Menge vorab.

Loz: Heutzutage ist es sehr wichtig, in den üblichen Medien auch präsent zu sein, besonders im Musikbusiness. Im Zeitalter von Smartphone und Macbook braucht man einfach eine visuelle Verbindung zu der Musik. Die Leute sehen so viele Dinge auf Instagram, Facebook und so weiter, da gibt es so viele Bilder und Videos und auf Videos gibt es immer noch die meisten Reaktionen und die größte Aufmerksamkeit. Um auf unsere Musik aufmerksam zu machen, ist das eben der beste Weg. Wir wollen den Leuten etwas Interessantes bieten, auf das sie sich kurz konzentrieren können und worüber sie uns wahrnehmen. Das scheint generell immer mehr zu werden – immer mehr Bands veröffentlichten vorab immer mehr Singles von ihren Alben, so läuft es wohl jetzt.

Mögt ihr das oder seid ihr davon genervt?

Aaran: Ich bin da ehrlich gesagt sehr altmodisch. Ich gehe in den Laden und kaufe mir das Album, ohne vorab eine Single gehört zu haben. So läuft das bei mir ab, aber anscheinend scheint das nicht mehr der übliche Weg zu sein. Ich bin wohl nicht das Vorzeigemodell, wenn es darum geht, wie Bands heutzutage ihre Musik verkaufen können. Man kann schon so vieles umsonst im Internet anschauen und hören …

Loz: Kostenlos oder sehr billig …

Aaaran: … da müssen wir einfach realistisch bleiben. Besonders wenn man sich überlegt, dass die Bands selbst so um die zwei Jahre schon mit dem Album beschäftigt sind. Man schreibt es, man nimmt es auf, man feilt daran und geht schon fast wieder ins Studio, um das nächste anzufangen. Und letztendlich sind zwei Jahren für Leute eine verdammt lange Zeit, da verliert man das Interesse. Um also wieder ins Spiel zurückzukommen, ist die Veröffentlichung einer Kombination aus Musik und bewegten Bildern, der beste Weg. Die Fans würden ja am liebsten die ganze Zeit alles sehen.

Wenn ich von einer Band überzeugt bin, dann bin ich da so ähnlich wie du. Ich schaue mir die Videos höchstens mal beiläufig im Schnellmodus an, entscheide dann, ob es gut oder nicht so gut ist und kaufe mir das Album trotzdem auf jeden Fall.

Loz: Die Möglichkeit vorab Sachen anzuhören, nutze ich auch. COMEBACK KID bringen bald ein neues Album raus, da hab ich schon drei Songs gehört und das reicht mir schon aus, um auf jeden Fall die Platte haben zu wollen. (lacht) Na ja, wie auch immer, das mit den Bildern ist schon wichtig.

Ist eine ganz simple Marketingstrategie. Bild schlägt Wort und Video schlägt Bild.

Loz: Ja, (lacht) manchmal wünsche ich mir echt die alte Zeit zurück.

Loz und Aaran in Aktion, Schlachthof Wiesbaden 2017

Im Rahmen der Kampagne konnten die Fans ins unterschiedliche Pakete investieren. Teilnahme am Videodreh oder sonstige Treffen mit euch waren im Angebot. Welche Art von Leute habt ihr da getroffen und wie sind die euch begegnet?

Loz: Das tolle an unserer Fanbase ist, dass wir für die ganz offensichtlich nicht auf einem Podest stehen. Sie wissen, dass wir ganz normale Typen sind und eigentlich jeder das erreichen kann, was wir erreicht haben. Fünf gute Freunde, die gemeinsam an einem Traum arbeiten. Wir haben tolle Leute getroffen, die bei unserem Anblick auch nicht sofort schreiend ausgerastet sind – ok, das gab es auch – aber der Großteil war ganz entspannt. Mit vielen Fans haben wir schon eine ziemlich gute Zeit verbracht. Die meisten sind so zwischen 18 und 30 Jahre alt, würde ich schätzen, das ist ein tolles Alter, in dem man noch offen und begeisterungsfähig ist. Viele sagen, dass die Botschaften in unseren Songs und der Gedanke an Zusammenhalt ihnen durch harte Zeiten geholfen hat. Das ist besonders schön für uns, denn die Texte sind ja während Zeiten entstanden, in denen wir harte Zeiten durchlebt haben. Das gilt besonders für die alten Alben. Es zahlt sich also aus, sowas durchzumachen und man kann auf diese Art anderen Leuten helfen.

Ich frage das auch, weil ich euch auf dem Rockcamp in Saarwellingen gesehen habe und du Aaran, bist bei „Brainwashed“ in die Menge gesprungen, um direkt bei den Fans zu sein. Viele sind auf dich zugestürzt, haben deine Gitarre angegrapscht und es sah fast so aus, als ob sie dir dein Instrument klauen wollten. Und ich dachte mir nur: Verdammt, warum macht ihr das? Seid doch froh, dass er sowas überhaupt macht und feiert mit ihm!

Aaaran: (lacht) Ich habe es auch bereut, das getan zu haben, aber eher weil es so unfassbar staubig war. Von der Bühne aus hat man das gar nicht gesehen. Das war bei vielen Festivals in diesem Sommer so, wegen der Hitzewelle in Europa gab es eher Staub anstelle von Matsch. Ich bin beinahe erstickt.

Loz: Sehr oft erinnere ich mich daran zurück, als ich jünger war und als Emo-Kind zu Shows gegangen bin. Ich denke daran, wie es sich angefühlt hat in der Menge zu stehen, den Sänger zu sehen und die Band abzufeiern. Ich wollte die auch immer anfassen, abklatschen und „Hey Dude, alles klar?“ rufen. Man hat also Verständnis dafür.

Während euren Konzerten erreicht ihr mittlerweile ziemlich viele Leute. Ist es euch bewusst, dass ihr für die so eine Art Vorbild sein könntet und denkt ihr darüber nach, was ihr so sagt und wie ihr euch verhaltet? Ihr könntet Akzente setzen.

Aaran: (lacht) Da könnte ich jetzt ein sehr schlechtes Beispiel dazu nennen, wenn ich wollte.

Ok, mach!

Aaran: Ich will ja aber nicht (lacht).

Loz: (lacht) Man will sich eigentlich nicht so sehen, als Vorbild. Wir versuchen jetzt nicht so krass rüber zukommen, wie wir es könnten. Leute, die die Band gut kennen, wissen, dass wir eigentlich noch verrückter sein könnten. (lacht)

Habt ihr eigentlich schon mal für eine andere Band in eine Pledge-Kampagne investiert?

Loz: Ja, vor Kurzem habe ich in HUNDREDS SUNS, von dem Typen von NORMA JEANs neuer Band gekauft und auch schon bei DARKEST HOUR.

Aaran: In eine Pledge habe ich noch nicht investiert, aber schon öfter mal bei Indiegogo gekauft, T-Shirts und sowas.

Was? DARKEST HOUR haben ihr letztes Album, das tolle mit dem langen Titel, der mir jetzt nicht einfällt, über eine Kampagne finanziert?

Loz: Ich glaube schon, dass sie es über Crowdfunding gemacht haben. Oder?

Aaran: DARKEST HOUR? Ja, über Indiegogo, meine Freundin hat investiert.

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12.08.2017

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