Midnight Scraper
Midnight Scraper

Interview

Ein geradezu sensationelles Debütalbum lieferten MIDNIGHT SCRAPER mit "Fast Side – Slow Side" ab. Das Album strotzt vor Lebensfreude und versprüht wunderbar entspannte Southern-Vibes, wie man sie eigentlich nur aus den USA kennt. Doch in Schweden gibts das anscheinend auch…

Midnight ScraperVor einigen Wochen seid ihr für ein paar Gigs hier in Deutschland gewesen. Wie waren denn eure Erfahrungen? Was denkt ihr generell über Deutschland?

Bevor wir erstmals in Deutschland tourten, dachten wir, die Deutschen seien alle langweilig, überdiszipliniert und verklemmt. Wir lagen falsch. Ihr Deutsche seid sehr freundlich, großzügig und ihr wisst, wie man rockt. Deutschland ist ein verdammt schönes Land und die Würstchen sind klasse. Ein großes Dankeschön geht da auch an unsere liebste deutsche Band, THE MORBID MINDS, dass sie so auf uns aufgepasst haben!

„Fast Side – Slow Side“ besteht sozusagen aus zwei Seiten. Die „Fast Side“ mit den rockigen Songs und die „Slow Side“ mit den eher ruhigeren Stücken. Überraschenderweise funktioniert das richtig prächtig. Wie seid ihr denn auf diese tolle Idee gekommen?

Es ist eigentlich ein ganz alter Trick. Wir bekamen die Idee, als wir Vinyl aus den 50ern und 60ern hörten. Hasst ihr es nicht auch, wenn ihr in Partystimmung von einer Ballade unterbrochen werdet?

Das Album wirkt nicht wie ein Debütalbum. Die Musik klingt erwachsen und das Songwriting hat Klasse. Wie lange habt ihr daran gearbeitet? Erzählt doch mal etwas über den Entstehungsprozess des Albums?

Da es sich ja um unser Debütalbum handelt, hatten wir eine Menge Zeit, Songs zu schreiben. Einige Songs schrieben wir tatsächlich schon vor über fünf Jahren als wir etwa 19 oder 20 Jahre alt waren. Die zwölf Songs sind die besten aus dieser ganzen Zeit, noch bevor wir einen Plattenvertrag erhielten. Wir nahmen sie mit Ausnahme von einigen wenigen Overdubs live im Studio auf. Wir wollten die Sache lebendig klingen lassen und ließen kleinere Fehler einfach drauf.

Das Album besitzt einen deutlichen Southern-Vibe. Seid ihr von Bands wie LYNYRD SKYNYRD und Konsorten beeinflusst worden?

Wir hören sehr viel Rock, Soul, Blues und Country. Eine gewisse Zeit lang standen wir wirklich auf Sachen wie LYNYRD SKYNYRD, ALLMAN BROTHERS und LITTLE FEAT. Wir hatten einen fantastischen Proberaum, in dem wir sogar eine Weile lang wohnten. Wir tranken Whiskey, spielten Poolbillard und gaben uns in einer Honkytonk-Bar als die örtlichen Gangster aus, während wir der wunderschönen Leadgitarre von Dickey Betts (gemeint ist Forrest Richard „Dickey“ Betts, Gründungsmitglied der ALLMAN BROTHERS – Anm. d. Verf.) lauschten. Wir spielen eigentlich kaum Southern Rock, aber was einem ins Ohr geht, kommt wohl auch irgendwie wieder aus den Fingern raus.

Eine weitere coole Band fällt mir beim Hören eurer Musik ein und zwar BLACK STONE CHERRY. Kennt ihr sie und falls ja, wie denkt ihr über sie?

Sorry, die kenne ich nicht, aber ich werde sie mir mal anhören. Wenn sie ähnlich wie wir klingen, werde ich sie mal antesten. Danke für den Tipp.

Ein Element, das euer Album so klasse macht, ist das Saxofon. Großartig gespielt übrigens. Wie seid ihr darauf gekommen und wer hat es eingespielt? Verwendet ihr das auch auf Tour?

Wir wussten von Anfang an, dass wir Bläser in unserer Musik haben wollten, um das Ganze etwas aufzupeppen und um dem klassischen Soulsound näher zu kommen. Unser Produzent Stevie Klasson kannte die besten Bläser aus Stockholm und netterweise halfen sie uns aus. Das Sax wird von Mats „Magic“ Gunnarsson von den DIAMOND DOGS und THE SOLUTION gespielt. Dank Stevie bekamen wir auch Hilfe von „Strings“ von den HELLACOPTERS, der auch die Leadgitarre bei „Bye Bye Sweet Whiskey“ spielt. Stevie erwies sich wirklich als großartiger Produzent und machte uns mit seinen Freunden bekannt, die er aus seiner Zeit mit Johnny Thunders und HANOI ROCKS kannte.

In den Texten von „Fast Side – Slow Ride“ geht es in erster Linie um Liebe und Beziehungen. Wer ist denn eigentlich genau dieses Girl mit den wackelnden Titten und den Peitschen und Leder aus „Baby Let Me Make Up Your Mind“?

Wow… wie konntest du die nur verpassen? Schau dir einfach das Video zu „Baby Let Me Make Up Your Mind“ an. ( – d.Verf.)

Euer Gitarrist Sparkle hat mit „Sparkle Has Had Too Many Drinks“ quasi seinen eigenen Song. Was für eine Geschichte steckt da dahinter?

Jeder hat im Leben so seine Aufs und Abs… „Sparkle Has Had Too Many Drinks“ erzählt eine wahre Geschichte. Es geht um billigen Alkohol, den wir von unserer ersten Tour in Deutschland mitgebracht haben, in Kombination mit einem gebrochenen Herzen.

Wenn ihr gerade keine Musik macht, was sind dann eure Interessen? Habt ihr noch normale Jobs und falls ja, als was arbeitet ihr?

Wir haben alle Teilzeitjobs als Lehrer, Wächter und Models. Arbeiten und Musik machen ist sehr zeitintensiv und in unserer kargen Freizeit gehen wir gerne einen Trinken, zu Konzerten, hängen rum und gelegentlich schlafen wir auch.

Schweden ist bekannt für seine lebendige Musikszene. Soweit ich weiß liegt das auch an der finanziellen Unterstützung, die man recht leicht vom Staat kriegen kann (zumindest habe ich etwas in der Art mal gehört). Könnt ihr uns ein bisschen über die Möglichkeiten aufklären, die man in Schweden hat?

Vertragslose Bands erhalten finanzielle Unterstützung vom Staat (wenn auch wenig). Es ist gerade genug, um sich Gitarrensaiten oder Drumsticks kaufen zu können. Wir konnten damals dank dieser Unterstützung unsere ersten Demos in einem „echten“ Studio aufnehmen. Ich kann nicht sagen, wie diese Hilfe die schwedische Musikszene beeinflusst, aber mit Sicherheit im positiven Sinne. Die zahlreichen Bands und der harte Wettbewerb sind meiner Meinung nach aber eher die Gründe, warum es in Schweden eine so lebhafte Szene gibt.

Was sind die Pläne für MIDNIGHT SCRAPER für die Zukunft? Habt ihr einen bestimmten Traum, irgendetwas, das ihr unbedingt noch erreichen wollt?

Wir gehen auf Tour durch Deutschland, Schweiz und Österreich. Wahrscheinlich im Oktober. Unser zweites Album nehmen wir dann später in diesem Jahr auf. Wir wollen noch eine Menge erreichen. Unser nächstes Ziel ist es erstmal, so viel Geld zu verdienen, dass wir alleine von den Platten und vom Touren leben können. Nicht, dass Geld das Wichtigste wäre, aber wir versuchen verzweifelt, auch ohne unsere Teilzeitjobs auszukommen.

Okay, danke für das Interview. Ich wünsche euch das Beste für die Zukunft und ich bin mal gespannt, was als nächstes kommt!

24.08.2008

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