Sepultura
„Wir wollten aufhören, solange wir noch brennen“

Interview

Wir haben mit Derrick Green von SEPULTURA über ihre aktuelle Abschiedstournee, 40 Jahre Bandgeschichte und die letzte EP „The Cloud of Unknowing“ gesprochen.

Hey Derrick, willkommen bei Metal.de. Es ist eine Ehre, dich hier zu haben. Wie geht es dir?

Mir geht’s fantastisch, ich kann mich nicht beschweren.

Nach mehr als vier Jahrzehnten bereiten sich SEPULTURA darauf vor, das letzte Kapitel der Band zu schließen. Wann hast du persönlich gemerkt, dass dieser Abschied die richtige Entscheidung ist?

Die Idee kam schon vor einigen Jahren von Andreas. Er meinte, dass es vielleicht an der Zeit sei, diese unglaubliche Bandgeschichte bewusst zu beenden. Und je länger wir darüber nachgedacht haben, desto mehr ergab es Sinn.

Wir wollten nie an den Punkt kommen, an dem wir ausgebrannt sind oder nur noch funktionieren. Dieses ständige Album schreiben, Promo machen, Tour spielen und wieder von vorn – wir haben das sehr lange gemacht.

Uns war wichtig, auf unserem eigenen Höhepunkt aufzuhören. Nicht erschöpft, nicht lustlos, nicht als Schatten unserer selbst. Im Gegenteil: Wir fühlen uns aktuell extrem energiegeladen auf der Bühne. Deshalb wollten wir genau jetzt diesen Schlusspunkt setzen.

40 Jahre Bandgeschichte, 14 Goldene Schallplatten, Konzerte in über 80 Ländern – wie blickt man überhaupt auf so eine Reise zurück?

Das ist gar nicht so leicht. Deshalb wollten wir etwas Besonderes schaffen. Wir nehmen jede Show der Abschiedstour auf und planen daraus ein großes Boxset mit den besten Live-Momenten aus verschiedenen Ländern.

So können Fans diese letzte Reise miterleben – mit all den unterschiedlichen Orten, Energien und Emotionen.

Fühlt sich das Ende eher nach Abschluss, Feier oder bittersüßer Stimmung an?

Ganz klar nach Feier. Es ist wunderschön, aus so vielen Songs wählen zu können und die Reaktionen der Menschen zu sehen. Viele erzählen uns, wie sie durch Sepultura zur Musik gefunden haben oder wie die Band ihr Leben beeinflusst hat.

Das zu hören, macht unglaublich dankbar.

Für die Fans sollte es ebenfalls eine Feier sein – eine Erinnerung an all die Momente, die sie mit der Band verbinden.

Die Band veröffentlicht mit der EP „The Cloud of Unknowing“ noch ein letztes Werk. Warum war euch das wichtig?

Neue Musik war immer ein essenzieller Teil von SEPULTURA. Außerdem wollten wir unbedingt noch etwas mit unserem Drummer Greyson aufnehmen, weil er inzwischen ein wichtiger Teil dieser Bandgeschichte geworden ist.

Es fühlte sich sehr natürlich an. Kein Druck, kein klassischer Albumstress – einfach vier Musiker mit kreativer Energie. Deshalb war es tatsächlich eine der entspanntesten Aufnahmen, die wir je gemacht haben.

Was bedeutet dieser Titel für dich persönlich?

Für mich geht es darum zu akzeptieren, dass wir nicht alles wissen. Und dass das okay ist. Wichtig ist, offen zu bleiben, Fragen zu stellen und dazuzulernen.

Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir kritisches Denken. Man sollte seine Überzeugungen hinterfragen, mit anderen diskutieren und bereit sein, Neues zu lernen.

Gibt es einen Song auf der EP, der den aktuellen Geist von SEPULTURA besonders gut einfängt?

„Beyond the Dream“. Das ist für mich fast ein Abschiedslied. Wir haben dort zum ersten Mal einen kompletten Song nur mit Clean Vocals gemacht.

Der Song zeigt die Schönheit hinter allem, was SEPULTURA war und ist – die Liebe zur Band, die positive Energie und die Tatsache, dass wir weiter gekommen sind, als wir es je erwartet hätten.

Was hat SEPULTURA deiner Meinung nach in so vielen Ländern und Kulturen relevant gemacht?

Ehrlichkeit. Menschen spüren, wenn etwas echt ist. Wir hatten nie Angst, Emotionen zu zeigen oder musikalisch neue Wege zu gehen.

Wir wollten uns nie wiederholen. Jede Platte sollte anders sein. Diese Entwicklung war für uns immer natürlich – und ich glaube, genau das hat die Band so langlebig gemacht.

Wie reagieren die Fans aktuell auf die Farewell Tour? Gab es Tränen?

Oh ja – deutlich mehr, als ich erwartet hätte. Besonders emotional war Belo Horizonte, die Heimatstadt von Sepultura.

Das war eines der ersten Abschiedskonzerte, gleichzeitig die erste Show mit Greyson. Wir wussten kurz davor noch nicht einmal, ob die Tour überhaupt stattfinden kann.

Es war eines der größten Konzerte, das wir dort je gespielt haben – und voller Emotionen. Viele Tränen. Aber Tränen der Freude.

Wie hat dich SEPULTURA als Musiker und Mensch verändert?

Komplett. Ich bin für die Band in ein anderes Land gezogen. Brasilien wurde mein zweites Zuhause. Ich habe eine neue Sprache gelernt, neue Kulturen kennengelernt und die Welt bereist.

Ich durfte Freundschaften fürs Leben schließen und Erfahrungen machen, die ich ohne diese Band nie erlebt hätte.

Wenn du den Spirit von SEPULTURA nach über 40 Jahren in einem Satz zusammenfassen müsstest – wie würde er lauten?

Positive mentale Haltung – und niemals aufgeben.

Das war immer unser Antrieb. Egal wie schwer die Zeiten waren: Weitermachen, kämpfen, positiv bleiben.

Das ist ein perfektes Schlusswort. Danke für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft.

Danke dir, Mann.

Galerie mit 31 Bildern: Sepultura - European Farewell Tour 2024 in Berlin
22.04.2026

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