Zerstörer
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Interview

Mit "Declaration Of War" haben die Detmolder ZERSTÖRER ein wahrhaftiges tonales Schlachtfeld erschaffen. Grund genug, Saitenhexer Kremator auf den Zahn zu fühlen und über das Album, die unangenehmeren Geschehnisse im Bandlager und natürlich Krieg zu sprechen.

ZerstörerCheers Kremator! Erstmal Gratulation zur Veröffentlichung eures Zweitwerks “Declaration Of War”, welches in meinen Augen seinem Namen alle Ehre machen kann. Wie ist die Stimmung im Bandlager?
Tatendrang und Kriegslust nach dem Abschließen des Releases oder eher Lazarettstimmung und faule Haut?

Erstmal danke für die lobenden Worte, sowas hört man natürlich immer gerne. Die Stimmung mit der neuen Scheibe im Rücken ist grundsätzlich gut, es hat ja auch lange genug gedauert. Von Tatendrang kann momentan allerdings nicht wirklich die Rede sein, aber dazu mehr im Verlauf des Interviews.

Genau. Denn bevor wir auf „Declaration Of War“ zu sprechen kommen, möchte ich mit dir über das aktuelle Geschehen im Hause ZERSTÖRER reden. Ihr seid aufgrund unglücklicher Umstände auf dem Sampler der bedenklich-zwielichtigen Neuauflage des A-BLAZE-Magazins gelandet, was den Ausstieg von Drummer MPG zur Folge hatte. Auch wenn aus dem offiziellen Statement eures Ex-Drummers klar hervorgeht, dass ZERSTÖRER erst von dem Feature auf dem Sampler und den einhergehenden Zusammenhängen erfuhren, als es bereits zu spät war, habt ihr hier noch einmal die Möglichkeit, zu diesem Thema Stellung zu beziehen.

Das Statement von MPG ist in diesem Punkt nicht ganz richtig. Unser Label hat uns informiert, dass es einen Song auf besagter Heftbeilage unterbringen könnte, wir hatten keine Einwände dagegen. MPG selbst hat davon allerdings erst kurz vor der Veröffentlichung mitbekommen. Und ehrlich gesagt, war mir das neue A-BLAZE nur namentlich bekannt. Ob die ganze Angelegenheit hätte so hochgekocht werden müssen, ist Ansichtssache, Fakt ist aber, dass wir jetzt in einem zweifelhaften Licht stehen. Wir wollten die Politik immer außen vor lassen, uns in keiner Weise äußern. Aber da nunmal Rechts und Links sich momentan den Black Metal als bevorzugtes Schlachtfeld ausgesucht haben und wir in die Schusslinie geraten sind, muss ich dieses Prinzip brechen und folgendes ein für alle Mal klarstellen: HIERMIT DISTANZIERE ICH MICH UND DIE BAND ZERSTÖRER AUSDRÜCKLICH SOWOHL VON DER RECHTEN ALS AUCH DER LINKEN SZENE. Leute, für die “seid Ihr nicht für uns, seid Ihr für die anderen” gilt, mögen sich hierüber gerne besonders aufregen…
Ich hoffe hiermit ein für alle Mal die Fronten geklärt zu haben, wir haben nämlich ehrlich gesagt keine Lust, uns durch Politik den Bandalltag bestimmen zu lassen. Wir sind hier verdammt nochmal nicht im Bundestag…

Inwieweit beeinträchtigt es euch als Band, wieder als Duo und ohne Schlagwerker beziehungsweise Bassisten zu agieren? Müssen wir eine Zwangspause von ZERSTÖRER befürchten oder habt ihr bereits einen Masterplan in der Hinterhand? Siehst du eine Möglichkeit, die Band baldmöglichst auf die deutschen Undergroundbühnen zu hieven? Hegt ihr überhaupt Interesse daran, live aufzutreten?

Nekroschwanz und ich haben uns nach MPGs Ausstieg bei diversen alkoholischen Getränken beraten und beschlossen, weiter zu machen. So schnell lassen wir uns nicht stoppen, bei Rückschlägen gilt “jetzt erst recht”. Eine Zwangspause wird es nicht geben, wir haben seit dem Ausstieg mehrmals geprobt, zwei neue Songs fertig gemacht (zumindest die Musik) und sind auch sonst zuversichtlich, noch dieses Jahr Konzerte zu geben. Allerdings mussten wir ein Konzert absagen und mehrere Anfragen ablehnen. Unser aktueller Schlagzeuger ist Sessionmitglied, auf diese Art planen wir auch die Besetzung des Basses und evtl. der zweiten Gitarre. Feste Mitglieder wird es so bald nicht mehr geben.

Hoffen wir das Beste. Lass uns zu den wesentlichen Punkten der Kriegsberatung übergehen, hehe. Zwischen eurem Debütalbum “Panzer Metal” und “Declaration Of War” sind sieben Jahre verstrichen. Jahre, die augenscheinlich von Besetzungswechseln und höherer Gewalt geprägt waren. Kannst du uns einen kleinen Abriss dieser Zeit liefern?

Wir haben “Panzer Metal” im August 2002 selbst veröffentlicht und danach noch ein paar Konzerte gespielt. Im Oktober 2003 sind unser Bassist und unser Schlagzeuger desertiert. Bis Oktober 2007 bestand die Band ausschließlich aus Nekroschwanz und mir, was sich durch den Einstieg von MPG als Drummer geändert hat. In dieser Zeit haben wir mehr oder weniger aktiv neue Mitstreiter gesucht und Songs geschrieben. Nach einigen Proben haben wir dann im März 2008 das Aurora Musiklabor geentert und “Declaration Of War” innerhalb von drei Tagen eingeprügelt.

In einem älteren Interview mit euch habe ich aufgeschnappt, dass einige Stücke auf “Declaration Of War” bereits zu Zeiten des alten Lineups komponiert waren, zum Beispiel “Metal Terror”. Nichtsdestotrotz klingt die Scheibe wie aus einem Guss, in sich geschlossen und keinesfalls “zusammengewürfelt”. Handelt es sich bei dem Album tatsächlich um eine Mischung aus altem und neuem ZERSTÖRER-Material? Und falls ja: Was hat euch dazu bewogen, das ältere Material mit auf die Platte zu packen?

„Hatred Rising“ und „Pick Axe Blasphemy“ haben wir 2003 sogar schon live gespielt. Der neueste Song hingegen – „Infernal Warfare“ – ist erst kurz vorm Studiotermin entstanden. Der Rest stammt aus der Zeit dazwischen. Dass alles wie aus einem Guss klingt, könnte daran liegen, dass alles von mir geschrieben wurde. Die zehn Songs waren alles, was wir an neuem oder vielmehr unveröffentlichtem Material hatten.

“Declaration Of War” eröffnet mir trotz der durchgängigen Aggressivität und den simplen, kurzweiligen Songstrukturen eine große Bandbreite an Facetten und möglichen Einflüssen. Von BLACK WITCHERY über TSJUDER bis hin zu alten SLAYER-Sachen ist eigentlich alles dabei. Gibt es eine Formel dafür, wie ZERSTÖRER in deinen Augen zu klingen haben oder passiert das alles ganz unterbewusst?

Wir haben die Band damals gegründet, um machen zu können, was wir wollen. Damals haben wir noch in einer anderen Band gespielt, wo wir diese Möglichkeit nur sehr eingeschränkt hatten. Das ist eigentlich bis heute die “Formel”, wenn man es denn so nennen möchte. Ich höre nunmal alles mögliche von Hard Rock und traditionellem Heavy Metal über Thrash Metal, Death Metal etc. bis Black Metal. Dass dabei die Songs mal stärker in die eine oder andere Richtung tendieren, ist denke ich ganz normal, zumal wir uns selbst keine Beschränkungen auferlegen, außer der, dass wir keine Kompromisse eingehen.

In meinen Augen klingt “Total Frost” ja verdammt nach einer Hommage an DARKTHRONE, insbesondere an “A Blaze In The Northern Sky”. Leide ich an Wahrnehmungsstörungen oder trifft die Behauptung ins Schwarze? Wie stehst du zu der Band und ihren heutigen Veröffentlichungen?

Gewisse Ähnlichkeiten zwischen „Total Frost“ und konkret „In The Shadow Of The Horns“ können wir nicht bestreiten, hehe. Geplant war es nicht, eine Art Tributsong zu schreiben, aber wie das so ist, wenn man sich die Gitarre zur Hand nimmt: man spielt los und es kommt was dabei heraus. Das kann nach etwas klingen, das es schon gibt, oder auch nicht. Die letzten DARKTHRONE-Veröffentlichungen waren meiner Meinung nach teils richtig gut, teils weniger. Aber grundehrlich waren sie alle.

“Shattering Universe”, der Rausschmeißer der Platte, wirkt durch seine stampfende Art nahezu befremdlich und verstörend, wenn man bedenkt, dass ihr ansonsten ziemlich aufs Gaspedal tretet. Die verzerrte Stimme tut ihr übriges, um den Track zu einem kleinen Ausreißer zu machen. Welche Intention steht hinter Stück? Mir schießen ja stets Bilder von einem zurückgelassenen Schlachtfeld in den Kopf…

Dieses Bild hatte ich nicht im Kopf, finde es aber auch sehr passend. Der Song ist anders als der Rest, aber eine bestimmte Intention hatte ich nicht, als ich ihn geschrieben habe. Das habe ich in den seltensten Fällen.

Ihr habt euer Zweitwerk im Aurora Musiklabor unter der Leitung von Martin Wiese aufgenommen. Wie lief die Zusammenarbeit? Seid ihr zufrieden mit dem Endergebnis?

Die Zusammenarbeit lief sehr gut. Als wir am ersten Aufnahmetag morgens zu Martin gefahren sind, hat es stark geschneit, das waren schon mal sicher nicht die schlechtesten Rahmenbedingungen. Trotz der kurzen Zeit, die wir für die Aufnahmen hatten, ist das Ganze nicht sonderlich stressig geworden. Martin weiß genau, was er tut, und seine Parodien eines gewissen ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und verschiedener anderer bekannter Persönlichkeiten tun ihr übriges. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden. Wir wollten eine Produktion haben, die richtig knallt, aber trotzdem rotzig und dreckig ist, und genau das haben wir bekommen.

“Declaration Of War” wurde heuer über das österreichische Underground-Black-Metal-Label “Ashen Productions veröffentlicht. Wie kam es zur Zusammenarbeit? Was gab den Ausschlag für euch, dort zu unterschreiben?

Wir haben verschiedene Labels angeschrieben, und Ashen war eines derjenigen, von denen wir ein Angebot bekommen haben. Ashen und ZERSTÖRER passen von der Größe gut zusammen, das Angebot war sehr gut, und so haben wir unterschrieben. Wir sind mit der Arbeit des Labels soweit zufrieden, die Entscheidung war wohl also nicht falsch.

Ich glaube, wir brauchen an dieser Stelle nicht zu beleuchten, wieso ihr den Bandnamen ZERSTÖRER gewählt habt. Ferner liegt die Attitüde der Band auf der Hand, wenn man sich einmal das Booklet zu Gemüte führt. Interessiert ihr auch fern der Musik für Kriegsthematiken?

Ich interessiere mich allgemein für die Geschichte der letzten Jahrtausende, und da gehören Kriege nunmal an vorderster Front mit dazu. Der Zerstörungswut und der Brachialität der Menschheitsgeschichte kann man sich nur schwer entziehen.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass viele Leute euch fälschlicherweise mit Bands wie ENDSTILLE unter einen Hut stecken werden. Ein Umstand, den ihr gerne vermieden wissen wollt?

Das passiert gelegentlich. Im Grunde interessiert es mich äußerst wenig, wer uns mit welcher Band unter oder in was auch immer steckt. Genannte Band ist aber ganz sicher keine, mit der wir in Verbindung gebracht werden wollen!

Inwieweit ist Black Metal tatsächlich Krieg? In welchen Dimensionen findet er statt? Würdest du ZERSTÖRER im Zuge dessen als klassische Black-Metal-Band bezeichnen?

Black Metal ist das Dunkle, das Hässliche, das Zerstörerische, nichts, was man mit Frieden auch nur annähernd in Verbindung bringt. Kompromisslosigkeit bis hin zur Intoleranz. Was die Einstellung angeht, ist ZERSTÖRER also ganz klar Black Metal!

Vielen Dank für deine Zeit. Famous Last Words?

Dank dir für das Interview. War has been declared! PURE PANZER METAL! FUCK YOU!

29.03.2009

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