Avrak - Avrak

Review

Dass DARKTHRONE-Mitglied Ted Skjellum eine Schwäche für klassischen Heavy Metal hat, dürfte inzwischen niemanden mehr überraschen. Mit AVRAK widmet sich der unter dem Namen Nocturno Culto bekannte Musiker allerdings noch einmal ausführlicher seinen traditionellen Vorlieben. Gemeinsam mit Gitarrist und Sänger Anders Hegna sowie Schlagzeuger Terje Kråbøl und Bassist Steinar Gundersen hat er ein Debütalbum aufgenommen, das irgendwo zwischen Heavy Metal, Doom und den raueren Ausläufern des norwegischen Undergrounds angesiedelt ist. Wer hier allerdings auf den nächsten Black-Metal-Ausraster hofft, ist an der falschen Adresse.

AVRAK zwischen Heavy Metal und düsteren Klangwelten

Schon „Forever Mountain“ zeigt, wohin die Reise geht. Schwere, schleppende Gitarren treffen auf einen überraschend melodischen Refrain, während Hegnas rauer Gesang dem Stück eine angenehm düstere Note verleiht. Gerade die Verbindung aus traditionellen Heavy-Metal-Riffs und einer beinahe bedrohlichen Grundstimmung funktioniert hier ziemlich gut. BLACK SABBATH lassen grüßen, ohne dass AVRAK vollständig im Doom Metal versinken.

Mit „Unborn“ wird es anschließend noch eine Spur düsterer. Der Song beginnt mit schweren, beinahe getragenen Gitarren und entwickelt sich zunehmend in eine aggressivere Richtung. Besonders die schnelleren Passagen gegen Ende erinnern daran, dass die Musiker ihre Wurzeln im extremen Metal keineswegs vollständig hinter sich gelassen haben. Hier treffen traditionelle Riffs auf eine Härte, die durchaus an Skjellums andere musikalische Wirkungsstätte denken lässt.

„Long May The Lums Reek“ gehört dagegen zu den abwechslungsreicheren Stücken der Platte. Zwischen schweren Gitarren, melodischen Passagen und einem ruhigeren, beinahe progressiven Ausklang entwickeln AVRAK eine Atmosphäre, die deutlich mehr zu bieten hat als bloße Retro-Nostalgie. Gerade die Wechsel zwischen den unterschiedlichen Stimmungen stehen dem Song gut.

Dass die Norweger auch experimentellere Ideen einfließen lassen, zeigt das kurze „Rot“. Das instrumentale Zwischenspiel setzt auf elektronische Klänge und bildet damit einen deutlichen Kontrast zu den ansonsten dominierenden Gitarren. Allerdings wirkt es eher wie eine kleine Unterbrechung als wie ein wirklich notwendiger Bestandteil des Albums.

Nicht jede Idee geht auf

Mit „Varde“ kehren AVRAK anschließend zu den schweren Riffs zurück. Der Song setzt stärker auf Atmosphäre und einen getragenen Rhythmus, entwickelt dabei allerdings nicht ganz die Durchschlagskraft der ersten drei Nummern. Ähnliches gilt für „Cloaks Of Power“, das zwar mit klassischem Heavy-Metal-Riffing und melodischer Gitarrenarbeit aufwartet, insgesamt aber etwas zu vorhersehbar bleibt.

Deutlich besser funktioniert „The Lonely Shadow“. Hier ziehen AVRAK das Tempo wieder an und kombinieren treibende Gitarren mit eingängigen Melodien. Besonders die harmonierenden Gitarren sorgen für Abwechslung, während Hegnas Gesang zwischen den raueren Passagen genügend Raum bekommt. Dass die Musiker auch schnellere und direktere Songs beherrschen, wird hier besonders deutlich.

„The Rift“ führt diesen Ansatz fort, fällt mit seinen knapp sechs Minuten allerdings noch etwas ausladender aus. Schwere Riffs, melodische Gitarren und eine düstere Grundstimmung verbinden sich zu einem der interessanteren Stücke der Platte. Den Abschluss bildet schließlich „Hav“, das mit seinem folkigen, atmosphärischen Charakter einen überraschend ruhigen Schlusspunkt setzt.

Ein Debüt mit Ecken und Kanten

Musikalisch bewegen sich AVRAK auf ihrem Debüt überwiegend in bekannten Gefilden. Die Einflüsse von BLACK SABBATH und klassischem Heavy Metal sind ebenso unüberhörbar wie die gelegentlichen Ausflüge in härtere Spielarten. Dass dabei keine besonders innovative Platte entsteht, dürfte allerdings auch kaum das Ziel gewesen sein.

Interessanter ist die Mischung aus traditionellem Metal und jener rauen Atmosphäre, die die norwegischen Musiker aus ihren anderen Projekten mitbringen. Die Produktion klingt bewusst nicht übermäßig glattpoliert und passt damit gut zu den schweren Gitarren und Hegnas markantem Gesang.

Allerdings fehlt der Platte stellenweise etwas die Konsequenz. Während „Forever Mountain“, „Unborn“ und „The Lonely Shadow“ mit starken Riffs und abwechslungsreichen Arrangements überzeugen, bleiben andere Stücke hinter diesen Möglichkeiten zurück. Gerade die langsameren Passagen entwickeln nicht immer die Spannung, die für wirklich mitreißenden Doom Metal notwendig wäre.

Trotzdem ist „Avrak“ ein gelungenes Debüt, das vor allem durch seine düstere Atmosphäre und das Zusammenspiel der Gitarren funktioniert. Die Norweger erfinden klassischen Heavy Metal nicht neu, verleihen ihm aber ausreichend Eigenwilligkeit, um sich von der Masse der Retro-Veröffentlichungen abzuheben. Wer seine Musik gerne traditionell, etwas rauer und mit gelegentlichen Ausflügen in düstere Gefilde mag, dürfte hier durchaus auf seine Kosten kommen.

25.10.2026

Heavy Metal Maniac! :)

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