Darkthrone - The Underground Resistance

Review

Nach vier sich mehr und mehr vom Black Metal entfernenden Alben – das 2006er-Werk „The Cult Is Alive“ läutete die Entwicklung ein – hatten DARKTHRONE ihre spannende Mischung aus Heavy Metal, Punk und Black-Metal-Relikten mit „Circle The Wagons“ 2010 ausgereizt. Jenes sowie seine Vorgänger „F.O.A.D“ und „Dark Thrones And Black Flags“ sind gute bis sehr gute Scheiben mit einigen amtlichen Gassenhauern, aber die fade Alltäglichkeit hing mittlerweile drohend wie das Schwert des Damokles über den Veröffentlichungen der beiden Norweger. Was soll also jetzt noch Aufregendes kommen?

Nun, Fenriz und Nocturno Culto gehen den eingeschlagenen Weg mit den sechs Liedern ihres 16. Albums „The Underground Resistance“ drei Jahre nach „Circle The Wagons“ tatsächlich noch deutlich weiter, verstehen ihren Langspieler mehr denn je als Lehr(-dreiviertel-)stunde in Sachen klassisch-metallener Musikgeschichte, die sich ihrer letzten Black-Metal-Überbleibsel fast beschämt entledigt hat. Geboten wird heuer tatsächlich fast reinrassiger Heavy Metal, angereichert fast nur noch mit Speed- und Thrash-Batzen – auch die Punk-Einflüsse der letzten sechs, sieben Jahre sind deutlich verblasst. Das prägnant-schroffe Logo, eigentlich Indikator für eine musikalisch extreme Band – wirkt anno 2013 deplatziert wie nie zuvor.

Nocturno Cultos Kompositionen („Dead Early“, „Lesser Men“ und „Come Warfare, The Entire Doom“) zeigen sich wie auch schon auf den vorangegangenen Alben als die tendenziell dunkleren und wuchtigeren, noch eher an die alten DARKTHRONE erinnernden, dabei aber leider so unspektakulär wie selten zuvor. Es sind diejenigen aus Fenriz‘ Feder, die „The Underground Resistance“ mit ihrer Beschwingtheit und ihrem Abwechslungsreichtum dann doch noch deutlich nach oben reißen: Sowohl „Valkyrie“ als auch „The Ones You Left Behind“ entpuppen sich als belebend-eingängige NWOBHM-/Speed-Metal-Geschosse mit mannigfaltigen Einflüssen von frühen MAIDEN bis frühen HELLOWEEN und den bekannt kauzig-klar gesungenen Refrains; der finale 13-Minüter (!) „Leave No Cross Unturned“ bietet dann wie keine DARKTHRONE-Nummer zuvor einen Parforceritt durch die harte Musik der 70er- und 80er Jahre. Zunächst verbeugt sich Fenriz hier vor AGENT STEEL und MERCYFUL FATE – auch was den hohen Gesang betrifft –, im Mittelteil dann vor CELTIC FROST und ganz am Ende geht es zurück zum Anfang aller metallenen Dinge, zu BLACK SABBATH.

Die obigen Ausführungen zeigen, was DARKTHRONE mittlerweile sind: eine Aneinanderreihung von Zitaten – Metal-Prediger Fenriz macht mit der detailierten Nennung seiner Einflüsse auch überhaupt keinen Hehl daraus. Die musikalische Entwicklung des Duos ist damit eine verquere: Schon in jungen Jahren, im Sommer 1991, als sie – damals noch zu viert – mit „A Blaze In the Northern Sky“ eines der ersten Alben der Zweiten Welle des Black Metal schufen und mit den Nachfolgern zu einer der einflussreichsten Formationen jener Musikrichtung wurden, kreierten sie etwas Eigenes. Jetzt, als 40-Jährige, klauen sich die beiden Musiker aus dem 6000-Seelen-Örtchen Kolbotn bei Oslo ihre Platte unverhohlen bei den Helden ihrer Jugend zusammen. Zumindest kann man ihnen nach den Großtaten der Vergangenheit das Recht dazu kaum absprechen.

Wie dem auch sei, „The Underground Resistance“ wird wahrscheinlich polarisieren wie nur die DARKTHRONE-Werke der frühen 90er-Jahre. Die einen werden es als offenkundig-offensive und mittlerweile totale Heavy-Metal-Hommage lieben, die anderen darin den letzten Augenblick der Agonie ihrer einstigen Helden sehen und dabei gerne ÜBERsehen, dass auch der lange gepflegte Black Metal für DARKTHRONE nicht der Anfang war …

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01.02.2013

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2 Kommentare zu Darkthrone - The Underground Resistance

  1. Matthias sagt:

    Oha, ich bin gespannt… vielleicht auch auf was schlimmes 😉

  2. Nameless Wanderer sagt:

    Eine meiner liebsten Darkthrone Scheiben der neueren Generation. Hätten sie jetzt noch ihre alten Black Metal Einflüsse mehr eingebracht, wäre es sicherlich genial geworden. Auch wenn die Oberhymne „Valkyrie“ eher auf ein neues Isengard Album gepasst hätte (wäre das eine Traum…), ist dieser absolut untypische DT das Highlight der Platte schlechthin. Wagen und Gewinnen! 🙂

    7/10