Cattle Decapitation - Terrasite

Review

CATTLE DECAP sind eine der Bands, die unwillkürlich polarisieren. Meckern kann man beispielsweise ausgelassen darüber, dass die selbsternannten Naturburschen auf Kreuzfahrtschiffen Konzerte geben. Travis Ryans extreme Range in den Stimmlagen nervt nicht wenige Menschen, gerade dann, wenn er in die kindlich naiven Regionen des Klargesangs wechselt. Und doch: Diese Band gehört mit ihrem überaus hochtechnisierten Sound schon seit 1996 zum Inventar einer gut geführten Death-Metal-Sammlung, die sich nicht ausschließlich mit Oberflächlichkeiten identifiziert und hinterlässt immer eine Spur der Verwüstung.

„Terrasite“ verkündet das Ende der Welt

Konzeptionell verwursten CATTLE DECAPITATION auf „Terrasite“ letztlich die Rolle der Menschheit in Bezug auf die Vernichtung der Erde. Der Album-Titel basiert auf einer Wortschöpfung Ryans und kann mit „Earth-Eater“ ins Englische übersetzt werden. Musikalisch zeichnen die Kalifornier ein ähnliches Bild wie auf dem 2019er Werk „Death Atlas„. Es wird geholzt, es wird abgebremst und es sind abgrundtiefes Gegrunze, Pig Squeals und rhythmisch kaum nachvollziehbare Eskapaden zu hören.

CATTLE DECAPITATION verabreichen bleischwere Kost

Man kann nicht behaupten, dass die Songs beliebig seien. Leicht zu verdauende Musik findet sich auf dem zehnten Album der Band schon gar nicht. Die brutale Kernbotschaft der Texte konnte die Band in ihren Anfangstagen auf den viel roheren Alben („To Serve Man“, „Humanure“) aber glaubhafter formulieren. Jetzt erklingen blankpolierte Death-Metal-Brecher im Gewand kerniger CANNIBAL-CORPSE-Riffs und dem natürlich im Vordergrund agierenden Schlagzeug aus den Boxen. Das ist mitnichten schlecht und verkehrt ist das auch nicht. Den Zenith hatten CATTLE DECAP aber eigentlich mit „Death Atlas“ längst erreicht.

Spaß ist keine Option

Bis auf wenige Ausnahmen sorgt „Terrasite“ für ein immer stärker werdendes, beklemmendes Gefühl. „The Storm Upstairs“ kann als Album-Höhpunkt für einen kurzen Moment sogar zum Nackenschnalzen einladen, wenn der fiese Double-Bass-Zwischenpart einsetzt. Ansonsten bleibt erst einmal alles beim Alten. Damit werden CATTLE DECAPITATION weiterhin in der zweiten Reihe hinter den zahlreichen US-Kollegen stehen. „Terrasite“ weist einfach zu viele Längen auf, um als Glanzlicht in der Band-Diskografie zu erstrahlen.

Damit schließt sich auf gewisse Weise der Kreis. So liegt ein grundsolides Album, mit guter Produktion und handwerklichem Geschick vor. Andererseits verliert sich der Hörgenuss bald in einer Art unangenehmem Trancezustand, der kaum Vergnügen bringt. Vielleicht soll genau diese Wirkung erzielt werden, vielleicht wollte die Band Vorwürfe abwehren, sie sei zu eingängig. Auf jeden Fall kann man über CATTLE DECAPITATION auch künftig viel diskutieren.

10.05.2023

Left Hand Path

Exit mobile version