Deftones - White Pony

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Zu Beginn ihrer Karriere quetschen Fans wie Rockjournaille DEFTONES regelmäßig in die für sie viel zu kleine Nu-Metal-Schublade. Im Jahr 2000 erreicht der Hype um dieses Genre seinen absoluten Höhepunkt – und DEFTONES beweisen mit „White Pony“ endgültig, dass sie kein Teil davon sind.

DEFTONES liefern den Gegenentwurf

Während LINKIN PARK mit ihrer poppigen Nu-Metal-Variante „Hybrid Theory“ die Charts stürmen und LIMP BIZKIT mit „Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water“ ihre Formel finden, sprengen DEFTONES alle künstlerischen Grenzen und liefern den Gegenentwurf zu Mainstreamtauglichkeit und Hypermaskulinität. Gemeinsam mit Produzent Terry Date, der schon die beiden Vorgängeralben der Band klanglich in Szene setzt, schließen sie sich Ende 1999 in den Larrabee Sound Studios in Los Angeles ein.

Insgesamt vier Monate verbringen sie dort. Für die Band ein neuer Rekord. Trotz des Drucks von Seiten der Plattenfirma, endlich eine neue Platte vorzulegen, nehmen sich DEFTONES die Zeit, die sie brauchen, um eine Ausnahmealbum aufzunehmen.

Die rohen Sounds und harten Riffs ihrer Anfangstage kombinieren die Musiker im Studio mit atmosphärischen und melancholischen Sounds. Die Stimmung mancher Songs erinnert and Post-Punk-Acts wie THE CURE, ohne die für DEFTONES typische Durchschlagskraft vermissen zu lassen.

Auf „White Pony“ existieren keine Grenzen

Passend dazu orientiert sich Frontmann Chino Moreno auf textlicher Eben neue. Statt nur aus seinem Leben zu singen, abstrahiert er seine Texte und gestaltet sie immer kryptischer. Der mysteriösen Grundstimmung des Albums kommt dies nur zugute. „White Pony“ lädt auf allen Ebenen zum Träumen und Interpretieren ein.

So verleitet das zwischen Introvertiertheit und Exzentrik pendelnde „Digital Bath“ dazu, sich völlig in den eigenen Gedanken zu verlieren. Doch im nächsten Moment reißt das brachiale „Elite“ zurück in die schmerzhafte Gegenwart. Die Riffs sind dissonant, die Shouts klingen, als kämen sie aus einem halb zertrümmerten Radio. Dazu peitsch Abe Cunningham die Band am Schlagzeug ungebändigt vorwärts.

Wie gereift Moreno als Texter ist, zeigt er derweil besonders in der Lead-Single „Change (In The House Of Flies)“. Mit den Worten „I watched you change/ Into a fly/ I Looked away/ You were on fire“ beginnt eine kafkaeske Erzählung, die in den minimalistischen Gitarrenriffs ihre perfekte Untermalung findet. Ausgerechnet diese düstere Nummer entwickelt sich zum größten Hit in der Karriere der Band.

Die zweite Stimme

Einen weiteren Höhepunkt stellt „Passenger“ dar. Nicht nur verweigert sich die Band in diesem getriebenen Stück jeglichen etablierten Songstrukturen, sondern setzt zudem auf das Zusammenspiel zweier einzigartiger Stimmen. Denn der titelgebende „Passenger“, der Morenos lyrischem Ich die Zweifel zuflüstert, wird von niemand geringerem als TOOL-Frontmann Maynard James Keenan verkörpert. Ein Duett der Extraklasse, das ein ums andere Mal für Gänsehaut sorgt.

Zum Abschluss entlässt die Band Hörende mit dem getragenen, schwermütigen „Pink Maggot“. Ein wahrlich verstörender Ausklang. Kurz nach Veröffentlichung der Platte lassen sich DEFTONES von der Plattenfirma dazu breitschlagen, diesen Brocken von Song in neu arrangierter Form als Single zu veröffentlichen. Ein weiterer Hit soll her.

Daraufhin entsteht „Back To School“, ein Track, der in genau die Nu-Metal-Schublade passt, von der sich die Band auf „White Pony“ endgültig emanzipiert. Dass er auf den ersten Reissues als neuer Opener fungiert, ist vor allem Moreno ein Dorn im Auge. Es ist der letzte Kompromiss dieser Art, den die Freigeister jemals eingehen. Am Vermächtnis von „White Pony“ ändert das aber nichts. Für alle Zeit verankern sich DEFTONES mit diesem Album im Rockolymp als die grenzüberschreitende, non-konforme Band, die sie eben sind.

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16.12.2020

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