Deftones - Gore

Review

Vier Töne, sechs Noten. Hoch und runter, immer wieder. Ein simpler Gitarrenlauf, den jeder Lagerfeuerklampfer locker greifen und spielen kann. Gute Musik muss beileibe nicht kompliziert sein, komplizierte Musik schon gar nicht automatisch gut – aber einfache Musik eben auch nicht zwingend spannend. Mit elementaren Mitteln elementare Wirkung zu erreichen ist eine hohe Kunst, derer nur wenige Musiker mächtig sind. Aber es gibt sie, die Meister des Minimalismus, die dazu imstande sind, aus eingangs erwähnten, ziemlich unspektakulär anmutenden Griffbrett-Bausteinchen so packende Songs wie in diesem Falle „Phantom Bride“ zu stricken. DEFTONES zum Beispiel, die mit „Gore“ auch nach fast 30 Jahren im Geschäft zeigen, wie harte Gitarrenmusik mit Tiefgang funktioniert.

Natürlich profitieren die US-Amerikaner dabei auch davon, dass die tragenden Säulen der Band – Stephen Carpenter, der auch anno 2016 gut aufgelegte Chino Moreno und Abe Cunningham – gemeinsam im Laufe der Jahre einen so unverkennbaren Sound entwickelt haben, dass so manche Allerwelts-Akkordfolge in einem DEFTONES-Song immer etwas charmanter (weil irgendwie einzigartig, aber stets auch vertraut) dahertönt, als es die Interpretation selbiger Klänge durch andere Musiker jemals sein könnte. Auf das ganz fiese Gehaue, dass in der Vergangenheit mal mehr, mal weniger Bestandteil des Klangbilds der Kalifornier war, verzichten DEFTONES allerdings diesmal weitestgehend – hier und da, beispielsweise im mäandernden Titeltrack oder im schleppenden „Acid Hologram“, sind Wut und Wucht der Band aber noch deutlich spürbar.

Letztgenannter Track taugt als weiteres treffliches Anschauungsstück für die Klasse dieser Band: Denn wenngleich DEFTONES den Song über weite Strecken aus überschaubaren Halbton-Melodien stricken, also so ziemlich das simpelst Mögliche tun, steht am Ende dennoch ein stimmungsvolles Musikstück mit außerordentlichem Tiefgang. Und tatsächlich fragt sich der Rezensent das eine oder andere Mal erstaunt: „Wie machen die das bloß?“ Natürlich ist das musikalische Spektrum der Platte damit aber noch längst nicht vollständig abgebildet. Zu hören gibt es weiterhin rockig-vertrackte Riffs („Doomed User“), ausladend atmosphärische Hymnen („Rubicon“, „Xenon“) sowie behutsam-nachdenkliche Träumereien („(L)MIRL“) – wobei DEFTONES die Refrains stets als Herzstück und Höhepunkt ihrer Songs anlegen.

Der größte Trumpf der Platte – ihre Kompaktheit und Aufgeräumtheit – ist am Ende gleichzeitig ihr einziger Makel. Denn so mancher mag sich nach den ersten Durchläufen fragen: „Ist es das wirklich schon gewesen?“ Und wahrhaftig: Sich den sparsamer inszenierten Stücken zu nähern, erfordert Kompromissbereitschaft und – wie so oft bei dieser Art von Musik – Zeit. Ist der Hörer zu diesen Zugeständnisse bereit, wird er auf kurz oder lang allerdings erkennen, dass „Gore“ auch ohne das ganz große Spektakel prächtig funktioniert.

13.05.2016

"Am Ende isses immer Arbeit."

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1 Kommentar zu Deftones - Gore

  1. hrhr4711 sagt:

    der gesang (wenn man dieses genöhle gesang nennen will) ist so ziemlich das schlimmste (nach babymetal) was ich bisher gehört habe. ganz fürchterlich.