Eihwar - Hugrheim

Review

Mit ihrem Debütalbum „Viking War Trance“ kombinierten EIHWAR vor anderthalb Jahren neuheidnische Wikinger-Folk-Klänge mit diskoreifen Elektro-Beats. Doch trotz spannender Ansätze versackte das Album zu sehr in der Mittelmäßigkeit und hinterließ keinen bleibenden Eindruck. Mit „Hugrheim“ versucht es der Nachfolger nun besser zu machen, ohne dafür irgendwelche Anpassungen am Grundrezept vorzunehmen.

Bei EIHWAR hört man besser nicht zu genau hin

Eingängig sind die zehn Stücke auf „Hugrheim“ durchaus. Doch leider erkaufen sich EIHWAR diese Eingängigkeit durch die beharrliche Wiederholung vergleichsweise simpler Melodien und Rhythmen, die dadurch ein unangenehmes Nerv-Potential entwickeln. So trifft hier der mit seinem Beat-Repertoire tief in den Neunzigern steckengebliebene Dorfdisko-DJ auf die mittelbegabte Dudelsack-Truppe des örtlichen Mittelaltermarkts und stellt das Nervenkostüm des aufmerksamen Zuhörers auf eine harte Probe. Besser geht es da dem unbedarften Nebenbeihörer, für den EIHWAR eine ganz nette Hintergrundbeschallung liefern, während er den Großteil seiner Aufmerksamkeit auf mittelanspruchsvolle Tätigkeiten wie Hausarbeit, Handy-Doomscrolling oder das Neusortieren der Briefmarkensammlung konzentriert.

Was sagt das aber über Musik aus, dass diese besser funktioniert, wenn man nicht allzu aufmerksam zuhört? Richtig, dass wir hier weniger über Kunst als vielmehr über ein Gebrauchsgut reden. Denn was EIHWAR vor allem vermissen lassen, ist die Authentizität sowohl ihrer folkigen wie auch ihrer elektronischen Seite. Und obwohl sich die Band selbst schon als ultimativen Mix aus Neofolk-Bands wie HEILUNG oder WARDRUNA und den Synthwave-Sounds von CARPENTER BRUT wähnt, hecheln sie diesen Vorbildern doch ziemlich atemlos hinterher. Kein Wunder also, dass sowohl der Klargesang von Frontfrau Asrunn als auch das mehr gesprochene als gesungene Düstergrummeln ihres männlichen Gegenparts Mark reichlich dünn und charakterarm aus den Boxen dringt.

Die Disney-Variante neuheidnischer Klangwelten

Selbst das esoterisch-mythologische Fantasy-Konzept hinter den Stücken wirkt kitschig und aufgesetzt. Dass EIHWAR ihre Lieder „intuitiv in veränderten Bewusstseinszuständen“ eingespielt haben und sich dabei einer vom Altnordischen inspirierten Fantasie-Trance-Sprache bedienen, klingt wohl auch nur auf dem Papier gut. Wer über die reine Berieselung hinaus nach einer ernstzunehmenden Interpretation nordisch-heidnischer Klangwelten sucht, wird hier mit der Disney-Variante dessen abgespeist, was Bands wie HEILUNG und WARDRUNA, insbesondere aber auch MYRKUR oder EIVØR derzeit ziemlich erfolgreich und um ein vielfaches nachhaltiger in unsere Szene tragen.

13.03.2026

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