Emperor - Prometheus - The Discipline Of Fire & Demise

Review

Um es vorneweg zu nehmen, „Prometheus – The discipline of fire & demise“ wird der Klasse von „Anthems“ und „Nightside Eclipse“ in keinster Weise gerecht. Zumindest sehe ich das momentan so, mein Gefühlzustand bezüglich der definitiv letzten Emperor-Veröffentlichung schwankt noch zwischen Enttäuschung, Verwirrung und Hoffnung. Enttäuschung daher, weil sich selbst nach etlichen Hördurchgängen kein Hammersong wie „Inno a satana“, „I am the black wizards“ oder „With strength I burn“ offenbaren will, weil die typischen, bombastischen Klangteppiche nur selten erzeugt werden und weil von der faszinierenden, bösartigen Atmosphäre der beiden ersten Alben nichts mehr übrig zu sein scheint. Verwirrung daher, weil Emperor eine Komplexität erreicht haben, die kaum noch nachvollziehbar ist und dahingehend die logische Konsequenz von „IX Equilibrium“ darstellt. Hier werden pro Song mehr Riffs und Melodielinien verbraten, als andere Bands in ihrer ganzen Karriere zustande bringen, die Arrangements dürften dabei fast schon das Ausmaß kleinerer Orchesterpartituren erreichen, ohne daß auf Härte oder Raserei verzichtet wird. Dementsprechend schwer kann man den Strukturen auf „Prometheus“ folgen, Emperor bewegen sich in technischer und musikalischer Hinsicht weit abseits von irgendwelchen Standards. Und hier wiederum setzt das Prinzip „Hoffnung“ ein: Zum einen beeindruckt die Kompromisslosigkeit, mit der Emperor ihre (oder Ihsahn’s, der diesmal in alleiniger Verantwortung für Texte und Musik zuständig war) künstlerische Vision ohne Rücksicht auf Verkaufszahlen oder gar Fans durchsetzen, zum anderen erschließt sich langsam, eher schon schleichend das monströse, chaotisch wirkende Klanggebilde, um eben der Hoffnung auf ein Verständnis von „Prometheus“ immer wieder neue Nahrung zu vermitteln. Allerdings muten Songs wie „Depraved“, „Grey“ oder „Empty“ zur Zeit eher wie sinnlose, von möglichst vielen Breaks zerhackstückte Aneinanderreihungen von Riffs an, die Stücke wirken zerfahren und ohne echte Höhepunkte. Zumindest die Qualität von „IX Equilibrium“ erreichen der Opener „The Eruption“ und das endlich mit einem hymnischen Refrain versehene „The Prophet“, das mitreißende „In the wordless chamber“ zieht mich schließlich mit seinen Fanfarenstößen aus der Lethargie einer vollkommenen Enttäuschung. Da ich befürchte, daß noch einige Zeit ins Lande ziehen wird, bevor ich mir einen vollständigen Überblick über „Prometheus – The discipline of fire & demise“ gemacht habe, wage ich noch keine abschließende Bewertung abzugeben. Emperor haben einen Nachlass geschaffen, der einer intensiven Auseinandersetzung bedarf und für Kontroversen sorgen wird. Aber vielleicht ist das genau ihre Absicht.

19.09.2001
Exit mobile version