Every Time I Die - From Parts Unknown

Review

Der Kollege Endres schrieb damals in seiner Besprechung des fünften Studioalbums „The Big Dirty“ über die Herren von EVERY TIME I DIE: „Die Musik klingt wie eine Jamsession, in welcher MOTÖRHEAD, THIN LIZZY, PANTERA, PRO-PAIN, DOWN und CONVERGE zusammen zocken.“ Damit hat der gute Mann seinerzeit eine ziemlich treffende Beschreibung des Sounds der US-Amerikaner geliefert, die in dieser Form auch für die mittlerweile siebte Langrille der Mannen aus Buffalo herangezogen werden kann. Denn „From Parts Unknown“ ist mindestens genauso schwer zu kategorisieren wie seine Vorgänger.

Fakt ist: Lüftet der Fünfer einmal sein grobgestricktes Hardcore-Gewand, gibt es darunter in der Regel viel Spannendes zu entdecken – unter anderem werden dem Hörer kerniges Rockriffing („Decayin‘ With The Boys“), melodische (Pop-)Punk-Ausflüge („Old Light“ mit Brian Fallon von THE GASLIGHT ANTHEM) und zwischendurch immer auch wieder hasserfüllter Screamo-Abriss serviert. Als nicht wirklich „neues“, vielleicht aber als besonders markantes Element im Sound von „From Parts Unknown“ können die gelegentlichen Mathcore-Tendenzen genannt werden, die beispielsweise in „Pelican Of The Desert“, „Idiot“, „All Structures Are Unstable“ oder „Exometrium“ zutage treten. Dabei sind EVERY TIME I DIE natürlich weit davon entfernt, sich in wirrem Takt-Geschiebe zu verlieren – vielmehr wohnt bestimmten Gitarren-Passagen ein verspieltes, chaotisch angehauchtes Flair inne, welches man in dieser Form unter anderem von Bands wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN oder auch THE MARS VOLTA kennt und das in diesem Fall als willkommener Farbtupfer im ansonsten recht rüde gehaltenen Material fungiert.

Das eigentlich Bemerkenswerte ist, wie stimmig und souverän die verschiedenen Strömungen innerhalb der Songs zusammengeführt werden. Oder anders gesagt: EVERY TIME I DIE klingen auf Pop-Punk genauso gut wie als lärmende Hardcore-Truppe. Vor allem aber klingen sie in jedem Moment wie sie selbst.

Ein nicht unwesentlichen Teil trägt dazu sicherlich Fronter und Gründungsmitglied Keith „Balls“ Buckley bei, der wie gewohnt am obersten Limit agiert, was Hingabe, aber auch Variabilität angeht. So keift sich der Sänger einerseits mit großem Einsatz durch die Songs, weiß aber immer wieder mit gekonnt platzierten Clean-Passagen zu gefallen. Das Schöne daran ist, dass hier nicht der sture Wechsel von Schrei- und Klargesang durchgezogen wird, sondern die Clean Vocals wirklich nur dann eingesetzt werden, wenn es sich anbietet – beispielsweise im streckenweise von sparsamen Piano-Klängen getragenen „Moor“. Für langjährige Fans der Truppe mag dies mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein, für jeden, der die Herren bislang noch nicht auf dem Zettel hatte, sei es der Vollständigkeit halber noch einmal erwähnt. Gleiches gilt übrigens für die wieder einmal griffig-pointierten Texte („We take on the water we’re floating in, but I’ll never be clean„).

Anlass zur Kritik bietet die Scheibe letztlich kaum – vielleicht die Tatsache, dass die wahren Glanzlichter, die wirklich eindrucksvollen Momente irgendwie fehlen. „From Parts Unknown“ macht bei jedem Umlauf mehr Freude – allein an einen wirklichen Hit, einen Killer-Song, der sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzt, sucht man vergebens. Unter Umständen offenbaren sich diese Perlen erst später, schon jetzt kann man aber sagen: EVERY TIME I DIE liefern mal wieder ein überzeugendes Album ab, bei dem Fans blind zugreifen können – ebenso wie jeder andere halbwegs aufgeschlossene Freund harter Gitarrenmusik.

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27.07.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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