
Echoes In Red Europe Tour 2026
Exhumed und Gruesome
Konzertbericht
Für den heutigen Abend haben sich im Aggro-Paket GRUESOME und EXHUMED im Backstage Club angekündigt. Ein Doppelschlag in vielerlei Hinsicht: Immerhin versprechen beide Acts ein temporeiches Gemisch aus Todesblei im Old-School-Gewand sowie Grindcore-Anleihen. Außerdem verdingt sich in beiden Bands Matt Harvey, ein Tänzer auf unzähligen Hochzeiten. Vielen ist der Mann sicherlich auch von seinem Wirken bei der DEATH-Tribute-Band LEFT TO DIE bekannt, in der er beachtlich nah an Chuck Schuldiners Vermächtnis herankommt (freilich ohne es zu erreichen/beschmutzen).
Kannibalischer Death Metal von GRUESOME
Den Reigen eröffnen die erst 2014 gegründeten GRUESOME mit einem unspektakulären Opener. Der Sound braucht ein paar Songs, bis wir ihn gut genießen können, dann setzt sich das Schlagzeug aber mit einem dicken „Hallo“ an die Spitze des Instrumentariums. All die Wechsel von Groove zu Double-Bass-Tiraden und zurück, erinnern uns natürlich dauerhaft an das DEATH-Gamechanger-Album „Human“ und wir freuen uns darüber, dass die Band es schafft, den Saal mit ihrem unprätentiösen Auftreten in einen Hexenkessel zu verwandeln.
Über die vielen DEATH-T-Shirts im Publikum wundern wir uns genauso wenig, wie über die ultra präzisen Leadgitarren von Daniel Gonzales, der zwischendurch seine beneidenswerte Lockenpracht zum Propeller umfunktioniert und dabei keine Mine verzieht. Gleichzeitig ist wenig Bewegung auf der Bühne, davor aber umso mehr. GRUESOME gehen mit ihrer Setlist auf die drei bisherigen Alben und zwei EPs ein, den Höhepunkt stellt dabei „Savage Land“ vom gleichnamigen Debüt dar. Den furiosen Abschluss liefert das Quartett mit einer Death-Metal-Version von „Black Magic“ aus dem Hause SLAYER, was zu den erwarteten Jubelstürmen im Zuschauerbereich führt.
Blut, Eingeweide, Autounfälle: EXHUMED
Nach einer sehr kurzen Umbaupause, in der Harvey die Bühne nicht einmal verlässt und sich stattdessen am Introriff von „Agent Orange“ (SODOM) versucht, starten die Grinder von EXHUMED nach einem QUOTSA-mäßigen Radio-Intro zügig und gewaltbereit. Derzeit ist die Band mit ihrem aktuellen Output „Red Asphalt“ auf Tour und wir hoffen, dass die Musiker nicht von dem Album-Konzept eingeholt werden. Immerhin laufen auf zwei Bildschirmen nachgestellte Unfall-Szenen, die blutiger kaum enden könnten und es wird auch ein Video-Clip (erinnert uns stark an die OBITUARY-Comics zu „Violence“ und „Ten Thousand Ways To Die“), bei dem die Bandmitglieder von den Toten auferstehen, nachdem ein höllischer Roadtrip endet.
Musikalisch geht es währenddessen natürlich kompromisslos zur Sache, wobei die neueren Tracks mehr in Richtung Death Metal gehen, die abwechselnden Vocals aus tiefstem Growling und bissigem Keifen bauen aber durchgehend eine Brücke zu Grindcore und Noise. Während das Bühnenbild passend zu „Red Asphalt“ von Warnleuchten und Hütchen geprägt ist, springen und moshen Bassist Ross Sewage und Gitarrist Sebastian Philipps wie die Derwische über die Bühne. Das steckt praktisch alle Anwesenden an und es entwickeln sich schnell Moshpits, die uns in die 1990er zurückversetzen, als zu dieser Art von Musik noch niemand als Einhorn verkleidet und mit einer Klobürste bewaffnet im Kreis gelaufen ist.
Zum Ende der energiegeladenen Show macht Matt Harvey unumstößlich klar, wo sich EXHUMED politisch platzieren: „Free Palestine, fuck Trump!“, was Sewage noch mit „Fuck AFD, fuck all Fascists and fuck all Racists!“ quittiert. Das Publikum steigt geschlossen in ein zielloses „Fuck, Fuck, Fuck…“ ein. Ein ganz normaler Mittwochabend eben.
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Oliver Di Iorio



















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