Heaven Shall Burn - Invictus

Review

Die Thüringer HEAVEN SHALL BURN scheinen schon seit Längerem so etwas wie die deutsche Vorzeige-Metal-Band überhaupt zu sein, wenn man sich mal zu Gemüte führt, wie viele Fans verschiedenster Metal-Spielarten in freudiger Erwartung auf ein neues Album der Band verharren. Persönlich fand ich die Musik der Band zwar oft sehr gut und manchmal in Ordnung, die übermäßige Euphorie, die ihr mitunter zu Teil wurde, konnte ich aber gemessen an anderen Veröffentlichungen ähnlich gelagerter Bands nie zu 100 Prozent nachvollziehen. Die Musiker selbst vermutlich auch nicht, die Band übt sich schon seit Anbeginn ihrer Karriere in demonstrativer Bescheidenheit.

„Invictus“ ist dann tatsächlich ein Album geworden, auf dem der Grund für die Popularität der Band auch für mich über weite Strecken nachzuvollziehen ist. Nach dem stimmungsvollen Intro eröffnet die Band ihr altbekanntes Feuerwerk, das sich sehr vieler Zutaten des Melodic Death Metal bedient und die Metalcore-Schublade nur noch aufgrund des Breakdowns im Opener „The Omen“ rechtfertigt, auch wenn diese stilistische Ausrichtung nicht wirklich etwas Neues für HEAVEN SHALL BURN ist. Ansonsten liegt das Hauptaugenmerk auf eindeutig schwedisch beeinflussten Gitarrenleads, die von Sänger Marcus Bischoff immer noch auf gewohnte Art, und damit nach wie vor etwas eindimensional mit dem Brüllen eines Löwen verziert werden. „Invictus“ bietet dabei durchaus ein Höchstmaß an Ideen, was besonders „Combat“, „I Was I Am I Shall Be“ und mein persönliches Highlight „Sevastapol“ zu gefälligen Hits macht, die die Fangemeinde erneut in Ekstase versetzen werden. Einen wirklich schwachen Song gibt es nicht, mit ein klein wenig Gleichförmigkeit musste man bei HEAVEN SHALL BURN schon immer klar kommen, aber so ist das nun mal. Experimente beschränken sich auf elektronische Drum-Spielereien in „Combat“, die zwar ganz gut in den Song passen, deren Sinn und Zweck sich mir aber dennoch nicht ganz erschließt, und auf weibliche Gast-Vocals im Song „Given In Death“, eingesungen von DEADLOCK-Sängerin Sabine Weniger. Eine durchaus nette Idee mit ansprechender Umsetzung, die den dritten Teil der „Iconoclast“-Story mit einer unerwarteten Facette abschließt.

Die Produktion wurde vom altegedienten Zweierteam der beiden Gitarristen Maik Weichert und Alexander Dietz durchgeführt. Der Sound ist für die Art Musik durchaus in Ordnung, für meinen Geschmack aber ein bisschen zu voluminös und wuchtig, nach 30 Minuten beginne ich mich ein wenig überfordert zu fühlen ob des auf mich einstürzenden Donnerhalls, aber das ist letztendlich Geschmackssache.

In dieser Form werden HEAVEN SHALL BURN auch weiterhin die Fans unterschiedlichster Genres vereinen, da sie das einzig Richtige getan und an ihrer stilstischen Ausrichtung wenig verändert haben. Mit der Hitdichte, wie sie auf „Invictus“ zu finden ist, dürfte es auch kein Problem sein, den Erfolg des Vorgängers, der sich nebst guter Kritiken auch über hohe Chartplatzierungen freuen dürfte, zu wiederholen. Nicht, dass hohe Verkaufszahlen oberste Priorität für die Jungs hätten…

10.05.2010
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