Heaven Shall Burn - VETO

Review

Galerie mit 9 Bildern: Heaven Shall Burn - Hanns-Martin-Schleyer-Halle Stuttgart

Nicht alle Stimmen, die man in den endlosen Weiten des Internets oder auch auf Festivals und Konzerten vernehmen konnte, waren mit dem 2010er-Werk „Invictus“ zu 100 Prozent zufrieden – das böse Wort der Stagnation fiel ein, zwei Male, und witzigerweise meinten wiederum andere, dass die Entwicklung seit dem Vorgängerwerk („Iconoclast“) nicht ihr Ding gewesen sei.

Da stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie HEAVEN SHALL BURN nun weitermachen – immerhin ist das mittlerweile siebte Studioalbum der Thüringer auch das erste nach dem Abschluss der „Iconoclast“-Trilogie, ein guter Punkt für einen Neuanfang, für ein neues Definieren des Bandsounds (egal in welche Richtung) wäre also genau jetzt. Und dennoch: HEAVEN SHALL BURN erfinden sich auch auf diesem Album nicht neu, sondern entwickeln das, was sie auf „Invictus“ gemacht haben, an mancher Stelle logisch weiter, wagen hier und dort mal ein Experiment, greifen aber auch auf Zutaten älterer Alben zurück, so gibt es zum Beispiel immer mal wieder Riffs oder ganze Parts, die auch auf „Antigone“ hätten stehen können (man höre manche Teile von „You Will Be Godless“).

„VETO“ ist es betitelt – der wahrscheinlich eingängigste Titel alle bisherigen HEAVEN-SHALL-BURN-Alben, vier Buchstaben in Blockschrift, ein einfaches Wort, eines, das mal wieder programmatisch für die lyrische Seite des Albums gelten kann: Einmal mehr schreit Sänger Marcus Bischoff seine Wut über politische und soziale Ungerechtigkeiten auf der Welt heraus, so geht es in „Hunters Will Be Hunted“ einmal mehr gegen die (Zitat aus dem Pressezettel) „komplexgesteuerten Hobbyjäger“, „You Will Be Godless“ ist eine Abrechnung mit der katholischen Kirche, deren „Weltfremdheit und Menschenverachtung […] unerträglich“ sei. Natürlich finden auch wieder Texte für oder über vergessene Menschen Platz, die Heldentaten vollbrachten, an die sich niemand erinnert (Walter Schilling in „Antagonized“, Thomas Sankara in „Land Of The Upright Ones“) und mit „Godiva“ steht dann auch der Bezug zum Cover und zum Titel des Albums: Lady Godiva, eine angelsächsische Adlige des 11. Jahrhunderts, die – der Legende nach – nackt durch die Stadt Coventry ritt, um gegen die Steuerpolitik ihres Mannes zu demonstrieren. Friedlicher, aber geschickt angesetzter Protest – wieder eines der für diese Band wichtigen Themen.

Lyrisch hat sich also nicht so viel geändert – wobei man sagen muss, dass nur die Themengebiete dieselben geblieben sind, für die Inhalte selbst haben die Thüringer mal wieder was Neues ausgepackt. Wie auch in der Musik der Band kann man ihr hier also auf eine gewisse Weise Fortschritt mit leichter Tendenz zum Stillstand bzw. zur Rückwärtsgewandheit unterstellen – so widersprüchlich das auch klingen mag.

Ja, HEAVEN SHALL BURN wollen ihre Fans auch anno 2013 nicht verstoßen, auch auf „VETO“ finden sich die Trademarks, für die man diese Band so liebt (oder wahlweise auch hasst). Man findet die Riffs, die an BOLT THROWER erinnern, man findet das wütende, aber immer wieder auch verzweifelte oder an anderer Stelle hoffnungsvolle Keifen und Growlen von Marcus Bischoff, die einmal mehr hervorragende Gitarrenarbeit von Maik Weichert und Alexander Dietz, auch generell kann man den Musikern einmal mehr keine technischen Fehler unterstellen. Dann gibt es aber eben auch die Experimente, die ich nannte: So gibt es mit „Die Stürme rufen dich“ zum ersten Mal nicht nur einen deutschen Titel (siehe „Endzeit“), sondern auch einen teilweise deutschen Text (und ja, Bischoff + deutscher Text = klingt verdammt gut), und mit „Valhalla“ kredenzt uns die Band ein BLIND-GUARDIAN-Cover der besonderen Sorte: Nicht nur, dass Hansi Kürsch sich selber ins Studio begeben und den Song mit eingesungen hat, nein, dieser Song klingt fast wie ein neues Stück. Eben nicht wie „HSB covern BLIND GUARDIAN“, sondern eher wie „HSB und Hansi Kürsch interpretieren ‚Valhalla‘ komplett neu“. Großartig. Wunderbar auch der melancholische Rausschmeißer „Beyond Redemption“, der mit sehr wenigen Vocals auskommt und stattdessen auf eine hypermelodische Lead-Gitarre und eine irgendwo trauernde, aber auch hoffnungsvolle Stimmung setzt.

Und dabei sind es nicht nur die Experimente, die „VETO“ so toll machen: Es sind alle Songs, jeder davon ein Einzelstück, jeder Song mit eigenem Charakter, manche davon eher in „Invictus“- oder „Iconoclast“-Manier, andere eher nach Art von „Antigone“ oder „Deaf To Our Prayers“ – aber dennoch fällt keiner besonders heraus, „VETO“ ist trotz allem durchaus ein Album, das nach ‚einem Stück‘ klingt. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon gesagt habe, aber ja, HEAVEN SHALL BURN ist es abermals gelungen, noch einen draufzulegen.

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13.04.2013

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10 Kommentare zu Heaven Shall Burn - VETO

  1. Fabian sagt:

    Ganz deiner Meinung, starkes Album!

    9/10
  2. Jörn sagt:

    Gute Songs hin oder her, das ganze ist mal wieder so extrem grausam vertont, dass mir die Ohren bluten, und das ist ausnahmsweise nicht positiv.

    5/10
  3. Florian sagt:

    Geht mir ganz genauso, die Produktion ist echt nicht zu ertragen…

  4. Matthias sagt:

    Hm, die Produktion ist schon ziemlich missglückt. Die Songs allerdings sind auch nicht so die Zünder. Zwar ist kein Ausfall dabei aber so richtige Knaller sind auch keine vorhanden. Ich hab mehr von der Band erwartet als nur einen ausreichenden bis befriedigenden Aufguss dessen, was sie schon immer gemacht haben… Das ist so ein Album, das man bestenfalls ein paar Mal hört, weil halt HSB drauf steht und welches dann recht schnell im Regal verschwindet (weil parallel interessantere Sachen am Start sind) und einstaubt, bis man es irgendwann durch Zufall wieder in den Händen hält, sich mit „ach ja“ erinnert und es gleich darauf mit einem folgenden „och nö“ wieder ins Regal verabschiedet….

    6/10
  5. Heiko Eschenbach sagt:

    Sicko, so in etwa seh ich das auch. Ich verstehe das auch irgendwie nicht, es gibt so viele Bands, die den Stil von HSB ebenfalls machen, die nen besseren Sound, einen variableren Sänger, mehr Gitarrenskills und (subjektiv) bessere Songs haben. HSB feiert irgendwie jeder ab. Aber naja, bin ja nun auch kein Spielverderber. Nix für Ungut.

  6. metal-maniac sagt:

    Tolles Album, klare Steigerung zu Invictus in meinen Augen. Stimme der Rezi zu. Ja die Produktion ist immer so eine Sache bei HSB, diese hier ist auch nicht wirklich toll aber deutlich besser als bei Invictus. Zu den Vorrednern, man muss die Band sicher nicht mögen, aber immer dieses Gerede andere Bands spielen den Stil deutlich besser. Da werf ich doch mal die Frage in den Raum: Welche denn? Ich will nicht sagen, dass HSB sonderlich innovativ ist (das wollen sie sicher auch nicht sein) aber die Mischung aus Bolt Thrower und Melo Death in Kombination mit dem relativen einzigartigen Gesang kenne ich so von keiner Band. Wenn wir schon beim Gesang sind, ja die Stimme ist nicht sonderlich variabel, aber erstens hat sie Wiedererkennungswert. Und zweitens: Es gibt so viele Extrem-Metal-Bands bei denen das keinen Deut anders ist und nicht kritisiert wird.

  7. Ringo sagt:

    Wenn ich Bolt Thrower hören will höre ich doch gleich Bolt Thrower oder?

  8. metal-maniac sagt:

    Jup natürlich, aber du willst mir doch nicht sagen, dass HSB eine Kopie von Bolt Thrower ist? Die sind sicher ein großer Einfluss aber ein Abklatsch ist in meinen Augen was anderes. Die Jungs stehen ja auch offen zu ihren Einflüssen, die Debut-EP heißt ja sogar „In Battle there is no Law“, oder man siehe die vielen Cover-Songs.

  9. Ringo sagt:

    Ne, sie sind keine Kopie, aber sie schnippeln sich aus den BT-Zutaten etwas zurecht. Ich empfand HSB schon immer als „typische 7er“ (von 10) Band. Gute Ansätze, in der Ausführung aber nicht wirklich mitreißend, da der letzte Kick fehlt. So richtig was eigenes haben die Jungs noch nicht finde ich. Dass mir persönlich übrigens „Deaf To Our Prayers“, das wohl die meisten Bolt Thrower-Ähnlichkeiten besitzt, am besten gefällt, darf ich gerne noch zusätzlich erwähnen. Aber jedem halt das seine.