Patrons - The Momentary Effects Of Sunlight

Review

Wenn es dich beim Hören einer Platte so hart im Hinterstübchen juckt, sich die Assoziation nach fünf Hördurchläufen allerdings immer noch nicht greifen lässt, dann hast du als Musikredakteur irgendetwas falsch gemacht. Oder – letztlich bin ich zu diesem Schluss gekommen – die Band hat’s einfach verdammt richtig gemacht.

Dabei erschien mir mit PATRONS‘ zweiter EP „The Momentary Effects Of Sunlight“ alles so einfach: Geboten wird hier die inzwischen fast schon klassische Post-Hardcore/Alternative-Rock-Mische mit saftigen THRICE-Reminiszenzen und einem Fronter, dem gelingt, woran viele Cleangesang-Corefraktionen in den letzten Jahren immer wieder scheiterten. Der junge Herr, der auf den Namen Danny Brooks hört (für alle Google-Redakteure, es handelt sich hier tatsächlich NICHT um den kanadischen Blues-Musiker), schafft es gleich im Opener „Lost Art“ gegenüber Dustin Kensrue noch eine fiese Schippe Dreck draufzupacken. Natürlich jammert er im Verlauf der Platte aber auch noch über einige Klargitarren-Passagen drüber und beweist damit auf voller Linie ein Händchen für starke Hooklines. Somit heben sich PATRONS alleine auf gesanglicher Ebene von der vor lauter Brüllorgien gebrainwashten Masse ab: Denn der Mann kann irgendwie sogar singen. Und bekanntlich muss ja nicht immer jede Note sitzen, um charmante Wärme zu vermitteln.

Die Instrumentalisten des britischen Vierers beweisen hingegen, dass es im Genre Wichtigeres gibt, als in Ermangelung überdurchschnittlicher Spielfertigkeit Song für Song mit schrammeligen Gitarren zuzuballern. Im Gegenteil, denn in den ruhigeren Passagen des mit 18 Minuten doch recht knapp bemessenen Werks lugt immer mal wieder eine angemessene Feinfühligkeit gegenüber Brooks‘ teils schon fragilen Melodiebögen hervor, ehe PATRONS Saiten und Stimmbänder wieder gemeinsam aufheulen lassen. Dazwischen gibt’s natürlich auch bewährte Power-Chord-Kost, meist im songdienlichen Mid-Tempo gehalten. Bei „Circus“ bekommt man hingegen auch mal typisch post-metallische Akkordverschiebungen zu hören, die im vergleichsweise drucklosen, weil ungeschönten Sound jedoch etwas untergehen. Aufgrund (oder trotz?) des hohen Catchiness-Faktors schwirrt hier und da eher schon mal das Prädikat „Indie“ durch den Raum. Und das ist im Fall von „The Momentary Effects Of Sunlight“ tatsächlich mal nicht beleidigend gemeint. Zumindest stimmen die Vibes.

Emotional Alternative Hardcore Rock – irgendwie so eine Bezeichnung haben sich PATRONS mit „The Momentary Effects Of Sunlight“ wohl verdient. Zumindest ist das hier alles andere als klassischer Hardcore. Vielleicht ist es sogar FINCH mit dem Sänger, den ich mir immer gewünscht habe.

09.03.2015

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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