
Kreator
Thrash-Krusher und Death-Kracher
Konzertbericht
An einem Freitagabend in Hamburg ist die Inselpark-Arena gut gefüllt. Kein Wunder: KREATOR spielen mit ihrem neuen Album „Krushers Of The World“ auf – und mit EXODUS, CARCASS und NAILS sind drei starke Support-Acts dabei. Also: Kutte an und ab in den Pit.
Die Fotos stammen aus Berlin von Andrea Friedrich, der Bericht aus Hamburg von Jannik Kleemann.
NAILS eröffnen vor halbleerer Halle
Der Einlass beginnt knapp eine Stunde vor Konzertbeginn, und die Mitarbeiter:innen der Inselpark-Arena arbeiten zügig. Umso mehr stellt sich die Frage, warum NAILS vor vergleichsweise wenig Publikum spielen.
Klar, der Stil der Band – Powerviolence, eine Mischung aus Grindcore und Hardcore Punk – trifft nicht jeden Geschmack. Aber wenn man schon da ist, kann man sich alles anhören, oder?
Uns gefällt der Sound besser als erwartet, auch dank der sägenden HM2-Gitarren – für Unwissende könnte das wie grindiger Elchtod mit Punk-Einschlag klingen.
Durch die kurzen Songs feuern NAILS 13 Stücke in 30 Minuten ab und sorgen für erste Pits. Laut eigener Aussage touren sie selten in Europa und sind dankbar für die Chance.
Galerie mit 14 Bildern: Nails - Krushers Of The World Tour 2026 in Berlin


EXODUS brauchen mehr Spielzeit
Musikalisch passen EXODUS am besten zum Headliner, doch mit nur 45 Minuten Spielzeit ist den Amerikanern kaum geholfen.
Natürlich wollen sie ihr aktuelles Album „Goliath“ präsentieren, dessen beide Singles live überzeugen. Danach geht es rasant zu den Klassikern. Löblich: Neben den üblichen Frühwerken „Bonded By Blood“ und „The Toxic Waltz“ stehen auch „Deathamphetamine“ und „Blacklist“ auf der Setlist.
Dennoch wäre mit der Rückkehr von Rob Dukes mehr möglich gewesen. Die beiden „The Atrocity Exhibition“-Alben fehlen komplett. Hoffentlich kehren EXODUS bald als Headliner zurück, denn riesige Moshpits und eine bestens aufgelegte Band machen den Gig zu einem viel zu kurzen Highlight.
Galerie mit 30 Bildern: Exodus - Krushers Of The World Tour 2026 in Berlin


CARCASS – musikalisch extrem, menschlich zurückhaltend
Routiniert und mit britischer Höflichkeit wirken CARCASS fast ruhig – auch wenn ihre Musik das Gegenteil ist.
Ihr Best-of-Set mit Fokus auf „Heartwork“ kommt gut an, und trotz Death Metal mit Grind-Einschlag nutzen viele im Publikum die Gelegenheit zum Durchatmen. Statt wilder Moshpit-Prügeleien gibt es hier eher fliegende Haare und gereckte Fäuste. Während andere Bands auf rohe Brutalität setzen, zeigen CARCASS Fingerspitzengefühl – chirurgische Präzision.
Die Band lässt die Musik sprechen und bedankt sich erst am Ende höflich beim Publikum. Mehr braucht es nicht.
Galerie mit 30 Bildern: Carcass - Krushers Of The World Tour 2026 in Berlin


KREATOR „krushen“ die Inselpark-Arena
Böse Zungen könnten sagen, dass sich bei einer KREATOR-Show im Laufe der Jahre vor allem die Bühnendeko ändert. Mit jedem Album kommen zwar neue Songs ins Set, andere verschwinden – doch insgesamt sind Mille und seine Kollegen eine verlässliche Bank.
So auch heute: Die Essener eröffnen mit „Seven Serpents“ und treiben die Stimmung sofort auf 200 Grad Celsius – ganz ohne Pyroshow, die hier nicht erlaubt ist.
Legendäre Ansagen wie „Haaaaaamburg! The KREATOR has… retuuuuurned!“ fehlen ebenso wenig wie brutale Pits zu „Enemy Of God“ oder „Hate Über Alles“. Zwischendurch erinnert Mille daran, dass die Band seit über 40 Jahren existiert und fast genauso lange in Hamburg auftritt. Für langjährige Fans gibt es Klassiker wie „People Of The Lie“ oder „Betrayer“.
Zwischen den Songs bleibt kaum Zeit zum Atmen, denn KREATOR halten das Tempo hoch. Einen klassischen Zugabenblock gibt es nicht – stattdessen spielt sich die Band mit sichtbarer Freude durch das Set. Schade nur, dass „Tränenpalast“ fehlt, da HIRAES-Sängerin Britta Görtz mit ihrer eigenen Band unterwegs ist.
Den Abschluss bilden „Violent Revolution“ und „Pleasure To Kill“ – inklusive Milles obligatorischem Versprechen: „The KREATOR will reeeeeturn!“ Zufrieden geht es in die Nacht.
Galerie mit 30 Bildern: Kreator - Krushers Of The World Tour 2026 in Berlin


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Jannik Kleemann
































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