Samsas Traum - Vota Tenebris I

Review

Bei SAMSAS TRAUM weiß man nie genau, was einen als Nächstes erwartet. In seiner dreißigjährigen Karriere hat Alexander Kaschte schon so ziemlich jedes Genre aus dem Metal- und Gothic-Bereich benutzt, sich angeeignet und zu etwas ganz Eigenem verwurstet. Klar, manche Alben haben mehr Wellen geschlagen als andere, aber viel mehr Vielfalt bietet selten eine Band. „Vota Tenebris I“ ist an sich vielfältig, da es der erste Teil eines Albums ist, das nur aus Fanwünschen besteht. Fans konnten angeben, welche musikalische Ausrichtung und welchen Textinhalt sie sich wünschen. Das ist ein spannendes Experiment, das die Frage aufwirft, ob die Lieder auch für Außenstehende funktionieren.

SAMSAS TRAUM definieren Fanfreundlichkeit neu

Mit „Heut Wird Er Umgebracht“ beginnt der Ritt mit einer Portion Seefahrer-Romantik, eingebettet in ein Gothic-Doom-Kleid. Die Sängerin Juliane Köbe unterstützt Kaschte bei dem Track, was ihn zu einem sehr schönen Duett macht. „Leitstern“ ist musikalisch recht klassisch SAMSAS TRAUM, wenn man sich an der beliebtesten Phase um „Tineoidea“ und „a.Ura und das Schnecken.Haus“ orientiert. Dafür überrascht „Scheiße Ohne Dich“, das zwischen Pop-Rock-Song und Stadionhymne pendelt.

Auf „Der Ruf Des Cthulhu (Ein Traum Der An Augen Zerschellt)“ wird es cineastisch, und mit „Schattenfalter“ gelingt SAMSAS TRAUM ein echter Ohrwurm-Refrain.

Auf „Die Fratze Meiner Einsamkeit“ geht es blutig zu. Musikalisch ist der Song eine Mischung aus „Blut Ist In Der Waschmuschel“ und „Die Zähne In Der Hand“, wobei er textlich Letzterem näher ist. „Der Riss In Deiner Stimme“ verwendet interessante elektronische Elemente, während „Bring Mir Licht“ ein paar Durchläufe braucht, um zu zünden.

Musikalische und textliche Vielfalt

Wer nicht weiß, auf welchen Filmtitel sich „Plutonium (1.21 Gigawatt“ bezieht, muss dringend Nachhilfe in Sachen Filmklassiker nehmen. Typisch für SAMSAS TRAUM wird hier jedoch nicht die Story der Trilogie wiedergegeben, sondern die Kraft dieser namensgebenden Gigawatt besungen. Ein sehr cooles Sample ist trotzdem enthalten.

Zum Ende wird „Vota Tenebris I“ industriell: „Für Die Liebe“ ist über weite Strecken elektronisch und hat einen Grundbeat, der permanent zum Fußwippen auffordert. Das abschließende „Einst War Ich Ein Schrei“ wildert fleißig im Industrial Metal und hat zudem ein kultiges Single-Cover.

Auffällig ist, dass Kaschte immer wieder in die Rolle eines Erzählers rutscht und gesprochene Passagen in den Stücken verwendet. Das verleiht vielen Liedern einen leichten Musicalcharakter.

„Vota Tenebris I“ nutzt seine Stärken

Experiment geglückt! „Vota Tenebris I“ lässt sich auch von Leuten goutieren, die sich die Songs nicht gewünscht haben, und ist aufgrund seiner Vielseitigkeit eines der spannenderen neuen SAMSAS-TRAUM-Alben. Man darf gespannt sein, wohin die Reise mit dem zweiten Teil geht.

09.08.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

Exit mobile version