Soul Takers - Flies In A Jar

Review

Die italienischen Pianistinnen Francesca und Federica Badalini sehen im Metal die Evolution klassischer Musik. Sie scharten eine Band um sich, nannten sie SOUL TAKERS und definierten ihren Stil fortan als dekadenten Melodic Metal. Mal was neues, immerhin. Das Debut „Tide“ ließ nicht allzulange auf sich warten. In Bella Italias Rockszene euphorisch aufgenommen, veröffentlicht die Band nun ihr Zweitwerk „Flies In A Jar“.

Unheildrohend klimpert das von Federica gespielte Piano im Opener „Heaven’s Pillars“, die weiche Rockmusik wird von der geübten klassischen Stimme Dinos begleitet. Immer wieder hat man den Eindruck, es mit einem Soundtrack zu „Allein Gegen Die Mafia“ und dem bedauernswerten Dottore Cattani zu tun zu haben. Es ist die Musik, die ich als typisch italienische Ausprägung des „Metal“ bezeichnen würde. Verspielt also, allerdings unter Verzicht auf den sonst in diesen Gefilden üblichen Plüsch. „Icon“ bedient sich ähnlicher Elemente, ist aber nicht so stark wie der erste Track. Immerhin, RHAPSODY werden nicht zitiert, auch Power Metal ist das keineswegs, eher gibt es sanfte metallische Töne zu klassischen Grundthemen. Aber in Richtung THERION gehen sie auch nicht, sie bevorzugen Midtempo und Rock. Instrumental versiert sind die Italiener. Die sehr stumpfe Produktion ist einerseits okay, weil so trällernde Einhorn trifft Engel-Ausflüge unterbunden werden, andererseits könnte gerade solche Musik viel transparenter klingen, gerade das Piano. Dramatisch geht es mit „Belied“ weiter, entfernt an KAMELOT erinnernd. Der Gesang ist mir zeitweise zu hoch, zu hell, zu pathetisch. Breaks, stimmungsvolle Zwischenspiele und überraschende Wendungen gibt es bei SOUL TAKERS zuhauf.

„Staring Eyes“ ist auch kein schlechter Song, opulent, Klavier, Klassik, dabei jedoch eher wie ein Quintett aufspielend als ein Symphonieorchester. „The Chasm“ bietet nette Violinenklänge, allerdings finde ich auch hier die Stimme von Dino bisweilen zu hoch, sie müsste zu der Musik einen Gegenpol setzen. Dabei kann er es an und für sich gut. Aber da gehen die italienischen Bands immer wieder in die gleiche Falle. Die Musik von „The Chasm“ weiß zu gefallen, durchaus. Und so geht es weiter. Stärken und Schwächen bleiben in den folgenden Songs diegleichen, nicht leicht, das zu bewerten. Einen Italo-Krimi mit Lovestory könnte man damit durchaus unterlegen. Die Nebenstraßen des Piazza Del Campo, kurz vor dem Start des Palio, der Mann mit der schwarzen Maske ist doch gerade die Wendeltreppe hinauf zur Spitze des Torre Del Mangia gestürmt? Gothic, Frauenstimmen und die dramatische Ausrichtung bleiben uns über das ganze Album erhalten, ohne dass jetzt spektakuläre Übersongs entstehen, große Refrainlinien geschaffen werden oder man mal einhakelt. Die Zuneigung der Band steckt im Detail. Und das will entdeckt werden. Anerkennen muss man, dass SOUL TAKERS keine Keyboards benutzen. Violine und Klavier sind echt. Und sie gehen mit Enthusiasmus zur Sache. Für die Klassik gibts dann auch Punkte, für die typisch italienischen Metal-Schwächen Abzüge. Alles in allem aber überraschend gut. Für Romantiker, klassisch nettem Kitsch nicht abgeneigte Sonnenbrillenträger auf dem Campo stilecht mit dem neuesten Brunetti in Händen durchaus geeignet.

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02.07.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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