Soulfly - Dark Ages

Review

Herr Cavalera sollte aufpassen, dass er nicht allzu inflationär Alben auf den Markt schmeißt. Sonst bleibt ihm in Zukunft erspart, dass man jeden neuen Output mit seiner alten Band SEPULTURA vergleicht, dass man jeden neuen Output mit den älteren SOULFLY Scheiben vergleicht und dass bei jeder Neuveröffentlichung eine Diskussion über die Neuausrichtung seiner Band in das Heulen über die guten alten Zeiten umschwenkt, dass es einem die Falten aus dem Sack zieht! Herr Cavalera würde nur noch in einer nicht weiter nennenswerten Erwartungshaltung seiner Zuhörer Alben veröffentlichen, ohne wirklich für Aufsehen zu sorgen. Doch noch ist es nicht so weit, auch wenn der Vorgänger „Prophecy“ erst vor anderthalb Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Dazu fühlte sich Max zu sehr mental und emotional angegriffen, da in letzter Zeit ihm sehr nahestehende Personen das Zeitliche gesegnet hatten. Sein Personal hingegen durfte für eine weitere Scheibe bei ihm bleiben.

Auch wenn SOULFLY in seinen Grundzügen gleich bleibt, so wird jedes mal an der Feinjustierung herumgespielt…und jetzt wurden die Federn halt mal hart angezogen, der Auspuff rattert ordentlich und die Lenkung ist direkt. Der sehr rohe Sound mag Vergleiche zu seiner alten Band SEPULTURA deutlich stärker legitimieren als üblich (aua, die Falten, mein Sack!). Dafür sorgt ein speedy-grooviges „I and I“ (inklusive typischer Chill-Out Moods) genauso wie ein fett thrashiges „Carved Inside“. Doch sehr schnell wird klar, dass SOULFLY ohne den internationalen Flair nicht auskommen (will). Orientalische Klänge in „Babylon“ sorgen für Weltuntergangstimmung, die erneute Kollaboration mit EYESBURN bringt gleichzeitig düstere Wolken als auch sonnige Karibikzustände ins Wohnzimmer. Charakteristischer Weise folgt zum Schluss ein äußerst entspannender, fast elfminütiger Abgang, der aber zunächst mit einer energieversprühenden Widmung an die Verstorbenen beginnt („Staystrong“), bei dem auch Max’ Sohn Richie am Mirko stehen darf.

Als unerträglichen Füller darf man getrost das entsetzliche Elektro-Tribal-Detlev-Gestrüpp „Riotstarter“ dahinstellen, in weiteren Rollen das völlig belanglose „Bleek“ und das eher durchschnittliche „Corrosion Creeps“. Spätestens bei „Fuel The Hate“ hat man irgendwie ein Déjà-Vue Erlebnis. Soviel alltägliches musikalisches Geschehen darf auf einer Scheibe mit solchen Ansprüchen nicht passieren und lässt daher eine bessere Bewertung einfach nicht zu – auch wenn zweifelsohne starke Songs dabei sind. Gute 7 Punkte – doch wir warten weiter.

22.10.2005
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