



Böse Zungen mögen behaupten, dass VERSENGOLD nach mehr als 20 Karrierejahren das Stadium erreicht haben, wo sie sich nur noch selbst kopieren können. Und freilich erfindet „Eingenordet“ das Mittelalter/Folk-Rock-Rad nicht neu, folgt gewissermaßen der selben Blaupause wie „Nordlicht“ aus dem Jahr 2019, an das es ja auch namentlich erinnert. Der Opener „Der Tag Mag Kommen“ steht als Mutmach-Lied in der Tradition von „Durch Den Sturm“, die „Klabauterfrau“ ist das neue „Thekenmädchen“ und der Titeltrack verbindet immerhin den Galeerentrommler-Rhythmus von „Meer Aus Tränen“ mit der Heimatlied-Attitüde von „Küstenkind“.
VERSENGOLD demonstrieren ungebrochene Spielfreude
Dennoch täte man VERSENGOLD unrecht, würde man „Eingenordet“ als Resterampe vergangener Großtaten begreifen. Nicht im Großen, sondern in den Details strotzt die Scheibe vor Originalität und zeigt darüber hinaus eine unzweifelhaft gereifte Band, die ihren Stil gefunden hat, mit ungebrochener Spielfreude frisch hält und stets aufs Neue zelebriert. Als Produzent und Co-Songwriter hat einmal mehr Hannes Braun (noch-KISSIN‘ DYNAMITE) sein Scherflein beigetragen und dem Album einen blitzsauberen und differenzierten Sound verpasst, der bei aller Poppigkeit an den richtigen Stellen doch den notwendigem Wumms entwickelt. So versprühen VERSENGOLD einmal mehr eine wohlige Lebensfreude und grundpositive Energie, die man in diesen turbulenten Zeiten gar nicht hoch genug schätzen kann.
Als Musterbeispiel mit Ohrwurm-Garantie soll hierfür die mit einem fabelhaften Platt-Refrain aufwartende Country-Folk-Nummer „Dans Op De Deel“ dienen, bei der sich Geiger Florian Janoske zu Malte Hoyers grandioser „mal verliert man, mal gewinnen die anderen“-Lyrik ordentlich einen abfiedelt – „Cotton Eye Joe“ meets „Always Look On The Bright Side Of Life“ gewissermaßen. Nicht minder gutlaunig kommt die flotte Stinkefinger-Hymne „Klopapier“ daher, der vermutlich beste Song für’n Arsch des Jahres 2026 – uns allen dürften für dieses phänomenale Stück Gossenpoesie wohl auf Anhieb gleich mehrere passende Adressaten einfallen…
Nicht immer scheint die VERSENGOLDene Sonne wie sie ist
Doch nicht immer herrscht bei VERSENGOLD nur eitel Sonnenschein. Die melancholische Trinkerballade „Krug Voll Mondenschein“ und das Mini-Grusel-Epos „Die Gonger Kommen“ schlagen weitaus düsterere Klänge an und geraten dadurch zu eindrucksvollen Kontrapunkten, die „Eingenordet“ auch in Endlosschleife so schnell nicht langweilig werden lassen. Und nicht zuletzt sind VERSENGOLD für ihre klare gesellschaftspolitische Haltung bekannt, die sie mit dem zusammen mit MADSEN eingespielten Anti-Populismus-Kampfsong „Falscher Leuchtturm“ ebenso unterstreichen wie mit dem kosmopolitischen „Die Halbe Welt“ – die Folk-Rocker wollen eben so ziemlich das Gegenteil von völkisch sein.
Womöglich braucht es in einigen Fällen mehr als einen Hördurchgang, bis der skeptische Zuhörer ordentlich „Eingenordet“ und davon überzeugt ist, dass VERSENGOLD auch 2026 noch etwas zu sagen haben und innerhalb ihrer behaglichen Stil-Nische ausreichend frischen Wind versprühen, um nicht in die Untiefen des Selbstzitats abzusinken. Dann aber darf man dieses Album getrost zu den besten der Band zählen, das zwischen kreativen Ideen und vertrauten Klängen stets den richtigen Ton trifft. Einzig der unübertrefflichen lyrischen Brillanz vergangener Tage mag man zu Recht nachtrauern, das ist aber dann auch schon Jammern auf dem allerhöchsten Niveau.

Versengold - Eingenordet
Florian Schörg
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