Tanzbare Wut und laute Liebe: Molotov Nights das vielleicht notwendigste Album des Jahres

Special

Eine Frage der Haltung

Dass die Band so klar und präsent agiert, hat im Wortsinn ein nüchternes Fundament. Nat und Becky leben trocken. „Es gibt null Chance, dass THE IRON ROSES dort wären, wo wir sind, wenn Nat oder ich noch trinken würden“, sagt Becky. „Die Band wäre tot.“ Alkohol betäube Gefühle nur kurz, statt sie zu lösen. Was zählt, ist, den Fans die echte Version ihrer selbst zu geben, nicht die betäubte. Es ist eine Absage an die alten Rock-Klischees und ein Bekenntnis zu Authentizität.

Beim Thema Verantwortung wird Becky deutlich. „Viele Bands tragen ein Privileg in sich, weil sie oft aus cis Männern bestehen“, sagt sie. „Das ist eine geschenkte Plattform. Man hat die Verantwortung, sie zu nutzen. Wer das nicht tut, das ist beschissen. Viele riskieren weder Gage noch Ruhm, um das Nötige auszusprechen“, so Becky. „Deshalb sind die jüngeren Bands gerade sehr queer, sehr fem-fronted und haben vor nichts Angst.“ An ihnen orientiert man sich lieber als an allem, was hinter einem liegt. Wie lange man den alten weißen Männerbands noch zuhört, beantwortet sich da fast von selbst.

Molotov Nights: Notwendig und deshalb bedeutend

Den Maßstab legt die Band hoch. „Ein notwendiges Album“, sagt Becky, „ist eine Sammlung von Songs, die größer ist als die Menschen, die sie gemacht haben.“ Es weise über den eigenen Kummer hinaus. An diesem Anspruch lässt sich „Molotov Nights“ messen. Es hält ihm stand.

Der naheliegende Einwand gegen eine Band, die ihren Zorn in Freude verpackt, lautet, die Verpackung könne die Dringlichkeit dämpfen. Auf dieser Platte tut sie es nicht. Die Texte halten die Kante. Die Freude ist kein Wegsehen, sondern der bewohnbar gemachte Diskursraum, in den man eintreten, widersprechen und streiten darf. Der Mut zu den Themen, die vielschichtige Musik und die Lust, algorithmusferne Wege zu gehen, heben das Album über das bloß Relevante hinaus. So wird aus einer notwendigen zugleich eine bedeutende Platte.

The Iron Roses machen nicht einfach nur Platten. Sie bauen einen Raum, in dem die schweren Dinge gesagt werden dürfen, ohne dass die Freude verloren geht. Mit „Molotov Nights“ haben sie ihn weit genug aufgestoßen, dass jede und jeder hineinpasst. Im Herbst sind THE IRON ROSES wieder in Europa auf Tour. Im Gepäck werden sie ihr neues Album sowie ein paar ältere Songs haben.

THE IRON ROSES auf Tour

06.10 DE Essen, Don’t Panic
07.10 BE Dendermonde, Bastion V
08.10 DE Weinheim, Cafe Central
10.10 AT Graz, Erntepunk Fest
11.10 AT Vienna, Arena *
12.10 DE Munich, Kranhalle *
13.10 CH Zürich, Dynamo *
14.10 DE Wiesbaden, Schlachthof
15.10 DE Schweinfurt, Stattbahnhof *
16.10 DE Erfurt, VEB Kultur *
18.10 DE Cologne, Helios 37 *
20.10 DE Hanover, Faust
21.10 DE Hamburg, Uebel & Gefährlich *
22.10 DE Berlin, Female Fronted Is Not A Genre

* mit MARCH

Seiten in diesem Artikel

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Quelle: Interview Becky and Nat, The Iron Roses (
14.06.2026

Musik ist mehr als Klang: Sie erzählt von Leben, Leidenschaft, Aufbruch und Ankommen. Sie ist Kunst: roh, echt und einzigartig. Ihre Bedeutung entfaltet sich im Resonanzraum zwischen uns und der Welt. Come as you are!

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