
Soundcheck Juli 2026# 9
Galerie mit 12 Bildern: Madball - European Tour 2026 in Köln


MADBALL-Fans der ersten Stunde dürften sich beim Blick auf das Cover des neuesten Werks „Not Your Kingdom“ 30 Jahre in die Vergangenheit zurückgesetzt fühlen. Wie bei den Klassikern „Set It Off“ (1994) und „Demonstrating My Style“ (1996) gibt es das blaue Bandlogo auf einem Schwarz-Weiß-Foto. Auch das Motiv des Zweitwerks, den blutbefleckten Arm mit Spielkarte, zitiert das Artwork mit zwei aus einer Gefängniszelle (zum Schachspielen) herausgestreckten Armen. Die New Yorker Haudegen besinnen sich auf ihre Wurzeln, ohne sich stumpf zu kopieren. Doch gelingt der Spagat auch bei den Songs?
„Not Your Kingdom“ konnte reifen
Zeit, um frische Ideen zu sammeln, gab es genug: Satte acht Jahre sind seit dem letzten Release „For The Cause“ (2018) vergangen. Nie war eine Pause im Hause MADBALL länger. Nach dem schmerzhaften Abgang von Urgestein Jorge „Hoya Roc“ Guerra am Bass hätte die Institution leicht an Schlagkraft verlieren können. Doch Entwarnung: Der Opener „Tethered“ ballert sofort im klassischen 90er-Gewand los. Treibende Rhythmen und mörderische Grooves beweisen, dass die Bronx-Formel weiterhin zieht. Wer im Musikvideo genau hinschaut, findet zudem dezente Hinweise auf die DMS-Crew. Direkt im Anschluss steht der fiese, unter einer Minute lange Brecher „Flammable“ ebenfalls in bester Tradition der alten Schule.
Einen reinen Nostalgie-Trip sollte man nicht erwarten, denn die Skills der Musiker und die Produktion anno 2026 sind Lichtjahre von der Frühzeit entfernt. Als musikalisches Beweisstück fräst sich beispielsweise die Abrissbirne „Don’t MisStep“ in den Gehörgang.
Zudem hat Frontmann Freddy Cricien im Vorfeld durchblicken lassen, dass hier das abwechslungsreichste Album der Bandgeschichte vorliegen soll. Das beinahe dubartige Zwischenspiel „Rebelude“ an dritter Stelle bestätigt: Vor 30 Jahren hätten die Jungs noch nicht das Selbstverständnis gehabt, so entspannt zu spielen.
MADBALL zeigen Kante und Melodie
Im Gegenzug können die vier Szeneveteranen trotz des gehobenen Hardcore-Alters weiter amtlich austeilen – und das mit einer sehr offensichtlichen metallischen Note wie in „Stab Wounds“. Noch besser wird’s in den 29 Sekunden von „IWI“. Das Akustikgitarrengezupfe zum Einstieg schickt eiskalt auf die falsche Spur, um mit einer kurzen Eruption und einem Ausflug ins Deutsche zu überraschen.
Für ein Genre, das seit jeher leicht in stumpfen „Boller-Core“ abdriften kann, sind MADBALL auf dem zehnten Werk erfreulich vielseitig aufgestellt. Auch die Anhänger:innen melodischer NYHC-Groovemonster bekommen was auf die Ohren. Die erste Vorab-Single „Rebel Kids“ ist eine waschechte Hardcore-Hymne, die live zünden sollte. Ähnlich ist es mit den Songs „Life’s A Mural“ und „The Ride“, die mit ihren Gesangslinien zum Mitsingen einladen.
„Not Your Kingdom“ ist wütend, aber nicht stumpf
Wer befürchtet hat, dass MADBALL nach dem Hoya-Abgang den Moshpit kampflos den jüngeren Bands überlassen würden, den belehren sie mit „Not Your Kingdom“ eines Besseren. Die New Yorker Institution liefert keine bloße Selbstkopie ab, sondern ein facettenreiches Hardcore-Album, das an den richtigen Stellen die Wutbremse löst. Mit gepfefferten Old-School-Ausbrüchen, dicken Metal-Riffs und der richtigen Dosis melodischer Hymnen beweisen Sänger Freddy Cricien und seine Crew, dass Reife im Hardcore nicht automatisch Altersmilde bedeutet.

Torsten Meierhöfer






























Da freue ich mich drauf! Live auch immer der Hammer!