Schattenfest IX
Lebendiger Underground mit KRÄHENFELD und URISK
Konzertbericht
Vereinzelte Schneereste sind am 23. November abends auf dem ehemaligen Großmarktgelände in Krefeld noch zu sehen, als es in der Kulturrampe düster wird. Beim Schattenfest IX spielen die beiden Black-Metal-Bands KRÄHENFELD und URISK – und natürlich ist das Publikum fast ausnahmslos schwarz gekleidet. Für die Lokalmatadore von KRÄHENFELD ist das Konzert eine besondere Feierstunde, ist es doch als Release-Party ihrer gemeinsam mit dem Schattenpfade Support Circle veröffentlichten LP „… Vom Ruf Der Leere“ angesetzt.
URISK kündigen Großes an
Der Auftakt gehört indes URISK. Auf dem Papier sind sie ein Duo, bestehend aus Sängerin Marleen Bügener und Gitarrist Benedikt Brixius, auf der Bühne agiert ein Quintett. Lediglich Bügener präsentiert sich dabei mit dezentem Corpsepaint. Ihre szeneunüblichen blonden Haare und das rote Schultertuch deuten aber auf den ersten Blick an, dass sich die Bonner nur bedingt an Genrekonventionen halten. Und so kommt es auch: Die Fronterin malträtiert das Mikrofon meist mit einer Mischung aus Weltschmerz und Wut, flechtet aber zwischendurch immer wieder den vor allem beim „trven“ Teil der Szene verpönten Klargesang ein.
Die Instrumentalfraktion wiederum beherrscht die Black-Metal-Standards locker, ohne dabei Standard-Black-Metal zu spielen. Dafür sorgen schon die Variationen, unter anderem mit langsamem Doom Metal oder ruhig-entspanntem Blackgaze. Für einen Newcomer, der bislang nur ein Demo und ein Album in Eigenregie in der Vita stehen hat, gehen URISK beim Schattenfest IX erfreulich furchtlos zu Werke: Anstatt ausschließlich auf den bekannten und einstudierten Fundus zu setzen, befinden sich unter den sechs Stücken des Abends gleich zwei unveröffentlichte Lieder – eines von der für den 5. Dezember angesetzten Demo-EP „Oidhche II“ und eines vom planmäßig im Herbst 2026 folgenden Album. Mit der richtigen Produktion kündigt sich da Großes an.
Setlist URISK
Beul An Latha
Shadow Of My Lunacy
Hollowing Hours
Recall Of Crà
Harbinger Of Despair
Urisk
KRÄHENFELD zeigen sich konsequent
Das seit 2012 bestehende Krefelder Quintett KRÄHENFELD entert pünktlich um 21 Uhr die kleine Bühne der Kulturrampe und füllt sie gleich mit ihrer Präsenz aus – im doppelten Sinne: Auf der einen Seite spielen sie wortwörtlich in einer anderen Gewichtsklasse, auf der anderen drückt das gemeinsame Bühnenoutfit (Corpsepaint, „Shabby-Black-Chic“) eine ganzheitliche Herangehensweise aus.
Das Thema „Release-Party“ nimmt die Band wörtlich, stehen auf der Setlist doch ausschließlich die Nummern des aktuellen Albums. Der Opener „Trieblos“ überzeugt dabei mit seinem emotionalen Stimmungsaufbau und fesselt das Publikum zum Ende hin mit einem langen, hypnotischen Instrumentalteil. Den nutzt Sänger Yannick für einen spontanen Ausflug zur Theke, um sich mit gekühlten Getränken zu versorgen. Das anschließende „Freigang“ baut mit seinem sanften Einstieg eine überraschende Ruhe auf, die ein eruptives Blastbeat-Gewitter nach zwei Minuten beendet. In Augenblicken wie diesen spielt Drummer Marius seine technische Finesse aus, während er in anderen Momenten mit Ideen über dem Durchschnitt glänzt. So lässt er elegant tribalähnliche Rhythmen einfließen oder weckt Erinnerungen an Paradetrommler. Bei „Mein Zenit“ sorgt der kurzzeitige Einsatz des zweiten Mikros für weitere Abwechslung.
Wie auf dem Album lassen die Fünf ihr Set in der Mitte von dem Instrumental „Niederfrequenz“ teilen. Das mag „von Konserve“ funktionieren, ist live aber kurzzeitig ein Stimmungskiller. Anders als URISK, die sich ganz auf ihre Performance konzentrierten, kommuniziert die Band mit dem Publikum. Den Song „Sterben“ kündigt Yannick beispielsweise als „passend zum Totensonntag“ an – und zeigt sich überrascht vom guten Zuspruch der rund 100 Köpfe an einem Sonntag. KRÄHENFELD beweisen zudem, dass sie keine Angst vor Einspielern vom Band haben, denn beim abschließenden Stück kommen Pianoklänge und eine weibliche Stimme aus der PA.
Auf ganze Sicht überzeugt der rund 60-minütige Auftritt, weshalb es berechtigte Zugaberufe gibt – Encores bleiben aber aufgrund des Konzepts konsequenterweise aus. Bei der LP-Release-Show stehen nur die entsprechenden Songs auf der Setlist.
Setlist KRÄHENFELD
Nieder… (Instrumental)
Trieblos
Freigang
Mein Zenit
…Frequenz (Instrumental)
Hass
Sterben
ALT+F4
Weiterer Baustein einer kleinen, aber feinen Konzertreihe
Seit der Erstauflage im Mai 2023 hat sich das Schattenfest als gelungene Konzertreihe für den Metal-Underground am Niederrhein etabliert. Die beiden Macher Adam (Label-Chef von Schattenpfade) und Bene (Betreiber des Plattenladens Green KR) haben auch in der neunten Runde wieder einen sicheren Geschmack bewiesen, in dem sie erfahrene Black-Metal-Haudegen und mutigen Nachwuchs zusammengebracht haben.
Die Newcomer von URISK überzeugten dabei mit einem frischen Ansatz, der die Szene durchaus bereichern kann. KRÄHENFELD festigten als Lokalmatadore mit ihrem emotional intensiven Auftritt und der konsequenten Umsetzung ihres neuen Albums „… Vom Ruf Der Leere“ ihre Stellung in der örtlichen Szene. Das Quintett hätte zwar durchaus noch 15 bis 20 Minuten an den Gig dranhängen können, aber unterm Strich steht ein gelungenes Event, das Lust auf mehr macht.
Für den amtlichen Sound des Schattenfest IX sorgte ein alter Bekannter: Klaus Schwerdt, Sänger von TYRANTHROPE und BLOOD RED ANGEL, Betreiber des Beatpoint-Studios und Tourtontechniker unter anderem bei SODOM.
Interessante Alben finden
Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38258 Reviews und lass Dich inspirieren!
Torsten Meierhöfer































Kommentare
Sag Deine Meinung!