Glorior Belli - The Apostates

Review

Die Franzosen GLORIOR BELLI standen seit jeher für kompromisslosen und abwechslungsreichen Schwarzmetall aus der Stadt der Liebe unseres Nachbarlandes und haben während der Karriere ihren Sound um Elemente und Einflüsse aus unter anderem (Southern-) Rock’n’Roll erweitert, was nicht bei allen auf Gegenliebe stieß. Die letzte Scheibe „Sundown“ war für sie wieder eine Rückwende zu den alten, kompromisslosen Black Metal-Tagen der Anfänge. Wie stellt es sich nun bei „The Apostates“ dar? Himmlischer neuer Streich oder Abfall vom Glauben?

GLORIOR BELLI sind eingängig wie eh und je – ohne ihre Trademarks zu vergessen

„The Apostates“ speit tatsächlich musikalisch weniger Häresie als so manche der Vorgänger („The Great Southern Darkness“, „Gators Rumble, Chaos Unfurls“) und ist eigentlich fast eine Art Best-Of des musikalischen Schaffens von GLORIOR BELLI. Ein paar Einflüsse im Vorsatz genannter Platten sind auch noch hier vertreten, allerdings in homöopathischer Dosierung. Steigt man mit „Sui Generis“ abwechslungsreich und recht groovy ein, bieten die restlichen Songs wieder bekannte Black-Metal-Trademarks, man lockert die Sache aber auch mal mit einem rockigen Solo und abwechslungsreichem Songwriting etwas auf. Tracks wie „Bedlam Bedamned“ und „Split Tongues Won’t Atone“ blasten ohne viele Schnörkel fix und typisch fürs Genre nach vorne, während „Jerkwater“ oder „Hangin‘ Crepe“ auch SATYRICON zu ihrer Black’n’Roll Zeit gut gestanden haben könnte oder „Runaway Charley“ mit perkussiven Elementen und getragener Stimmung inklusive Clean-Vocals zu überraschen weiß. Das ist auch im Kontext des Backkataloges für GLORIOR BELLI nun nix besonderes mehr, für Black Metal im Allgemeinen allerdings schon. Dabei sind alle Elemente stets song-dienlich verbaut und nachvollziehbar arrangiert. „Rebel Reveries“ als Rausschmeißer hat eine gewisse Ruhe, und mit dem eingängigem Clean-Chorus schon fast so etwas wie balladesken Pop-Appeal. Das dürfte ganz orthodoxen Schwarzwurzlern besonders sauer aufstoßen, geht mir aber tagelang nicht aus dem Kopf. Äußerst packend!

Religionsaustritt mit „The Apostates“ = kurzweilige und spaßige Angelegenheit

Man schwankt auf vorliegender Platte sowohl zwischen eingängigen Riffs und Blasts, also Genre-Bekanntem, als auch großem Abwechslungsreichtum durch die genannten Elemente (Clean Vocals, groovig-rockende Leads), was durchaus eine erfrischende Angelegenheit ist. Vom Glauben abfallen muss also auch beim neuesten Langdreher von GLORIOR BELLI keiner, auch wenn es alten Fans vielleicht zu experimentierfreudig und dem Anhänger der „The Great Southern Darkness“-Phase zu bieder und vorhersehbar ist. Ich höre schon die Dogmatiker kreischen „Aber mit Black Metal hat das doch gar nichts mehr zu tun!“. Stimmt teilweise. Aber ist das nicht auch der Kern eines Apostaten oder Häretikers? Angestammte Lehrmeinungen anzweifeln oder halt im noch extremeren Fall der einstigen (Glaubens-)Gemeinschaft den Rücken kehren. GLORIOR BELLI sind mit ihrer „Fuck-Off“-Attitüde und dem Wildern in anderen Genres bestimmt nicht für jeden etwas. Mich konnte „The Apostates“ durchaus unterhalten, lässt mich allerdings auch nicht in Lobgesänge ausbrechen. Die großen Überraschungen oder Hit-Songs fehlen ein wenig, für kurzweilige Unterhaltung ist die neueste aber durchaus geeignet!

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30.03.2018

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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