
Soundcheck September 2026# 14
Mit „Exsequiis“ sind die australischen Aggro-Barden von HARLOTT dieser Tage mit ihrem fünften Studioalbum zurück und setzen inhaltlich auf eine Fortschreibung ihres unnachgiebigen Stils, der hinsichtlich der Rifffolgen noch am Ehesten aus der Bay-Area beeinflusst sein mag. Personell ist man seit dem Einstieg von Lead-Gitarrist Leigh Bartley im Jahr 2019 stabil besetzt, sodass als Nachfolger von „Detritus Of The Final Age“ auch keine übermäßigen Überraschungen zu erwarten sind. Besonders die Produktion des Albums steht im logischen Schussfeld des Vorgängers Julian Renzo.
Komprimierter Knüppel
Das verleiht dem neuen Album des Quartetts aus Melbourne natürlich eine massive Schlagfertigkeit, aber auch eine hohe Kompression, welche Details verschluckt und etwa das Schlagzeug ein paar ordentliche Schritte weg von organischer Ausgestaltung führt. Die bissigen Songs, die sich im Wesentlichen irgendwo zwischen neueren EXODUS und TESTAMENT einreihen, hätten folglich auch vom Klang etwas mehr Straßendreck vertragen können, insbesondere da HARLOTT phasenweise dem letzten Werk von Skolnick & Co. näher kommen und ein paar treibende Death-Metal-Rhythmen einbauen („Messiah Simplex“).
An anderer Stelle haben die Australier genau bei der Entwicklung der deutschen Urgesteine von KREATOR hingeschaut und mit „The God That Knows No Name“ einen Song geschrieben, der von Melodik und Refrainlastigkeit genauso auch auf dem letzten Album der Ruhrpottler hätte stehen können. Durch ihre clevere Positionierung zwischen all diesen Querverbindungen, handwerklicher Klasse und einem durchaus vorhandenen Gespür für Momente, klingt „Exsequiis“ zwar nicht wie ein Aufguss von bereits Vorhandenem, die wirklich eigene kompositorische Handschrift fehlt den Aussies dennoch ein wenig.
Handwerkliche Kunst ohne Highlights
Letztendlich schaffen HARLOTT zu wenige Anreize, weshalb man ausgerechnet das fünfte Album der Band in einem ohnehin übersättigten Markt bevorzugen sollte. Dazu befinden sich auf „Exsequiis“ einige vollgepackte Stücke jenseits der Fünf-Minuten-Marke, in denen die melodischen Soli und spielerisch anspruchsvollen Schleifen häufig etwas zu weit vom Kern des Songs wegführen und den roten Faden etwas verlieren lassen. Dennoch kein schlechtes Album, das lediglich nicht richtig herauszustechen vermag.

Patrick Olbrich































Kommentare
Sag Deine Meinung!