Wolfbrigade - Howl From Underground

Review

Diesmal war das Rudel aber flott! Nur zwei Jahre nach “Life Knife Death” kommt die schwedische Crust-Legende mit dem Nachfolger “Howl From Underground” an, das wieder über Metal Blade Records erscheint. Altersmilde oder Abnutzungserscheinungen sucht man bei WOLFBRIGADE nach wie vor vergeblich. Denn auch, wenn man bei den Lycanthro-Punks aus dem Umland von Stockholm inzwischen die grobe Richtung kennt, erfinden sie sich mit jeder Platte ein klein wenig neu und setzen den Schwerpunkt immer mal auf einer anderen Facette ihres recht vielschichtigen und dynamischen Sounds. Auf prosaisches Ausrasten und energiegeladene Wut kann man sich hingegen auf dem nunmehr zwölften Album – die ebenfalls großartigen WOLFPACK-Scheiben mitgerechnet – verlassen.

Die Klauen von WOLFBRIGADE werden mit den Jahren schärfer …

Natürlich standen WOLFBRIGADE schon immer für eine hohe qualitative Dichte und haben nie ein schwaches Album veröffentlicht. Die monumental walzende Schlagkraft ihrer letzten vier Alben seit “Run With The Hunted” ist dennoch beeindruckend, wenngleich ausgerechnet der Vorgänger “Life Knife Death” nicht ganz so konsequent überzeugen konnte wie manch andere Scheibe der Band. Seit jeher präsent im Schaffen der Band ist auch ein latenter Einfluss von etwas Thrash- und Black Metal und vor allem ganz viel Death Metal. Wohingegen der Vorgänger eine rotzig-groovige ENTOMBED-Schlagseite vorwies, kehren die Wölfe auf “Howl From Underground” streckenweise zurück in die etwas melodischere Nähe von DISMEMBER und zelebrieren grob die Mischung ihrer eigenen Werke “Comalive” und “Damned”.

Ihre Treffsicherheit beim Songwriting ist erneut atemberaubend. Ihre besten Momente haben WOLFBRIGADE immer, wenn sie rohe D-Beats mit typisch skandinavisch-melancholischen Gitarrenmelodien verbinden, was auf dieser Scheibe bei “When Dogs Cry” und dem Titelstück hervorragend funktioniert. Klassischere Aggro-Nummern der Marke “Caveman Motherfuck” (Songtitel des Jahres!), “Cold War Bootlicker” (zweitbester Songtitel des Jahres!) oder “Born To Rot” wissen hingegen durch ihre im positive Engstirnigkeit zu überzeugen und beweisen, wie zeitlos und kathartisch eine klassisch und doch frisch gebackene ‘Kruste’ in Zeiten sein kann, in denen sich ein Großteil der Menschheit nur noch bemüht, die Welt jeden Tag ein Stückchen schlechter zu machen.

Gerade für das Ende haben sich WOLFBRIGADE noch einige Überraschungen aufgehoben und lassen “Howl From Underground” mit apokalyptischen Stimmungen ausklingen. Besonders hervorstechend im letzten Drittel der Platte ist das programmatisch betitelte “Man Is Wolf To Man”, das sich einige US-Hardcore-Beats zu Nutze macht, ohne die Stimmung zu stören. Im hinteren Teil des Albums ist der Black-Metal-Einfluss in der Gitarrenarbeit zudem deutlicher, sodass das Album insgesamt einen epischen Beigeschmack hat.

Ein “Howl From Underground” mit ordentlich Nachhall …

Wie bei jeder neuen Scheibe der Punk-Metaller – oder Metalpunks? – gilt für Fans: Wenn ihr blind zuschlagt, könnt ihr nichts falsch machen. Tatsächlich lässt sich “Howl From Undergrond” aufgrund seiner Adrenalinfülle, seiner perfekt auf den Punkt kommenden Songs und seines Abwechslungsreichtums auch als idealer Einstieg für WOLFBRIGADE-Neulinge empfehlen. Bleibt nur zu hoffen, dass Charakterstimme Micke Dahl und seine Jungs noch weitere hundert Jahre Platten veröffentlichen, die einerseits genau das liefern, was man will und andererseits dabei trotzdem noch verdammt lebendig klingen.

Übrigens haben wir ein intensives Jahr für Crusties: Neben WOLFBRIGADE bringt die andere wichtigste schwedische Band des Genres noch ein Album heraus. DISFEAR haben just mit “The Last Nail” für November ein Album angekündigt, auf dem die beiden leider verstorbenen Mitglieder Tompa Lindberg (AT THE GATES, THE LURKING FEAR uvm.) und Marcus Andersson noch zu hören sein werden. Danach müssen wir alle ganz stark sein, denn eine Ära geht zu Ende …

02.10.2026

Redakteur

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