Black Listed Friday
Die 6+6+6 der Woche

Special

Am „Black Listed Friday“ Nr. 48 sorgt metal.de für Transparenz. Die „6+6+6 der Woche“ stellen die zentralen Aspekte bezüglich des Prozesses gegen DARKTHRONE und ihre „Necro-Trilogie“ („F.O.A.D.“, „Dark Thrones And Black Flags“ und „Circle The Wagons“) heraus. Wir fühlen uns sowohl der Musik als auch der Band verpflichtet. Und natürlich allen echten Headbangerinnen und Headbangern.

Die 6 wesentlichen Punkte der Anklage gegenüber DARKTHRONE und der „Necro-Trilogie“

1. DARKTHRONE haben mit der „Schwarzen Trilogie“ („A Blaze In The Northern Sky“, „Under A Funeral Moon“ und „Transilvanian Hunger“) den echten Black Metal konträr zu jedweder Sex-Drugs-Rock’n’Roll-Attitüde definiert. Sie haben Spiritualität und Nihilismus durch Radikalität, gar Wahnsinn verbunden.

2. Die Alben waren und sind revolutionär, rücksichtslos und damit verständlich und nutzbar nur für die Elite innerhalb der Echten.

3. Die Identifikation mit dieser Art Musik zieht in logischer Konsequenz einen insgesamt durch Ablehnung der Menschheit, mindestens aber der Menschlichkeit bis zum Pathologischen gekennzeichneten Lebensentwurf nach sich bzw. erwächst aus einem solchen.

4. Unter demselben Namen Songs der Titel „Raised On Rock“, „Hiking Metal Punks“, „Hanging Out In Haiger“ („Haiger ist eine Kleinstadt im nördlichen Teil des mittelhessischen Lahn-Dill-Kreises und liegt zwischen den Städten Wetzlar und Siegen.“/Wikipedia), „I Am The Working Class“, Grizzly Trade“ oder „The Winds They Called The Dungeon Shaker“ zu veröffentlichen, ist kulturell unverantwortlich. Nicht nur Anhängerinnen und Anhänger der Band DARKTHRONE sind hinsichtlich ihres Selbstkonzepts mindestens potenziell fundamental erschüttert.

5. Auf diesen Songs wird partiell im schiefen Pseudo-Falsett gejodelt („The Winds They Called The Dungeon Shaker“).

6. DARKTHRONE haben sich daher von genannten Alben zu distanzieren oder sich aufzulösen. Jedwedem Hedonismus ist seitens der Band abzuschwören. Die spätere (partielle) musikalische Kurskorrektur in Richtung Irrelevanz ist in diesem Sinne als unzureichend wenn nicht gar irrelevant zu betrachten.

Die 6 relevanten Argumente der Verteidigung DARKTHRONEs und der „Necro-Trilogie“

1. HOPE YOU AWAKEN IN TIME!

2. AND KNOW THAT YOU ARE ON MY MIND!

3. LOOK OVER YOUR SHOULDERS – YOU’RE BLIND!

4. AND THEN!!

5. CIRCLE THE WAGONS!

6. Fuck off and die.

Die 6 zentralen Passagen des Urteils im Fall „DARKTHRONE und ihre ‚Necro-Trilogie’“

Das Gericht folgt der Anklage in Teilen. Eine Distanzierung in geforderter Art ordnet es jedoch nicht an, sondern stellt die Bedeutung der angeklagten Alben heraus. Eine Bandauflösung thematisiert es abweichend begründet. Es folgen zentrale Passagen des Urteils im Wortlaut.

1. Eine gewisse „Fuck-Off-Attitüde“ kann man gerade im rigorosen Stilbruch der „Necro-Trilogie“ sehen. Sie kann somit auf einer Meta-Ebene als kompatibel mit dem Szene-Ideal gelten.
Die radikale Kursänderung ist zudem ein altersangemessener Schritt in eine gemäßigtere, bei angedeutetem Augenzwinkern gleichwohl ebenso existenziell ernsthafte Nische.
In der geht es tatsächlich musikalisch vielfältiger zu. Dieses Merkmal ist jedoch unerlässlich, garantiert es doch ein hinreichend dichtes Netz an potenziellen musikalischen Verweisen bzw. Verweismöglichkeiten, um die Hauptfunktion der „Necro-Trilogie“ sicherzustellen: Sie dient als Folie, das jeweils individuelle subkulturelle Wissen nachzuweisen, ihr kommt eine den Status innerhalb der Szene mitdefinierende Funktion zu.
Für die mittelalte Zielgrvppe ist es entscheidend, die wichtigen obskuren Underground-Bands verschiedener Genres und ihre Werke nicht nur generell zu identifizieren und korrekt einzuschätzen, sondern die Relevanz einzelner klanglicher wie literarischer und insgesamt ästhetischer Aspekte in ihrer Intertextualität zu begreifen – und diese Fähigkeit transparent zu machen. Zum Beispiel beim sog. „kommentierenden Hören“ in der Gruppe. Oder auf Reddit.

2. Eine hedonistische Komponente ist nicht zu leugnen. Sie ermöglicht es allerdings älteren Anhängerinnen und Anhängern DARKTHRONES, welche sich von der radikalen Abwendung von der Gesellschaft abgewandt haben, eine modifizierte Szeneanbindung aufrecht zu erhalten und mit den in jungen Jahren prägenden Alben nicht zu brechen.

3. Eine solche Kompromisslinie ist realitätsnah: Die noch lebenden Protagonisten der sog. Second Wave sind diesen Weg ihrerseits zum allergrößten Teil gegangen; das Böse, Verneinung und Destruktion sind nur (noch) unterschiedlich ausgeprägte Teilaspekte der jeweiligen Persönlichkeit und Weltsicht. Sie werden zum Teil spielerisch gebraucht und dementsprechend in den eigenen Lebens(!)entwurf integriert. Diese Entwicklung auch musikalisch zu dokumentieren, ist legitim. Wichtig ist es, hier Originalität nicht mit sinnloser Domestizierung zu verwechseln

4. Das Skizzierte mag kritisiert werden. Alternativ erschöpfte sich die Black-Metal-Szene jedoch in einer verschwindend geringen Minderheit in Südamerika, einem Keller/Wald in Norwegen sowie generell dem Teenageralter.

5. Aus Gründen des Respekts sowie der Ästhetik wird es der Gruppe DARKTHRONE dennoch präventiv und ausnahmslos untersagt, auf etwaigen (wenngleich kategorisch ausgeschlossenen) Konzerten Stücke beider genannter Trilogien zu mischen.

6. Desweiteren wird die Auflösung der Band angeordnet, sollte sie nicht in naher Zukunft ein stilistisch, mindestens aber qualitativ einer der beiden Trilogien entsprechendes Album veröffentlichen (können).

23.10.2026

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