Bonded
Tarantino-Thrash mit Augenzwinkern

Interview

Ich selbst habe das Buch nicht gelesen, aber zumindest ein paar Eckdaten eingeholt. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um eine Fantasy-Horror-Geschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, in der deutsche Soldaten als Protagonisten fungieren. Habt ihr darüber diskutiert, ob sowas als deutsche Band nicht ein etwas heißes Eisen ist?

Ingo: Du meinst in eine politische Richtung?

Ja, das ist ja was, das Leute sehr schnell komisch auslegen können.

Ingo: Mit genügend Fantasie kannst du natürlich alles in eine komische Richtung auslegen. Aber ich muss zugegen, dass ich mir über diesen möglichen Kritikpunkt gar keine Gedanken gemacht habe.

Bernemann: Jetzt im Nachhinein vielleicht.

Ingo: Im Nachhinein okay, aber selbst dann nicht. Erstmal ist das ein Teil unserer Geschichte. Zum zweiten handelt es sich um eine fiktive Geschichte und das werden die Leute auch erkennen. Es ist mehr so ein Quentin Tarantino-Style, ein bisschen überzogen, mit einem kleinen Augenzwinkern. Es ist unterhaltsam, aber natürlich nicht historisch korrekt. Die soll nichts anderes machen als zu unterhalten. Abgesehen davon ist Richard Waliser, wohnt zwar in Deutschland und ist mit einer deutschen Frau verheiratet, hat aber einen ähnlichen Background wie wir, wo es abstrus wäre, uns in die rechte Ecke zu stellen.

Bernemann: Ich denke auch, dass die Geschichte so fiktiv ist, da haben wir im Traum nicht an sowas gedacht.

Ingo: Aber wer weiß, wenn ich mir die Corona-Schwurbler so ansehe, überlegen die sich vielleicht ernsthaft, ob sie nicht langsam Vampire züchten sollen. Aber dann würde ich sie, wie jetzt schon, schallend auslachen. Die grobe Storyline des Buches ist, dass Heinrich Himmler eine Elitetruppe von deutschen Soldaten in den Nahen Osten schickt, um einen Grafen abzuholen, weil der ihm die ultimative Waffe in Aussicht stellt, um den verlorenen Krieg mit eigenen Vampirsoldaten noch zu gewinnen. Die Division der deutschen Soldaten, die auf der bösen Seite stehen und die Vampire abholen sollen, werden zu Protagonisten, weil der Graf plant, sie auszunutzen und die Welt zu beherrschen. Wer das für bare Münze nimmt oder das ernsthaft in einem politischen Kontext deutet, hat eine Menge Fantasie, noch mehr als ich.

Geschichten aus dem Leben selbst

Woher nimmst du denn abgesehen von Literatur deine Inspiration für die Lyrics? Du hast ja gerade schon erwähnt, dass dir dahingehend Abwechslung wichtig ist.

Ingo: Letztendlich aus dem Leben selbst. Vieles ist von persönlichen Erfahrungen inspiriert. „Destroy The Things I Love“ ist zum Beispiel ein Song, in dem es um meine Emotionen zu einem bestimmten Thema geht. Was genau das ist, möchte ich lieber der Interpretation der Fans überlassen und gar nicht weiter erklären. Wenn ich mir heutige Bands anhöre, geht es mir oft so, dass ich auch versuche, mich damit zu idenzifieren und darin wiederzufinden. Wenn mir das gelingt, ist es ein Zeichen davon, dass mich die Nummer abholt und mir etwas bedeutet. Wenn ich anderen Leuten etwas ähnliches bieten kann, obwohl ich die Texte vielleicht mit ganz anderen Gedanken dahinter formuliert habe, heb ich meine Aufgabe erfüllt.

Es ist aber sicherlich auch so, dass ich mich in der Welt umschaue und reflektieren. Unsere dritte Single wird der Song „Watch (While The World Burns)“. Darin geht es um die gesellschaftlichen Entwicklungen in unserem Land seit Beginn der Pandemie. Mir ist aufgefallen, dass in der sozialen Interaktion vieles abgeht, bei dem ich mich frage, was auf einmal mit den Leuten los ist. Wir haben vorhin über Fantasie gesprochen und da muss ich sagen, ich kann hinterfragen und kritisches Denken gut nachvollziehen, weil hinter verschlossener Tür sicherlich Dinge passieren, die wir als Ottonormalbürger gar nicht mitbekommen, aber wenn Schwurbelköppe und Aluhüte glauben, dass eine weltweite Pandemie ausgelöst wird, um irgendwelche dubiosen Ziele zu erreichen, halte ich das für vollkommen absurd und unwahrscheinlich. Wenn ich sehe, auf was für Verschwörungen die Leute kommen, denke ich mir, ist das ja schon sehr kreativ, aber eben auch total hanebüchen. Darum geht es eben in einem Song auf dem Album. Ich hoffe, sowas gelingt mir noch öfter. Das ist natürlich nur meine Meinung und ich finde es auch gut, wenn die Leute etwas hinterfragen. Wenn ich bei ihnen einen Gedankengang auslöse, habe ich meinen Job gut gemacht.

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11.11.2021

"Irgendeiner wartet immer."

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