Bonded - Rest In Violence

Review

Soundcheck Januar 2020# 2

Es ist schon ein bisschen verwunderlich, dass der Begriff der All-Star-Group sich bei BONDED gar nicht so stark aufdrängt. Die beiden ehemaligen SODOM-Mitglieder Bernemann und Makka, der ehemalige SUICIDAL-ANGELS-Gitarrist Chris Tsitsis und der ASSASSIN-Sänger Ingo Bajonczak stehen für eine nicht gerade geringe Thrash-Metal-Prominenz. Das liegt wahrscheinlich am Narrativ: SODOM um Tom Angelripper orientieren sich an der Glanzphase aus den Achtzigern. Im Gegensatz dazu wollen BONDED mit Bernemann und Makka den Weg von „Decision Day“ weiter gehen. Man verfällt allzu leicht der Versuchung, „Rest In Violence“ einer kontrafaktischen Kontinuität zuzuordnen, in der die beiden immer noch bei SODOM wären.

Kann Spuren von SODOM enthalten

„Rest In Violence“ widerspricht dieser auch nicht. Viele Trademarks sind ähnlich. Es fehlt natürlich Angelrippers ikonischer Gesang, Bajonczak kann mit seinem eigenen Stil diese Lücke allerdings befriedigend ausfüllen. Die BONDED-Songs fallen allerdings nicht so zackig aus. Wobei die Herkunft von Bernemann und Makka in ‚Suit Murderer‘ etwa unüberhörbar ist. Das Gekloppe, die rauschenden Gitarren und der geschriene Gesang vereint in eingängigen Songs. Das ist praktisch die SODOM-Essenz. Allerdings sind BONDED nicht so stark der SODOM-Attitüde verhaftet, daher fehlt einerseits die Schwärze, lässt aber auch den Raum für neues offen. Der Titeltrack demonstriert vor allem durch den Gastauftritt von Bobby Blitz Ellsworth die Nähe zum amerikanischen Thrash Metal, wie auch ‚The Rattle & The Snake‘ mit seiner SLAYEResken Einstiegsmelodie.

Auf dem Album bricht das Quintett erfrischenderweise mit einigen Thrash-Konventionen: Mit ‚Godgiven‘ erfolgt ein relativ langsamer Einstieg. ‚The Rattle & The Snake‘ trumpft durch eine Mundharmonika. ‚No Cure For Life‘ weckt Assoziationen an Grunge und die 90er-Jahre. Und trotz der vielen melodischen Gitarren-Läufe klingt es jederzeit schön dreckig. Zum Ende geht dem Album die Luft aus, was das Finale ‚The Outer Rim‘ aber effektvoll kaschieren kann. Es geht mit einem balladesken Teil los, in dem Bajonczak sogar clean singt. Erst nach der Hälfte des Songs wird es etwas thrashiger, ehe im Schluss die Grenzen zwischen beidem verfließen. Äußerst interessant.

„Rest In Violence“ trumpft durch eine offenere Machart

„Rest In Violence“ ist das erste Thrash-Ausrufezeichen des neuen Jahres. Denn BONDED können durch die Kombination des typischen SODOM-Sounds und neuer Elemente tatsächlich ein hörenswertes und interessantes Album kreieren und zeigen damit, dass ein Schritt „Back to the roots“ nicht immer die beste Option ist.

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10.01.2020

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13 Kommentare zu Bonded - Rest In Violence

  1. ClutchNixon sagt:

    Tscha, dann geh mal schön kacken Tom. Prima!

    1. daniel sagt:

      da freu ich mich drauf !! steht aufm einkaufszettel !! die ersten songs kommen direkt aufm punkt und gefallen beim ersten hören sofort !! da wird sich jemand später ärgern gutes personal vor die tür gesetzt zu haben !! die werden mit der mucke bestimmt erfolgreicher als sodom mit ihrer neuen garagen mucke !!!

      1. doktor von pain sagt:

        Das glaube ich kaum, da Sodom eben Sodom sind, ganz egal, welche Musik die machen (ich bin übrigens kein Sodom-Fan, das nur am Rande). Bonded hingegen müssen sich erst noch einen Namen machen.

      2. hhirsch sagt:

        Trennungen von Bandmitgliedern bzw. Umbesetzungen haben in den seltensten Fällen etwas mit den technisch / musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder zu tun. In der Regel sind es eher „atmosphärische Störungen“ (nennen wir es mal so).
        Wenn man 100 Tage im Jahr auf Tour ist muss man irgendwo auch miteinander klar kommen. Bei Bernemann/Makka und Tom war das wohl irgendwann nicht mehr der Fall (zumindest war wohl Tom dieser Meinung wenn man die Statements so ließt). Wenn nun beide Seiten (Tom mit der aktuellen Besetzung von Sodom) und Bernemann/Makka nun mit Bonded glücklich sind ist es für alle Seiten gut.

        Ich finde gerade den Sänger von Bonded stark und stimmlich besser als Tom – aber Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich. Dazu sind Songs auch in Richtung US Thrash orientiert – nicht alle, aber einige – mir gefällt die Scheibe richtig gut. Für Teutonen Thrash schon fast filigran.
        Klar wird Bonded erstmal wieder weiter unten anfangen und keine Headliner Show bekommen. Dafür hat man zum einen nicht genügend eigenes Material und zum anderen nicht den großen Namen. Aber mit dem Vertrag bei Century Media hat die Truppe schon mal was in der Hand.

        9/10
      3. Wild_Healer sagt:

        Verstehe nicht ganz, warum man sich hier für eine „Seite“ entscheiden muss. Glaube auch nicht, dass Angelripper sich darüber ärgern wird, da es ja wahrscheinlich gute Gründe gab, sich von diesem wirklich guten Line up zu trennen. Das sind jetzt nun zwei unterschiedliche Bands und sind nicht voneinander beeinflusst. Ob das erste Bonded Album den „Test of Time“ bestehen wird, hat überhaupt nichts mit einem Erfolg oder Misserfolg der nächsten Sodom Scheibe zu tun. Man muss als Fan der einen oder anderen Band die Streitigkeiten auch nicht immer gleich persönlich auf sich beziehen, wie früher das alberne Metallica oder Megadeth Gelaber, was sich ja zum Glück auf verflüchtigt hat.
        Und zum Album selbst: Finde die Band schon von der Besetzung her sehr interessant, war aber von der ersten Single „Je Suis Charlie“ eher enttäuscht, da das Thema recht plakativ fand und der Gesangsstil auch recht unnötig modern klang in meinen Ohren. „Suit Murderer“ war dagegen eine echte Überraschung, Das Intro ist ja fast Death Metal und der ganze Song ist auch insgesamt viel stärker als die erste Single. Mehr davon auf dem Album und ich bin dabei!

      4. ClutchNixon sagt:

        Ich glaube darum eine Seite wählen zu müssen ging es hier nicht mal, aber man darf ähnlich gelagerte Mucke doch sehr wohl auf qualitativer Ebene vergleichen.

    2. Wild_Healer sagt:

      Absolut, das bietet sich in dieser Situation ja auch besonders an. Klang hier teilweise aber eher so, als würde der eine oder andere das ganze etwas persönlich nehmen.

    3. daniel sagt:

      zack !! drummer von sodom hat sich verpisst …mmh liegt ja nicht an tom…oder ?! 😅🤔😉 ob bobby sich das nochmal antut ? bin sehr gespannt !!

      1. ClutchNixon sagt:

        Ach guck an—Honni soit qui mal y pense! Indes schreibe ich ganz ohne Scham das Folgende: Ein tighter Ersatz wäre immerhin ein Anfang. Wahrscheinlich geht Blackfire aus ähnlichen Gründen innerhalb des nächsten halben Jahres.

      2. hhirsch sagt:

        Auch wenn es nur bedingt etwas mit der Veröffentlichung von der Bonded Scheibe zu tun hat. Wenn man sich mal ein Interview mit Huskey durchliest….dann stellt man fest das er u.a. noch bei Asphyx und Desaster spielt, dann im Musikgeschäft voll arbeitet. Er ist Geburtsjahr 76 und hat nicht wie Tom und Blackfire Einnahmen aus CD Verkäufen über 20 Jahre in einem Volumen von Sodom. Der muss ca 150 Tage touren oder halt arbeiten – sonst reicht das nicht. Blackfire und Tom haben das wohl nur bedingt mit Sodom vor. Die Gründe für die Trennung, die so in den Medien stehen, klingen für mich sehr plausibel. Er beschreibt ja auch das er beruflich immer nach Wacken muss – Sodom hat eine Agent Orange Show angekündigt – und der Drummer arbeitet halt da noch nebenher oder wie. Sodom hatte wohl schon einen Aushilfsdrummer für einige Gigs – also so ganz aus den Himmel fällt das jetzt nicht.

      3. ClutchNixon sagt:

        Glaubst du wirklich, dass Blackfire seinen Lebensunterhalt der vergangen 25 Jahre aus Royalties bestritten hat?

      4. hhirsch sagt:

        natürlich nicht – darum geht es aber auch nicht sondern um die unterschiedlichen Ausgangslagen von Tom/Blackfire vs. Huskey und warum die Aussagen für mich schlüssig klingen. Tom halt halt nicht jeden grundsätzlich aus der Band geekelt oder ausgeworfen wenn jemand dieser verlässt. Kann auch andere Gründe geben – und die sind manchmal ganz banal.

  2. royale sagt:

    hört sich ganz gut an, mal sehen ob es nächste woche auch live so gut kommt