Chimaira
Chimaira

Interview

Von größeren Schicksalsschlägen ist man bisher verschont worden, mit jedem Album wachsen Erfolg, Popularität und Fanbase, Felldrescher Andols Herrick ist wieder mit an Bord, ein neuer Deal mit Nuclear Blast in Europa und mit Ferret Records in den USA wurde unterzeichnet, dazu ein neues Album im Gepäck…das Leben scheint geradezu heftig pulsierend durch CHIMAIRAs Adern zu fließen, da mutet der Titel „Resurrection“ der neuen Langrille auf den ersten Blick doch etwas unverständlich an. Warum also von Wiederauferstehung sprechen, wenn man doch gar nicht tot war? Gitarrist Mat DeVries erklärt.

ChimairaOffensichtlich stellt der Titel keinen Bezug zu religiösen Aspekten her. Die Namensgebung bezeichnet eher eine Kehrtwende in unserer Geschichte. In Europa und Großbritannien sind wir schon seit jeher ziemlich erfolgreich aber in den USA wurde der Karren so ziemlich straight an die Wand gefahren, vor allem was die Supportarbeit der Labels angeht. Das war eine Talfahrt mit einem ständigen Auf und Ab, die sich z.B. mit den diversen Änderungen im Line-Up auch im Bandgefüge fortsetzte. Im Endeffekt waren wir alle ziemlich frustriert. Dann begann sich das Blatt aber zu wenden, wir kündigten den Vertrag bei unserem alten Label und unterschrieben bei einem neuen, Andols kam wieder zurück zur Band und die schlechten Zeiten kehrten sich in gute. Es setzte so was wie ein allgemeines Gefühl der Verjüngung ein, denn jeder schien beflügelt davon, wie sich die Umstände in letzter Zeit entwickelten. „Resurrection“ stellt also, wenn man es weit fasst, so etwas wie ein Comeback-Album dar.

Wie lange haben die Arbeiten an “Resurrection” insgesamt gedauert?

Eigentlich haben wir mit dem Songwriting bereits im Februar vergangenen Jahres begonnen, als wir gerade eine Pause vom Touren eingelegt haben. Wir bastelten damals an etwa 13 Songs, die mehr oder minder nur unfertige Ideen waren, und haben mit ProTools einfach ein bisschen herumexperimentiert. Als wir im Juli dann im Übungsraum zusammen kamen und diese losen Ideen erneut begutachteten, merkten wir, dass wir eine andere Sichtweise auf sie entwickelt hatten. Also begannen wir von neuem mit dem Songwriting, was sich im Endeffekt etwa bis Mitte September hinzog.

Welche Rolle spielte dabei euer Drummer Andols Herrick, der nach zweijähriger Abstinenz im Januar 2006 wieder zur Band zurückkehrte?

Es war schon bedeutend anders als mit Kevin (Talley, ex-Drummer, Anm. d. Verf.). Zunächst waren wir keinem Druck seitens eines Labels oder irgendwelcher fest gesteckter Pläne unterworfen, alles war eher ‚easy going’. Dazu fühlen wir uns mit Andols nicht nur aus dem offensichtlichen Grund wohler, dass wir uns schon eine geraume Zeit kennen. Seine Rückkehr löste in uns zudem eine Rückbesinnung auf das Ideal des Miteinanders aus, dass wir seit der Bandgründung nie wieder in der Art und Weise gespürt hatten. Es fehlte etwa dieses unbeschwerte Gefühl beim Jammen. Spaß zu haben, bei dem, was man zusammen tut, nämlich das heavieste CHIMAIRA-Album zu schreiben, was nur möglich ist. Andols brachte das alles zurück, weswegen die Herangehensweise uns dieses Mal viel leichter fiel.

War also die kurze Zeit mit Kevin nicht mehr als ein Missverständnis?

Ich bedaure es nicht und bin froh darüber, dass wir mit Kevin diese Zeit verbringen durften. Er ist ein unglaublicher Drummer und mit „Chimaira“ haben wir ein sehr gutes Album mit ihm geschrieben. Es gab keine Probleme bezüglich seines technischen Könnens. Wir sind als Freunde auseinander gegangen und dass es soweit kam, lag an persönlichen Differenzen und Problemen was das Touren anging. Das soll jetzt nicht im Hinblick darauf falsch verstanden werden, dass wir überhaupt nicht mit ihm zu Recht kamen. Die Tatsache, dass man auf Tour mit 12 Personen auf engstem Raum quasi zusammen leben muss, beeinflusst nicht nur das Arbeiten als Band sondern auch das auf einer persönlichen Basis. Die restlichen Bandmitglieder kennen sich alle bereits seit frühester Jugend, man könnte auch von einer eingeschworenen Clique sprechen. Als Outsider ist es schwer, sofort in eine solche Gemeinschaft hineinzufinden und das war es wohl, was zwischen uns und Kevin gefehlt hat.

Würdest du zustimmen, dass ihr auf „Resurrection“ den Versuch unternehmt, in die Zukunft voran zu schreiten, indem ihr eure eigene Geschichte reflektiert?

Ja, wir haben eigentlich die letzten beiden Alben zu „Resurrection“ kombiniert, wobei es kein erzwungener, kognitiver Prozess war. So was funktioniert auch hervorragend ohne einen Plan! Die Song sind viel kürzer als die auf „Chimaira“ und kommen durch ihre Brutalität viel schneller auf den Punkt. Auch wenn die einhellige Meinung zu „Chimaira“ die ist, dass es ein hervorragendes Album darstellt, denke ich, dass erst auf „Resurrection“ alle Mitglieder ihre Fähigkeiten auf ganzer Linie ausspielen können.

Alle Songs sind durch Samples miteinander verlinkt, so dass zumindest die Annahme eines losen, konzeptionellen Grundgerüsts nicht weit entfernt ist.

Nein, dahinter steht keine wirklich tiefgründige Idee. Viele Songs beginnen oder enden mit solchen Samples und da lag die Idee nicht fern, diese Samples zu verbinden und ganze Sequenzen aus ihnen zu basteln. Ich finde, es ist eine coole Idee, wenn man sich ein Album anhört und es so etwas wie eine Konstante gibt, die einen durch das ganze Album geleitet. Das hat etwas von einer Kontinuität, die die Maschine die ganze Zeit am laufen hält, anstatt sie zwischendurch immer wieder anzuhalten. Kunst um der Kunst willen also, haha!

Die beiden Bonustracks ‘Kingdom Of Heartache’ und ‘Paralyzed’, die auf der Bonus-Edition erscheinen werden, klingen, als ob sie bereits eine längere Zeit vor den Songwriting-Sessions zu „Resurrection“ geschrieben wurden.

Das stimmt, das sind zwei Songs, die noch aus den ersten Versuchen zu „Resurrection“ im Februar stammen. Sie klingen etwas mehr nach Death Metal und sind vom Feeling und ihrer Ausrichtung wohl stärker mit „Chimaira“ zu assoziieren.

Mark Hunter (Fronter, Anm. D. Verf.) scheint sich die Kritik der letzten Alben bezüglich seiner Stimme zu Herzen genommen zu haben. Die Keller tiefen Growls bringen deutlich mehr Varianz und stehen ihm sehr gut zu Gesicht.

Was auch immer ihn dazu bewegt hat, diese Growls in einige Passagen einzubinden, er arbeit mittlerweile sehr hart an seinem Stimmspektrum. Eigentlich denke ich, dass der wirkliche Auslöser unser Produzent Jason Suecof war, mit dem wir auf „Resurrection“ das erste Mal zusammen gearbeitet haben. Mark hatte mit ihm schon auf der „Roadrunner United“-Scheibe gearbeitet und berichtete uns, dass er dort die wohl besten Vocals bis dato eingesungen hätte, was wir, nachdem wir uns damals seinen Song angehört hatten, ebenso sahen. Mark zufolge war es der Verdienst von Jason, der ihn bis ans Limit gepuscht hat und es ist diese Kombination, die Mark nun zu zeigen befähigt hat, dass er über ein breiteres Spektrum verfügt, als vielleicht von einigen angenommen. Meiner Meinung nach sollte er die tiefen Growls in Zukunft auch öfters einsetzen, sie verleihen der Musik einen noch etwas brachialeren und schärferen Drive.

War dies der einige Grund, Jason als neuen Produzenten zu engagieren?

Marks Erfahrung mit ihm waren sicherlich der unmittelbare Trigger, obwohl auch die Drei-Track-Demo, die wir letztes Jahr im Juli mit Jason aufgenommen haben, sicherlich ihren Teil dazu beitrug, da sie uns völlig vom Hocker gerissen hat. Zusätzlich mochten wir bereits seine Arbeit, die er für Trivium und God Forbid abgeliefert hat. Die Entscheidung für einen Produzenten fiel uns also nicht besonders schwer und wie man am Endergebnis hören kann, ist der Sound noch um einiges fetter und brachialer als auf „Chimaira“ ausgefallen.

Wie ist darin der Wechsel zu Andy Sneap als Mixer und Co-Produzenten einzuordnen, der die Nachfolge von Colin Richardson antrat?

Wie so ziemlich in allen Belangen wollten wir bei „Resurrection“ auch in diesem Bereich etwas Neues ausprobieren. Wir waren schon immer schwer beeindruckt von Andy. Er zaubert den besten Sound und die besten Farbtiefen! Colin und Ben (Schigel, Produzent von „Chimaira“, Anm. d. Verf.) sind super Jungs und diese Kombination hat auf dem letzten Album funktioniert aber dieses Mal haben wir schlicht nach etwas Neuem und völlig anderem gesucht.

Für das Cover sollte diversen Internet-Quellen zufolge eigentlich Paul Booth verantwortlich zeichnen. Was ist daraus geworden?

Ich kann mich leider nicht an den Namen des Künstlers erinnern, der letztendlich das Cover zu „Resurrection“ gemacht hat, aber Paul Booth war es nicht! Er hätte es ursprünglich entwerfen sollen und wir hatten uns, soweit ich mich erinnere, auch schon für ein Motiv entschieden. Dass wir letztendlich einen anderen Künstler ausgewählt haben, war weder die Schuld Pauls noch unsere aber der Grund dafür war, dass das finale Artwork der Idee von „Resurrection“ näher kam, als das, was Paul Booth für uns gezeichnet hatte.

Das Cover erinnert mich ziemlich stark an den Film „Die Fliege“.

Ja, mich auch! Es ist ein ziemlich bizarres Artwork geworden, das in meinen Augen den Durchbruch bzw. den Ausbruch aus einer einengenden Hülle sehr gut transportiert und demnach perfekt zur Idee von „Resurrection“ passt. Es ist in gewissem Sinne auch viel traditioneller im Vergleich zu unseren bisherigen Covern geraten, weil es offensichtlich viel stärker im Horror-Genre verwurzelt ist. Generell ist bei „Resurrection“ so etwas wie ein ‚Movie-Vibe’ im Hintergrund spürbar, der vor allem auf Marks Initiative zurückgeht.

Welche Geschichten finden sich dieses Mal auf „Resurrection“ wieder?

Es hat sich in den Lyrics im Vergleich zu unseren früheren Alben nicht schrecklich viel verändert. Mark versucht noch immer, der Interpretation der Hörer so viel Spielraum wie möglich offen zu lassen. Er hat sich allerdings recht viel Inspiration aus einschlägigen Filmen für seine Lyrics gezogen aber ich will nicht allzu viel vorweg nehmen. Sie sind wie immer ziemlich wütend und düster ausgefallen…ihr müsst wohl auf das Booklet warten, hehe!

02.03.2007

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